Berlin - Der niederländische Radprofi Bauke Mollema (Trek-Segafredo) hat mit einem Ausreißercoup die erste Pyrenäen-Etappe der 108. Tour de France gewonnen. Der 34-Jährige feierte auf dem 183,7 km langen 14. Teilstück nach Quillan nach einem 42 km langen Soloritt den zweiten Tour-Tageserfolg der Karriere - Titelverteidiger Tadej Pogacar im Gelben Trikot zeigte zum Auftakt des Pyrenäen-Showdowns keine Schwächen und kam mit dem Hauptfeld ins Ziel.

Mollema setzte in der vorletzten Abfahrt die entscheidende Attacke in der Fluchtgruppe. Als ihm bei der Anfahrt ins Ziel der Triumph nicht mehr zu nehmen war, breitete er jubelnd die Arme aus. Sein Vorsprung auf den Zweiten Patrick Konrad (Bora-hansgrohe) betrug im 1:04 Minuten.

Tadej Pogacar führt die Gesamtwertung weiter an

Derweil führt der 22 Jahre alte Pogacar nach der ersten von fünf Etappen in den Pyrenäen in der Gesamtwertung mit 4:04 Minuten auf den neuen Gesamtzweiten Guillaume Martin (Cofidis). Der Franzose verdrängte den Kolumbianer Rigoberto Uran (+ 5:18) auf Rang drei.

In der wie erwartet sehr hektischen Anfangsphase kurz nach dem Start in Carcassonne versuchte unter anderem auch Routinier Simon Geschke (Berlin/Cofidis) zweimal erfolglos sein Glück auf dem auf Ausreißer zugeschnittenen Terrain.

Erst am Col de Montsegur (2. Kategorie), dem zweiten von fünf Bergwertungen des Tages, gelang es Michael Woods (Kanada/Israel Start-up Nation), Wout Poels (Niederlande/Bahrain Victorious) und Mattia Cattaneo (Italien/Deceuninck-Quick Step) erstmals, sich leicht abzusetzen.

Bis zur Passhöhe am Col de la Croix des Morts vergrößerte sich die Fluchtgruppe auf 14 Fahrer, die bis zur vierten Bergwertung am Cote de Galinagues knapp vier Minuten auf das Peloton um Pogacar herausfuhr. Woods, der den Kolumbianer Nairo Quintana (Arkea-Samsic) an der Spitze Bergwertung ablöste, stürzte in der folgenden Abfahrt in einer Kurve, konnte aber weiterfahren.

Derweil schaffte es Mollema, sich mit seiner Attacke aus der Gruppe zu lösen. Am Schlussanstieg zum Col de Saint-Louis verschärfte die Verfolgergruppe zwar noch das Tempo, doch Mollema hielt dem Druck stand.

Pogacar agierte am Samstag ähnlich souverän wie zuvor in den Alpen und am Mont Ventoux. Nur noch ein Sturz oder wundersamer Einbruch auf den folgenden vier Pyrenäen-Teilstücken sollte den Slowenen davon abhalten können, jüngster Zweifach-Champion der Geschichte der Grand Boucle zu werden. Wirklich gefordert wird Pogacar allerdings erst nach dem Ruhetag am Montag.

Eddy Merckx sieht „keine Grenzen“ in Pogacars Talent

Für den fünfmaligen Tour-Champion Eddy Merckx scheint Pogacars Talent „keine Grenzen zu haben. Mit der richtigen Vorbereitung und dem richtigen Team kann er sogar das Double, bestehend aus Tour und Giro, schaffen. Und er könnte meinen Rekord für die meisten Tage im Gelben Trikot verbessern“, sagte der 76 Jahre alte Belgier, der insgesamt 96 Tage im Maillot jaune fuhr.

Auf Teil zwei des Pyrenäen-Showdowns macht die Große Schleife am Sonntag ihren einzigen Abstecher ins Ausland. Die 191,3 km lange 15. Etappe führt von Ceret nach Andorra-la-Vieille, wo am Montag auch der zweite Ruhetag ansteht. Unvergessen ist Jan Ullrichs Triumphfahrt nach Andorra-Arcalis im Jahr seines Tour-Siegs 1997.