Die Worte des Kapitäns hatten die Spieler von Alba Berlin bestmöglich und ganz unterschiedlich umgesetzt. Erholung hatte Luke Sikma direkt nach dem hart erkämpften 86:73-Auftaktsieg in der Finalserie gegen den FC Bayern München verordnet und seine Teamkollegen nutzten den freien Sonnabend ganz unterschiedlich. Während Johannes Thiemann im Park entspannte, teilte Maodo Lo eine Instagram-Story, die ihn in einer Virtual-Reality-Halle zeigte. Die Anspannung des Vortages war in diesen privaten Momenten vergessen, der sportliche Druck durch den Erfolg schon am Vorabend abgefallen. „Es war das erste Spiel der Serie, nachdem wir eine Weile nicht mehr gespielt haben. Das war ein wichtiger Auftakt“, sagte Sikma nach der Partie, in die er und seine Teamkollegen mit dem etwas größeren Druck gegangen waren.

Gestiegener Druck für Alba Berlin

Anders als der Gegner aus München, der erst zwei Tage zuvor nach einer harten Serie gegen Bonn die Finalteilnahme erreicht hatte, konnten sich die Berliner eine Woche auf dieses erste Duell der Best-of-Five-Serie vorbereiten. Der Heimvorteil, die längere Erholungsphase nach dem Halbfinale und 17 Siege in Folge hatten sie zum Favoriten werden lassen. An einer solchen Erwartungshaltung von Fans und Experten kann man schon mal scheitern. „Auf dem ersten Spiel ist immer viel Druck. Und das Schwierigste gegen die Bayern ist es, sein Spiel versuchen durchzuziehen und ruhig zu bleiben. Es ist das erfahrenste und das abgebrühteste Team“, bewertete Geschäftsführer Marco Baldi die schwierige Ausgangslage in Duellen mit den Münchnern.

Dass Alba Berlin diesem Druck standgehalten hat und mit einer 1:0-Führung in die zweite Partie am Dienstagabend (19 Uhr) in München geht, ist trotz der beschriebenen und auf mehreren Ebenen besseren Ausgangslage sowie zwei deutschen Meistertiteln in Folge weiterhin nicht zwangsweise erwartbar gewesen. Noch immer arbeiten die beiden deutschen Euroleague-Teilnehmer gerade finanziell auf einem sehr unterschiedlichen Niveau. Die Berliner setzen auf entwicklungsfähige Spieler und wissen, dass sie diese möglicherweise nach nur einer Saison aufgrund guter Leistungen wieder ziehen lassen müssen. Die Bayern verpflichten in jedem Jahr gestandene Akteure, mit denen sie in der europäischen Königsklasse endlich in das Final Four einziehen möchten.

Aber: Der Abstand zwischen beiden Vereinen ist kleiner geworden, der Berliner Kader, vor allem weiterhin auf den deutschen Positionen, scheint sogar tiefer besetzt zu sein. Während Bayern-Coach Andrea Trinchieri zwei seiner zwölf Spieler erst brachte, als die Partie bereits entschieden war, schenkte Berlins Trainer Israel Gonzalez wieder einmal allen Spielern das Vertrauen. Weil er weiß, dass alle Einfluss auf den Ausgang einer Partie nehmen können. „Das charakterisiert unser Team, jeder hat das nötige Vertrauen in sich und jeder vertraut dem anderen. An dem einen Abend ist es der eine Spieler, an dem nächsten ein anderer“, sagt Luke Sikma.

Yovel Zoosman und Tamir Blatt haben entscheidenden Anteil

In Spiel eins waren es die beiden Israelis Yovel Zoosman und Tamir Blatt, die entscheidenden Anteil am Sieg hatten. Zoosman offensiv als Topscorer mit seinen Dreiern in engen Phasen des Spiels und als harter Verteidiger gegen Nick Weiler-Babb, Blatt als bester Vorlagengeber seines Teams und derjenige, der den ersten und letzten Korberfolg des spielentscheidenden 21:8-Laufes in den letzten sechseinhalb Minuten gegen die schwächer werdenden Münchener verzeichnen konnte. „Man hat gemerkt, dass sie ab einem gewissen Zeitpunkt einfach müde waren“, analysierte Maodo Lo die Endphase dieser Partie und wirkte erleichtert über den Ausgang.

Denn: Albas in dieser Saison oft so glänzend agierender Aufbauspieler hatte diesmal nicht seinen besten Tag erwischt. Es ist die wohl größte Berliner Stärke, dass die Mannschaft auch das zu kompensieren weiß und sie für den Gegner unberechenbar macht.