Unruhige Zeiten kommen auf den europäischen Basketball zu. Klubs wie Alba Berlin stehen im internationalen Geschäft vor einer ungewissen Zukunft. Grund ist der Streit zwischen dem Weltverband Fiba mit der Euroleague. Die hat jetzt im Kampf um die Vorherrschaft in den europäischen Klubwettbewerben einen Angriff gestartet. Sie ging mit dem Vermarkter IMG einen Deal ein. Der finanzstarke, strategische Partner ermöglicht langfristige Garantien für elf Topklubs. Einen Vertrag über zehn Jahre haben sie abgeschlossen, eine Option auf zehn weitere inklusive.

Die Euroleague soll ab kommender Spielzeit von 24 auf 16 Mannschaften schrumpfen. Der zweitklassige Eurocup umfasst dann nur noch 24 statt 36 Teams. Sein Gewinner gehört in der folgenden Saison zur Euroleague, ebenso der Sieger einer Qualifikation. Hinzu kommen drei nationale Meister; ob darunter der deutsche sein wird, ist unklar. Der Kampf wird mit Hochdruck geführt. Hinter den Kulissen geht es hektisch zu. Deshalb erfuhr mancher Anteilseigner der Euroleague von den Reformplänen auch nur aus zweiter Hand.

Poker der Topklubs

Wenn es dabei bleibt und sich der elitäre Kreis verkleinert, wäre vielen Klubs der Zugang auf lange Sicht versperrt. Für 25 aktuelle Europaligisten ist völlig ungewiss, ob sie raus sind aus dem großen Spiel. Für sie könnten deshalb unversehens die Pläne der Fiba interessant werden. Sie verspricht einen breiteren Zugang, der weitgehend über eine sportliche Qualifikation geregelt ist. Der Verband sicherte sich ebenfalls die Dienste eines solventen Partners, wie es heißt mit Sitz in London. 16 Mannschaften sollen in ihrer ersten Liga spielen, 64 in der zweiten. Sie bietet acht Klubs langfristige Lizenzen an und legte ihnen kürzlich Angebote vor. Jetzt hat die Euroleague geantwortet.

Sie pokern, die Chefs von Efes Istanbul, ZSKA Moskau, Armani Mailand, FC Barcelona, Fenerbahçe Istanbul, Kutxa Vitoria, Maccabi Tel Aviv, Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen, Real Madrid und Zalgiris Kaunas. Im Grunde haben sie sich selbst die langfristigen Garantien in einem verkleinerten Wettbewerb eingeräumt. Denn die Euroleague ist nach dem Vorbild einer Aktiengesellschaft aufgebaut, die Top elf halten die Mehrheit der Anteile. Was nicht heißt, dass sie eine verbesserte Offerte der Fiba automatisch ausschlagen würden. Stiegen Klubs aus, könnte die Konstruktion der Euroleague ins Wanken geraten.

Die Fiba hat ohnehin ihre Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Sie kann Druck ausüben, etwa wenn sie die Euroleague zu einer wilden Liga erklärt, ihre Schiedsrichter abzieht, sich bei der Freigabe von Nationalspielern querstellt. Starke Ligen wie jene der Türkei oder Russlands werden von ihren Landesverbänden dominiert, die sich wiederum die Position der Fiba zu eigen machen.

Fiba und Euroleague rasen also weiter aufeinander zu, ein Crash erscheint unausweichlich. Bleibt zu hoffen, dass aus den Überresten etwas Gutes entsteht. Dass Europas Basketball aus den unruhigen Zeiten gestärkt hervorgeht.