Chaos-Klub Brooklyn Nets: Kyrie Irving sorgt für einen Antisemitismus-Skandal

Antisemitismus, egozentrische Stars, der Trainer entlassen, der mögliche neue Trainer vorbelastet: Der ambitionierte NBA-Klub macht sich zunehmend untragbar.

Sorgt immer wieder mit seinen teils kruden Ansichten für Kritik: Kyrie Irving.
Sorgt immer wieder mit seinen teils kruden Ansichten für Kritik: Kyrie Irving.AP/dpa/Richard Shotwell

Charles Barkley hat wie immer eine klare Meinung. Der frühere Basketballstar, auch als Experte der mehrfach preisgekrönten Sendung „NBA Tonight“ um keine umstrittene Aussage verlegen, ist erkennbar angewidert von dem, was sich da gerade bei den Brooklyn Nets abspielt. Und wie die Liga auf den Fall Kyrie Irving reagiert. Oder genau genommen: nicht reagiert.

Kyrie Irving macht Werbung für antisemitisches Buch

Zu Wochenbeginn hatte Irving, als Basketballer zweifelsohne begnadet, als Mensch verhaltensauffällig aufgrund zumindest diskussionswürdiger Ansichten, via Social Media durch einen Link Werbung für ein antisemitisches Buch sowie einen antisemitischen Film gemacht. „Ich denke, er hätte suspendiert werden sollen“, sagte Barkley und wies darauf hin, dass ja auch Liga-Chef Adam Silver selbst Jude sei.

„Wir haben Leute gesperrt und mit Geldstrafen belegt, die sich homophob geäußert haben, und das war richtig so“, sagte Barkley mit Blick etwa auf Donald Sterling, den früheren Besitzer der Los Angeles Clippers. Wäre er Adam Silver und Jude, könnte Irving „nicht einfach meine 40 Millionen Dollar nehmen und dann meine Religion beleidigen“, erboste sich der ehemalige NBA-MVP.

Irving und die Nets versuchten am Donnerstag, die Diskussion mit Geld und einer Geste zu beenden. Je 500.000 Dollar spendeten Spieler und Franchise an eine Organisation, die sich gegen Hass in der Gesellschaft einsetzt. „Ich bin mir der negativen Auswirkungen meines Beitrags auf die jüdische Gemeinschaft bewusst und übernehme die Verantwortung“, beteuerte Irving und distanzierte sich von den Inhalten des Films. Diese spiegelten „nicht meine Moral und Prinzipien“ wider.

Es ist nicht das erste Mal, dass Irving für Aufregung sorgt. Seine früheren Klubs Cleveland Cavaliers und Boston Celtics zwang er mehr oder weniger offen, ihn zu einem anderen Team zu tauschen. Im Sommer 2019 wechselte er zu den Brooklyn Nets, die um ihn, Superstar Kevin Durant und zuletzt auch die NBA-Größen James Harden und Ben Simmons ein Super-Team aufbauen wollten. Ein Plan, der gründlich danebenging.

In der vergangenen Saison konnte Irving aufgrund der regionalen Bestimmungen im Bundesstaat New York zunächst nicht trainieren und spielen, weil er Corona-Impfungen, die die Bedingungen für Spiele und Trainingseinheiten waren, verweigerte. Die Nets, von 1977 bis 2012 jenseits des Hudson in New Jersey beheimatet, schieden danach in der ersten Runde der Play-offs aus – gegen Boston. Irving erhielt während der Serie zudem eine Geldstrafe: Er hatte Celtics-Fans beleidigt.

Brooklyn Nets trennen sich von Trainer Steve Nash

Im vergangenen Sommer wurde es erst richtig chaotisch. Durant forderte von Klubbesitzer Joseph Tsai die Ablösung von Trainer Steve Nash und Manager Stephen Marks. Harden verlangte einen Wechsel – und bekam ihn im Tausch mit dem als egozentrisch geltenden Simmons. Am Montag nun trennten sich die Nets nach schwachem Saisonstart dann tatsächlich „einvernehmlich“ von Nash. Durant gab sich „schockiert“.

Nash, ehemaliger Mitspieler und noch immer ein Freund von Dirk Nowitzki, dürfte tatsächlich froh sein, dem Irrenhaus in Brooklyn entflohen zu sein. Und der nächste Problemfall steht schon vor der Tür: Neuer Trainer soll laut US-Medien Ime Udoka werden. Dieser war kurz vor der Saison von den Celtics wegen einer ungebührlichen sexuellen Beziehung zu einer Angestellten des Klubs für ein Jahr suspendiert worden.