Der Poker um Vertragsverlängerungen ist vergleichbar mit dem Domino-Effekt. Ein fallender Stein bringt auch die restlichen Steine zum Umkippen, oftmals wird dieser Effekt benutzt, um neue Gebilde entstehen zu lassen. Bei Alba Berlin ist Luke Sikma dieser erste Stein. Am Mittwochmittag hat der US-Amerikaner wenige Tage vor dem Start in die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern München seinen Vertrag verlängert. Ungewöhnlich daran ist: Der 29-Jährige hat gleich für vier Jahre unterschrieben. „Die Vertragsverlängerung von Luke ist ein wichtiges Zeichen“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda laut Verein.

Himar Ojeda und Geschäftsführer Marco Baldi hatten zuletzt immer wieder betont, dass es ihnen bei der Kaderzusammenstellung für die kommende Saison wichtig sei, den Kern des Teams zu halten. Luke Sikma gehört zu diesem Kern. Im Sommer 2017 ist der Flügelspieler zum Verein gestoßen, wurde auf Anhieb zum wertvollsten Akteur in der Basketball-Bundesliga gewählt, zum MVP. In dieser Saison heimste er diesen Titel im Eurocup ein.

Sikma und Alba, das passt

Sikma und Berlin – das scheint zu passen. Sportlich und klimatisch. „Vom ersten Tag an habe ich mich bei Alba und in Berlin sehr wohlgefühlt“, sagt der Basketballer aus Bellevue im US-Bundestaat Washington, „der Klub hat große Ambitionen und zuletzt eine tolle Entwicklung hingelegt, weswegen es für mich logisch war, meinen Vertrag hier zu verlängern. Ich genieße es, jeden Tag zum Training zu kommen.“ Dass er mit der Mannschaft neben dem neuerlichen Einzug in das Finale um die Deutsche Meisterschaft auch gleichzeitig die Teilnahme an der kommenden Euroleague-Saison gesichert hat, war ein weiteres überzeugendes Argument im Poker um eine Vertragsverlängerung.

Denn: „Er ist ein Top-Level-Spieler, der zahlreiche lukrative Optionen für einen Wechsel zu anderen Klubs gehabt hätte. Dass er diese ausschlägt und bei uns bleibt, zeigt, wie sehr er an unseren Weg und unsere Entwicklung glaubt“, sagt Himar Ojeda, „die Länge des Vertrags zeigt Lukes Wunsch, sich uns zu verpflichten und unseren Wunsch, Luke langfristig bei uns zu haben.“

Auch Thomas Päch hatte Himar Ojeda gerne weiterhin im Trainerteam gehabt. Um den 36-Jährigen gab es in den zurückliegenden Wochen immer wieder Wechselgerüchte. Päch galt kürzlich erst als heißer Kandidat für die Nachfolge von Thorsten Leibenath in Ulm. Allerdings hat der langjährige Assistenztrainer ein anderes Ziel gewählt und wird in der kommenden Saison den den Posten des Cheftrainers in Bonn übernehmen.

Päch hatte zwar noch einen laufenden Vertrag bei den Berlinern, erhielt allerdings die Freigabe. „Ich freue mich riesig über die Möglichkeit und vor allem das Vertrauen, bei den Telekom Baskets als Cheftrainer zu starten“, wird er auf der Bonner Vereinsseite zitiert, „die Atmosphäre rund um den Club habe ich immer als besonders und vor allem sehr familiär wahrgenommen, mit unglaublichen Fans im Rücken.“

Weitere Personalien folgen

Päch verfügt über Erfahrung als Cheftrainer. Er hat sie bei Alba sammeln können, als er im April 2017 die Berliner Profis übernahm. In der Folgesaison kehrte er auf die Position des Assistenten zurück. Auch wenn sein Wechsel nach Bonn einen Verlust für Alba darstellt, ist Himar Ojeda „sehr stolz, ihn bei uns entwickelt zu haben. Schließlich gehört es nicht nur zu unserer Philosophie Spieler besser zu machen, sondern auch Trainer“, sagt der Sportdirektor.

Der hat allerdings weiterhin viel Arbeit vor sich. Vertragsgespräche mit aktuellen Spielern müssen geführt, neue Spieler von einem Wechsel nach Berlin überzeugt werden. Die Teilnahme an der Euroleague, fünf erreichte Endspiele in zwei Jahren und die augenscheinliche Entwicklung von Spielern sprechen für Alba. Mit Luke Sikma hat sich bereits ein wichtiger Spieler langfristig gebunden und damit den Domino-Effekt ausgelöst. Weitere Steine werden sicherlich bald fallen.