Herr Uhlig, erinnern Sie sich noch an den Tag, als sich die Sportführung der DDR nicht mehr für Basketball interessierte?

Sie sprechen vom Leistungssportbeschluss aus dem Jahr 1969?

Ja, genau. Sie waren damals Hallenser Nationalspieler. Wie haben Sie davon erfahren, dass Basketball nicht mehr gefördert wird?

Wir befanden uns gerade im Trainingslager in Kienbaum und bereiteten uns auf die EM-Qualifikation vor, als es plötzlich hieß: Das war’s.

Ohne Angabe von Gründen?

Ja, ganz kategorisch und für uns unerklärlich. Gut, wir hatten 1968 in Sofia die Olympiaqualifikation verpasst, aber das hatte nichts mit dem Beschluss zu tun, das haben wir später erfahren. Basketball war wie andere Mannschaftssportarten einfach finanziell zu aufwendig.

Wie haben Sie reagiert?

Ich war 27 Jahre alt, ich war im besten Alter, um Basketball zu spielen. Das war schon ein Schock. Andererseits befand ich mich damals im letzten Jahr meiner Promotion, insofern war es für mich persönlich nicht ganz so schlimm wie vielleicht für andere im Team.

War dann Schluss mit Basketball?

Natürlich nicht. Die Klubs gab es ja weiterhin. An der Spitze Leipzig, Halle und Berlin mit AdW. Die Nationalmannschaft hat auch weiter existiert. Es gab zum Beispiel Länderspiele in Korea, also Nordkorea. Doch mit Basketball auf dem höherem internationalen Niveau war Schluss.

Durfte das DDR-Team nicht mehr ins nicht-sozialistische Ausland?

Es gab 1973 in Wien noch eine EM-Qualifikation, ich bin damals extra zur Nationalmannschaft zurückgekehrt, aber das war eine Ausnahme.

Die DDR orientierte sich auch im Sport an der Sowjetunion. Warum versuchte sie nicht, im Basketball an den großen Bruder heranzukommen?

Die Sowjetunion war im Basketball zu weit weg. Bulgarien, Polen, das waren Länder, an denen wir uns orientiert haben.

Und die Bundesrepublik?

Bis 1968 haben wir alle Spiele gegen die Bundesrepublik gewonnen. Das erste 1960 in der Olympiaqualifikation. 1973 in Wien hat die DDR-Nationalmannschaft dann zum ersten Mal verloren.

Demnach waren die Sechzigerjahre die Blütezeit des DDR-Basketballs?

Wir haben 1963 bei der Europameisterschaft in Polen Platz sechs belegt, das war das beste Resultat. Nach der Vorrunde lagen wir auf Platz drei hinter der Sowjetunion. Leider kamen damals nur die beiden Gruppen-Ersten weiter. Im Spiel um Platz fünf haben wir am Ende gegen Bulgarien verloren.

Aber die DDR war das Überraschungsteam dieser EM?

Das kann man so sagen, ja.

Platz 10 belegte die DDR bei der EM 1965. Mit Platz 14 lief es 1967 dann nicht so gut.

Es war eine komische Art zu spielen, damals bei der EM '67, sehr wissenschaftlich, nannte sich: Alternative Systeme. Alles war sehr streng festgelegt: Wenn das nicht geht, macht ihr das. Wenn jenes nicht funktioniert, macht ihr das. Und wenn das passiert, macht ihr das. Damit kamen einige Spieler überhaupt nicht zurecht. Wir haben zwar noch während des Turniers mit dieser Spielweise aufgehört, aber da war es für ein besseres Abschneiden schon zu spät.

Wo stand der DDR-Basketball zur Wende 1989/1990?

Der Abstand war international gesehen riesengroß geworden.

Woran haben Sie das erkannt?

Es gab in der Wendezeit bei den Gesprächen zur Vereinigung die Überlegung, eine Mannschaft in die Bundesliga zu bringen. Um herauszufinden, ob das funktionieren könnte, haben wir ein Testspiel gemacht. Der DDR-Meister Magdeburg ist gegen den Vorletzten der Bundesliga angetreten (1989/90 der TV Langen, d. Red.).

Was haben Sie herausgefunden?

Dass wir das mit der Bundesliga besser lassen.

Interview: Christian Schwager