Dennis Schröder ging aus vollem Lauf zu Boden, Pau Ribas wusste gar nicht, wie ihm geschah. Der Spanier hatte den deutschen Spielmacher verfolgt, nun kugelten sie übers Parkett. Ein Pfiff, drei Freiwürfe für Schröder, weil er jenseits der Dreier-Linie zu Fall kam. Er trat an die Linie. Der erste Ball war drin, der zweite ebenfalls, der dritte hopste auf den Ring, hopste herunter, und es sah in diesem Moment so aus, als würde er dort unten auf den Boden der Arena am Ostbahnhof einen Schlusspunkt hintupfen: 76:77. Sieben Sekunden später hatten die deutschen Basketballer gegen die Spanier verloren. Das letzte Spiel der Gruppe B am gestrigen Abend war auch das letzte Spiel für Schröder und seine Teamkollegen bei der Europameisterschaft.

Wieder gingen sie mit hängenden Köpfen in die Kabine, wieder wütende Schreie und Schläge gegen Werbebanden, Türen, wie schon bei den knappen Niederlagen zuvor. In der letzten hatte sich noch einmal diese EM der Deutschen verdichtet wie unter einem Brennglas. Sie waren von Beginn voll da, wie immer in diesem Turnier, von der Niederlage gegen die Türkei abgesehen. Selbst nach einem Lauf des Gegners und ihrem 52:65-Rückstand in der 34. Minute gaben sie nicht auf, kämpften sich zurück und hatten den Sieg vor Augen, so wie schon gegen Serbien und Italien. „Bitte geh rein, bitte geh rein“, beschrieb Center Tibor Pleiß seine Gedanken beim Showdown an der Freiwurflinie.

Hohe Intensität

Die Stärke der Gastgeber hatte ihre Ursache erneut darin, dass die Bankspieler die Intensität im Spiel hochhielten. Bestes Beispiel dafür war Maodo Lo. 14 Punkte erzielte der gebürtige Berliner und war damit nach Schröder mit seinen 26 Zählern der beste Werfer des Teams. Der 22 Jahre alte Lo zog zum Korb, setzte wichtige Impulse. Etwa 22 Sekunden vor Schluss, als er eiskalt einen Distanzwurf zum 72:73 verwandelte. Die Halle stand Kopf. Überhaupt, meinte Dirk Nowitzki später: „Die Fans waren unglaublich.“

Rückgrat der Mannschaft war die Verteidigung. Dafür stand Paul Zipser. Gegenspieler Rudy Fernández kam kaum zum Zug. Dafür aber Sergio Rodríguez. Er führte mit Übersicht Regie, kam auf 19 Punkte und trug sein Team in der Schlussphase. 29 Jahre ist der Guard alt, acht Jahre älter als Schröder, der solche Situationen vorher noch nicht in verantwortlicher Position erlebt hatte. Schröder spielte trotzdem stark.

In den sozialen Netzwerken hatte der 21-Jährige nach der Niederlage gegen Italien viel Kritik einstecken müssen. Zu überheblich sei er, größenwahnsinnig. Seine Bemerkung, anders als sein Trainer hätte er gegen Ende des Italien-Spiels nicht zu Fouls geraten, weil das nicht smart sei, wurde ihm zur Last gelegt. Schröder entschuldigte sich im Netz, er schrieb: „Wir sind ein Team.“

Fan aus Oklahoma

Andere fanden Gefallen an Schröder. Allen voran Kevin Durant von den Oklahoma City Thunder. Er war zu Besuch in der Berliner Arena, residierte in der ersten Reihe mit seiner Entourage Als Schröder einen Dreier verwandelte, stieß Durant seinen Nachbarn an und hob den Daumen. Schröder gab auch sieben Assists, für Alley-hoops auf Tibor Pleiß etwa. Oder auf Nowitzki. „Dirk hat ein überragendes Turnier gespielt“, sagte Bundestrainer Chris Fleming.

Vielleicht auch deshalb lächelte Fleming, als er berichtete, der 37-jährige von den Dallas Mavericks habe in der Kabine verkündet, er könne noch vier, fünf Jahre in der Nationalmannschaft spielen. Vielleicht war es auch nur einer der Scherze, mit denen sich Nowitzki um die Teamchemie verdient gemacht hatte. Die muss hervorragend gewesen sein. „Ich bin stolz auf die Jungs“, sagte Fleming und schloss darin seinen Trainerstab und die Funktionäre des Deutschen Basketball-Bundes ein, denen er versprach: „Ich habe einen Vertrag bis 2016, und den werde ich erfüllen.“ Dass er künftig bei den Denver Nuggets als Assistenzcoach arbeitet, „hat darauf null Einfluss“.

Fleming sah aus, als habe er selbst gespielt. Er schnaufte durch, als er zur Pressekonferenz erschien. Er studierte nicht mal die Statistik wie sonst. Er hätte ein interessantes Detail entdeckt. Zwölf Freiwürfe hatte sein Team gestern. Nur ein einziger ging daneben.