Am College schon geschätzt: die Berliner Basketballerin Satou Sabally, 22.
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BerlinSo sind nun mal die Zeiten: Grenzenlos und doch von Engstirnigkeit bedroht. Satou Sabally zum Beispiel steht für das eine und kämpft gegen das andere. Die 22-Jährige wurde in New York geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Dort begann ihre Karriere als Basketballerin auf einem Spielplatz, wo sie ein Trainer zufällig entdeckte. An diesem Sonntag nun gibt sie ihr Debüt in der WNBA für die Dallas Wings im Spiel gegen Atlanta Dream. Sie dribbelt los beim Geisterturnier in Disneyland in Orlando/Florida.

Doch schon vor dem Saisonstart in der nordamerikanischen Basketball-Liga hat die Berlinerin in den USA viele Sympathien gewonnen. Nicht nur bei denjenigen, die den Spielstil der 1,89 Meter großen Flügelflitzerin schätzen, ihren großartigen Wurf und ihren unwiderstehlichen Zug zum Korb. Auch jene würdigen ihre Art, die sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben haben.

„Genauso wie Covid-19 eine globale Pandemie ist, ist auch Rassismus eine globale Pandemie.“ Das ist so ein typischer Satz von Satou Sabally. Sie hat ihn am Donnerstagabend in einem Interview auf Twitter mit dem ehemaligen NBA-Profi Caron Butler gesagt.

In solchen Interviews ist es während der zurückliegenden Wochen immer auch und vor allem um Rassismus gegangen. „Die ersten zwei Wochen nach George Floyds Tod konnte ich nicht schlafen“, sagt Satou Sabally. Floyd war bei einer Polizeiaktion ums Leben gekommen, was in den USA eine Welle der Empörung und der Proteste ausgelöst hat. Mit ihrem Selbstbewusstsein, ihrem neuen Status als WNBA-Profi und ihrer Biographie ist Sabally nun zu einer Stimme geworden, die Gehör zu finden scheint.

„Als dunkelhäutige Person in Deutschland wird man immer gefragt: ,Woher kommst du?‘“, hat sie gesagt. „Hier fragt man nicht: ,Warum bist du schwarz?‘ Sondern man fragt: ,Woher kommst du?‘ Weil sich die Leute nicht vorstellen können, dass man aus Deutschland kommt.“ Ihr Akzent verrät sie.

Mögen die Fragen sich unterscheiden, so hat Satou Sabally in Berlin Erfahrungen gemacht, die sie in ähnlicher Form auch in Florida, Minnesota oder anderswo hätte machen können. „In der Schule musste ich immer besonders hart arbeiten und mich stets rechtfertigen, wenn ich gute Noten hatte“, hat sie erzählt: „Nach dem Motto: Oh, du hast eine Eins?“

Und dann waren da Erlebnisse, die besonders wehgetan haben müssen. Wie jenes, von dem Sabally dem interviewenden Basketballer Butler berichtet hat, von Ausflügen in den Zoo: „Da gab es immer wieder Sprüche, dass man dahin gehen soll, wo man hergekommen ist.“

Gerechtigkeit ist deshalb ihr Thema, und so hat sie sich der Initiative „More than an athlete“ des NBA-Stars LeBron James angeschlossen, der es um soziale Gerechtigkeit geht und die den Gleichheitsgrundsatz über die Biographien von Athleten sichtbar machen will.

Sich zu behaupten, hat Satou Sabally selbst jedenfalls früh lernen müssen, nicht nur in der Schule. In positiver und buchstäblich spielerischer Weise hat sie das auf dem Spielfeld beim Basketball getan, wo ihr ein außergewöhnliches Talent rasch Perspektiven eröffnete. Beim Deutschen Basketball-Klub Berlin hat sie ihre Grundausbildung erhalten, für TuS Lichterfelde debütierte sie mit gerade einmal 14 Jahren in der zweiten Bundesliga.

2017 dann der Schritt nach Übersee. Am College bei den Oregon Ducks beeindruckte sie ihren Trainer Kelly Graves. Er bezeichnete ihr Spiel als „poetry in motion“, als sich bewegendes Gedicht. Sie ist groß, aber beweglich, ihr Ballvortrag ist flüssig und elegant. Komplizierte Dribblings? Kein Problem. Vertrackte Dreier? Immer gern. „Sie hat uns Hunderte neuer Fans beschert“, hat Graves verzückt gesagt. „Es ist so unglaublich, ihr zuzuschauen.“

Ihr Stil hat ihr nun ein Engagement in der WNBA eingebracht, sie wurde beim Draft als zweiter Pick ausgewählt. Da sie in Dallas unter Vertrag steht, wird seit ihrem Engagement bei den Wings der Vergleich mit Dirk Nowitzki bemüht. Der Power Forward aus Würzburg stand bis zum vergangenen Jahr bei den Dallas Mavericks unter Vertrag.

Nowitzki ist eine Art lebende Legende in den USA mit all seinen NBA-Rekorden. Sabally steht erst am Anfang, aber nicht wenige trauen ihr eine glänzende Karriere zu. Wegen ihrer basketballerischen Fähigkeiten und ihrer mentalen Stärke. „Ich bin selbstbewusst“, hat sie selbst gesagt. „Mental muss ich mich nicht umgewöhnen.“

Basketballerisch muss sie das allerdings schon. „Es ist viel körperlicher“, sagt Satou Sabally zur WNBA. „Das sind erwachsene Frauen, die spielen schon ewig hier. Die lassen dich auflaufen, als wenn es nichts wäre.“  Center Marie Gülich, Profi aus Altenkirchen bei den Los Angeles Sparks, ist 1,94 Meter groß und wird auf 90 Kilogramm taxiert.

Satou Sabally wird sich zur Wehr setzen. So wie sie sich auch abseits des Spielfeldes gegen Widerstände auflehnt. Auch wenn es blaue Flecken gibt, im wortwörtlichen Sinn hier, im übertragenen dort. Auch wenn ihr es anders lieber wäre. „Wenn es dich nervt, all diese Posts über Rassismus in deinem Social-Media-Feed zu lesen, frag dich mal, wie es dunkelhäutigen Menschen geht“, hat sie im Interview mit Caron Butler gesagt. „Was glaubst du, wie sehr es uns nervt, darüber sprechen zu müssen?“ Eine rhetorische Frage, klar, die Antwort kann sich jeder selbst geben. Doch so sind nun mal die Zeiten. (mit moh)