Niels Giffey kann mit Alba Berlin in München um die Deutsche Meisterschaft kämpfen.
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MünchenIch packe meinen Koffer und nehme mit. Eine Badehose bei einem Strandurlaub natürlich, Wanderstiefel machen für zwei Wochen im Hochgebirge auf jeden Fall Sinn. Aber: „Was braucht man für einen Monat Quarantäne?“, fragte sich Rasid Mahalbasic am Dienstagmittag auf Instagram. Wenige Minuten zuvor hatte der Center aus Oldenburg erfahren, dass das von der Bundesliga (BBL) geplante, dreiwöchige Basketballturnier in München auch wirklich stattfinden darf.

Die bayrische Landesregierung hatte kurz nach 13 Uhr in einer Pressekonferenz den Daumen nach oben bewegt, schon kurz zuvor waren Informationen durchgesickert, dass die deutschen Profibasketballer ihren Geistermeister im Juni ermitteln dürfen. „Es war ein sehr überzeugendes Hygienekonzept, da es praktisch unmöglich ist, dass jemand nach außen geht oder etwas von außen hereingetragen wird“, sagte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann, „man konnte aufgrund der positiven Entwicklungen bei den Zahlen insgesamt, aber auch bei den ersten Erfahrungen in der Fußball-Bundesliga hier wirklich aus Überzeugung sagen, dass das Konzept durchgeführt werden kann.“

Albas Geschäftsführer Marco Baldi meinte: "Ein Finalturnier ohne Zuschauer in der Halle ist weit weg von dem, wie wir uns die Ausspielung der Deutschen Meisterschaft wünschen. Dennoch sind wir voller Hoffnung und Zuversicht, dass Spieler, Trainer, Betreuer und alle anderen Mitwirkenden den Basketball-Fans ein sportlich aufregendes Finalturnier bieten und ein würdiger Deutscher Meister 2020 gekürt wird." Auf die Entscheidung hatten die Liga- und Vereinsverantwortlichen seit der Vorlage ihres Konzepts zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der BBL sehnlichst gewartet.

Den 18. Mai hatten sie ursprünglich als Termin auserkoren, an dem sie Licht der Regierung benötigen würden - grün oder rot. Dass die Ampel jetzt erst einen Tag später auf grün gesprungen ist, sollte kein Problem sein. Auch ohne diese Entscheidung hatten die zehn teilnehmenden Vereine bereits an den eigenen Rahmenbedingungen des Turniers gearbeitet.

Ausländische Spieler wurden zurückgeholt, teilweise von der Möglichkeit der Nachverpflichtung von Spielern Gebrauch gemacht. Und: die ohnehin in Deutschland gebliebenen Spieler hatten längst nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden, sondern teilweise schon wieder im Einzeltraining in den Trainingsstätten der Vereine gearbeitet. Ein Training unter normalen Bedingungen, also mit Vollkontakt, gibt es noch nicht. Auch nicht bei Alba Berlin. „Nein, es gibt bisher noch kein Mannschaftstraining, dafür brauchen wir zunächst eine Genehmigung. Aktuell findet nur Individualtraining statt“, sagte Pressesprecher Justus Strauven.

"Wir müssen nun so schnell wie möglich in das Mannschaftstraining einsteigen und die ausländischen Spieler integrieren, die derzeit noch in Quarantäne sind", erklärte Albas Trainer Aito Garcia Reneses. Bis auf Rokas Giedraitis und Makai Mason, auf deren Rückkehr man bei Alba noch wartet, sind alle ausländischen Spieler wieder in Berlin, dürfen aber teilweise noch nicht trainieren, da sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten angereist waren.

"Nach dem Lockdown tut es gut, die anderen wiederzusehen und mit ihnen zusammen zu arbeiten", sagte Alba-Kapitän Niels Giffey. Er hatte zwischenzeitlich moniert, dass die Spieler bei der Konzeption des Turniers nicht ausreichend gehört worden seien. "Ich bin gespannt, wie das Turnier in München laufen wird", sagte Giffey nun.

Die Berliner Verwaltung kommt Alba immerhin entgegen. „Die Quarantäne konnte von den Behörden auf sieben Tage verkürzt werden“, sagt Justus Strauven. In dieser Woche also dürfte damit jeder Alba-Spieler wieder in die Halle können und sich neben dem Training mit der Frage beschäftigen, was er denn für das Turnier in München in seinen Koffer packt. Rasid Mahalbasic hatte darauf bereits am Dienstag eine Antwort: eine Spielkonsole. Er wird nicht der einzige Spieler sein, der damit für Abwechslung sorgen möchte.