Routine im Quarantäne-Hotel: Martin Hermannsson beim Corona-Test.
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Berlin/MünchenOffensichtlich waren 27 Löcher am Golfsimulator noch nicht genug. Doch Zeit für ein kleines Gespräch im improvisierten Spielzimmer bleibt trotzdem. Termin ist schließlich Termin. Während sich im Hintergrund die Mitspieler  an der Dartscheibe, der Tischtennisplatte oder an eben diesem Golfsimulator die Zeit im Turnierhotel der Basketball-Bundesliga vertreiben, spricht Martin Hermannsson von seinem Triumph gegen Marcus Eriksson und von seinem bisherigen Tag.

Denn nach dem morgendlichen Training und dem Mittagessen gab es am zweiten von drei spielfreien Tagen am Stück viel Freizeit. „Wir hatten bis zum Teammeeting und dem Abendessen diesmal fünf, sechs Stunden frei. Und da konnten wir machen, was wir wollten“, erzählt Alba Berlins Aufbauspieler und klingt dabei ganz entspannt.

Eigentlich nutzt der Isländer die freie Zeit fast immer für das Golfen. Neun oder 18 Löcher sind immer drin. Man muss ja schließlich die möglicherweise drei Wochen dieses Turniers um die Deutsche Meisterschaft bestmöglich nutzen. Duelle, wie das gewonnene gegen Marcus Eriksson gab es bislang nur gegen die eigenen Teamkollegen. „T.J. Bray von Bayern München spielt hin und wieder mal mit, aber die meisten Spieler kommen nur her und schauen uns beim Spielen zu“, so Hermannsson.

Der Golfsimulator ist also in der ersten Woche fest in Alba-Händen, selbst Kapitän Niels Giffey und Jonas Mattisseck haben sich schon daran probiert. „In der freien Zeit muss man eben sehen, wie man sie füllt“, so Mattisseck, „da findet man schon ein paar Sachen, die man machen kann, muss aber eine gute Mischung aus Beschäftigung und Erholung finden.“

In gut einer Woche, in der die Berliner mittlerweile in diesem Hotel leben, haben sie sich ganz mit der ungewohnten Situation arrangiert. Auch wenn die Spieler die Unterkunft in der Nähe des Münchner Olympiaparks zum Joggen und Spazierengehen in kleinen Gruppen verlassen dürfen, „wird man spätestens im Eingangsbereich daran erinnert, dass es kein normaler Hotelbesuch ist“, erzählt Jonas Mattisseck.

Überall befinden sich Flaschen mit Desinfektionsmittel, beim Verlassen des Hotels muss eine Maske getragen werden. „Natürlich ist es etwas ärgerlich, wenn man etwas frische Luft schnappen möchte und dann die Maske tragen muss“, so der Aufbauspieler, „aber das sind die Regeln und die respektieren wir auch.“ Was nicht erlaubt ist, lassen die Spieler bleiben, was erlaubt ist, wird gemacht. So, wie etwa eine Bestellung im Supermarkt. „Da kann man sich dann mal ein, zwei Snacks liefern lassen“, sagt der 20-Jährige.

Ansonsten aber spielt sich das Leben der Profis größtenteils in der Hotelanlage ab, viel ist davon zeitlich genau getaktet. Wann und wie lange darf welches Team die Trainingshalle nutzen, wann darf welche Mannschaft zum Essen, wann steht wem einer der Konferenzräume für ein Teammeeting oder eine Videoanalyse zur Verfügung. Alle anderen Aktivitäten müssen drumherum geplant werden.

Sind Verabredungen zur Runde Golf oder einem Brettspiel-Abend in der teameigenen WhatsApp-Gruppe schnell und reibungslos zu treffen, gestaltet sich ein gemeinsamer Plausch mit einem Freund aus anderen Mannschaften schon etwas schwieriger. „Die haben natürlich einen anderen Zeitplan, weil sie zu anderen Zeiten Training und Teammeetings haben. Aber da findet man schon Termine. Das ist auch mal eine schöne Gelegenheit, da man das sonst in der Saison nicht so schafft“, erzählt Jonas Mattisseck.

Während er sich schon mehrfach mit früheren Weggefährten zusammengesetzt hat, beschränkt sich bei Martin Hermannsson der Kontakt bislang auf die eigenen Mitspieler. Gegnerische Spieler hat er nur auf dem Spielfeld oder im Fahrstuhl, in der Lobby oder beim Essen gesehen. „Aber wir haben ja noch ein paar Tage vor uns. Da kann es schon noch passieren, dass ich mal mit einem anderen Spieler einen Kaffee trinke“, sagt er und lacht.

Die gute Laune ist dem sympathischen Isländer in der ersten Woche im Turnierhotel noch nicht vergangen. Das liegt sicher an den beiden Siegen in den ersten beiden Spielen, aber vor allem am täglichen Kontakt zur Familie. „Ich rufe meine Frau und meinen Sohn jeden Tag zwei-, dreimal an und ich spreche bestimmt einmal pro Tag mit meinen Eltern oder schreibe ihnen“, erzählt Martin Hermannsson, während im Hintergrund schon wieder ein Golfball gegen die Leinwand des Simulators knallt. Offensichtlich ist es für ihn der Startschuss in die nächste Runde. Bis zum Abendessen möchte er noch neun Löcher spielen. 27 waren an diesem Tag also wirklich noch nicht genug.