Berlin - Natürlich wird Carl English auf seine Familie angesprochen. Wie so oft, wenn er irgendwo anfängt und diese Geschichte die Runde macht, die tragisch ist und traurig und davon handelt, dass er im Alter von fünf Jahren die Eltern bei einem Hausbrand verlor. Der Onkel übernahm die Vaterrolle, doch auch er starb plötzlich, beim Angeln.

Es ist Freitagvormittag, der kanadische Basketballer Carl English erscheint in Albas Trainingszentrum in Mitte. Erst mal streift er ein gelbes Trikot mit der Nummer 23 über, fürs Foto auf der Homepage des Vereins. Dann nimmt er vor einer Runde Journalisten Platz. Schließlich die Familienfrage, English sagt: „An solchen Ereignissen kann ein Mensch zerbrechen oder wachsen.“

Er ist daran gewachsen, wohl auch wegen Basketball, seines Sports und Berufs, der ihn jetzt nach Berlin gebracht und 48 turbulente Stunden beschert hat. English war daheim in Kanada, als er davon erfuhr, dass sein Vertrag mit Alba zustande kommt. Er reiste nach Berlin, büßte unterwegs sein Gepäck ein, musste zwei Stunden darauf warten, fuhr direkt zum abendlichen Training, brach am nächsten Morgen nach Vilnius auf, spielte bei Lietuvos Rytas die ersten gut vier Minuten für den neuen Klub.

„Ein kommunikativer Typ“

„Ich hatte Optionen in Spanien“, sagt der 35-Jährige, dessen Engagement in Teneriffa ausgelaufen ist. Der Klub aus der ACB versuchte, English zu halten, deshalb zog sich die Verpflichtung nach Albas erster Kontaktaufnahme vor ein paar Wochen hin. „Ich kenne Himar Ojeda.“ Mit Albas jetzigem Sportdirektor arbeitete er bei Estudiantes Madrid und in Gran Canaria zusammen. Die Berliner suchten wiederum jemanden, von dem sie sicher sein konnten, dass er charakterlich in den Kader passt, dass er kein Fehlgriff wird wie Vorgänger Dominique Johnson. Der außerdem Erfahrung mitbringt und eine Mannschaft mittelfristig stabilisiert.

„Er ist ein kommunikativer Typ“, sagt Albas Trainer Ahmet Caki. Er hat das „im Training, im Hotel, im Spiel“ beobachtet. Diese Eigenschaft kann English zu einem wertvollen Mitglied der Mannschaft machen. Gerade jetzt, da sich die Optionen für Caki noch einmal erhöhen. Bogdan Radosavljevic, Niels Giffey, Malcolm Miller ist eine Kombination auf den langen Positionen, die der Trainer gerne auflaufen lässt. Tony Gaffney, Malcolm Miller und Niels Giffey eine andere. Die Center Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic passen gut zusammen, meint Caki. English ist nun eine Ergänzung auf den Außenpositionen, der Distanzwurf sein größtes Kapital, wie der Kanadier selbst sagt.

English bekommt seine Zeit zur Eingewöhnung, aber an diesem Sonntag im Heimspiel gegen Bremerhaven (15.30 Uhr) vielleicht ein paar Minuten Einsatzzeit mehr. Wer weiß, „es ging ja alles so rasend schnell“, sagt English. Deshalb lebt er auch erst mal ohne Anhang in Berlin. Seine Frau, der achtjährige Sohn und die beiden Töchter, sieben und vier, bleiben vorerst in Kanada. Eventuell besuchen sie ihn über die Feiertage in Deutschland. Das wäre eine Familiengeschichte, an der English nur wachsen kann.