Das Warmlaufen klappt schon ziemlich gut bei den Dallas Mavericks. Hoch und runter geht es in harmonischer Formation, mittendrin ein gutgelaunter Dirk Nowitzki, der häufig lächelt und, ganz Führungsspieler, seine Kollegen mit kleinen Scherzen aufmuntert. „Inzwischen habe ich die Jungs einige Male gesehen“, sagt der 34-Jährige am Rande des Trainings in der Berliner Arena am Ostbahnhof und muss grinsen, denn bei den meisten Mitspielern ist die Bekanntschaft recht neu. „Ich habe mich ja vier Wochen lang in Deutschland auf die NBA-Saison vorbereitet“ berichtet er, „dann bin ich vor zehn Tagen nach Dallas geflogen.“

Voll trainiert wird bei den Mavericks erst seit einer Woche, am Donnerstag ging es dann nach Europa, wo mit dem samstäglichen Spiel beim Bundesligisten Alba Berlin (20 Uhr) und der Partie beim FC Barcelona am Dienstag anspruchsvolle Aufgaben warten. Die Zeiten, als Teams aus der NBA europäische Gegner umstandslos vom Platz fegten, sind vorbei.

Ein bunt zusammengewürfelter Haufen

Dennoch wären Niederlagen für Dallas durchaus peinlich. „Ich denke nicht, dass die Mavericks als Verlierer vom Platz gehen werden“, sagt Nowitzki vorsichtig, ein leicht skeptischer Zug um die Mundwinkel ist aber nicht zu übersehen. „Berlin ist super drauf im Moment, ich habe das im Internet verfolgt“, berichtet er. Gemeint ist Albas imposanter Sieg gegen die Artland Dragons am Mittwoch zum Saisonauftakt.

Nowitzkis Mavericks hingegen sind noch nicht viel mehr als ein bunt zusammengewürfelter Haufen von etablierten Veteranen und hoffnungsvollen Talenten, die erst noch eine Mannschaft werden müssen. Gleichzeitig ist das Team ein Beispiel dafür, wie schnell sich die Dinge in der NBA ändern können. Von den Spielern, die im Sommer 2011 sensationell das Finale gegen Miami Heat gewannen und den NBA-Titel nach Dallas holten, sind mit Nowitzki und Shawn Marion nur zwei übriggeblieben. Dazu kommen mit Rodrigue Beaubois und Dominique Jones zwei Randfiguren von damals. Acht Spieler sind diese Saison neu dazugekommen, fünf Veteranen, drei Liga-Neulinge. „Es wird schwierig, daraus schnell ein Team zu formen“, räumt Nowitzki ein, „sowas dauert normalerweise eine Weile.“

Besonders bedauert er den Verlust von Spielmacher Jason Kidd, den es ebenso wie Jason Terry nicht in Dallas hielt. Kidd wechselte zu den New York Knicks, Terry spielt jetzt in Boston. „Kidd war ein erfahrener Mann, der hat es leicht gemacht für neue Leute“, sagt Nowitzki, „mit Collison haben wir nun einen neuen Lenker.“ Davon, wie sich der 25-jährige Darren Collison entwickelt, der bei den Indiana Pacers eine gute, aber nicht herausragende Rolle spielte, wird viel abhängen, was den Saisonverlauf der Dallas Mavericks angeht.

Absage vom Kumpel

Einmal mehr hat sich Teambesitzer Mark Cuban entschieden, einen Neuaufbau mit Nowitzki in Angriff zu nehmen, und nicht einen kompletten Umbruch ohne den langjährigen Vorzeigespieler der Mavs einzuleiten. Die Trennung von bewährten, aber teuren Kräften hat er auch hingenommen, weil er sich finanziellen Spielraum verschaffen wollte, um hochkarätige Partner für Nowitzki ködern zu können, vor allem für die Spielmacherposition.

Doch erst sagte Doppel-Olympiasieger Deron Williams ab, der lieber bei den Brooklyn Nets bleiben will, dann zog Nowitzkis alter Freund Steve Nash der Rückkehr nach Dallas das Angebot der Los Angeles Lakers vor. „Es war schon merkwürdig, ihn in der Phoenix-Kleidung zu sehen“, sagt Nowitzki, „im Lakers-Trikot, das wird noch merkwürdiger.“

Gekommen sind neben Collison mit O.J. Mayo, 24, und Dahntay Jones, 31, zwei Spieler, die bei den Memphis Grizzlies eher kleine Rollen spielten, dazu Chris Kaman, 30, Nowitzkis Kumpel aus der deutschen Nationalmannschaft, und der ehemalige All-Star Elton Brand. Der wurde bei Philadelphia über die neue „Amnestieklausel“ ausrangiert, obwohl die 76ers weiter einen Großteil seines beachtlichen Gehalts von 18,1 Millionen Dollar zahlen müssen.

Fit und motiviert

Dass diese Mischung ganz oben in der NBA mitspielen kann, glaubt kaum jemand, manche zweifeln, dass es für die Playoffs reicht. Nachbesserung zur nächsten Saison ist aber garantiert, die meisten Verträge laufen nur ein Jahr. Dirk Nowitzki sieht die Dinge nicht ganz so schwarz. „Es sind junge Leute gekommen, die Spaß haben und eine Athletik mitbringen, die uns zuletzt vielleicht gefehlt hat“, sagte er in Berlin. Der Europa-Trip ist für ihn eine Gelegenheit, die neuen Kollegen kennenzulernen, trotz vieler PR-Termine aber auch pures Vergnügen. Früher hatte Marc Cuban solche Reisen stets abgelehnt, neuerdings sind die Publicity-Auftritte aber Pflicht. Sechs NBA-Teams weilen derzeit in Europa.

Nowitzki jedenfalls wirkt fit und motiviert, was auch daran liegt, dass er sich, anders als im Vorjahr, im Sommer körperlich fit gehalten hat. Dabei hatte er eigentlich Besseres zu tun. „Ich glaube, ich habe vier Mal geheiratet“, verriet er. Gemeint war allerdings die Zahl der Zeremonien, nicht die der Ehefrauen.