Leverkusen - Einen Vorgeschmack auf den Europapokal hat sich Bayer 04 Leverkusen in der Vorbereitung schon mal verschafft. Mit einer Polizeieskorte wurde die Mannschaft von Teamchef Sami Hyypiä (38) und Trainer Sascha Lewandowski (40) am Sonntag zum Testspiel beim SSC Neapel geleitet. Und der Gegner war eben immerhin der italienische Pokalsieger, der den späteren Champions-League-Sieger FC Chelsea in der vergangenen Saison im Achtelfinale fast aus dem Wettbewerb geworfen hatte.

Niederlagen in Testspielen

Es gehört zur Philosophie von Hyypiä und Lewandowski, sich nicht mit Torfluten auf Dorfplätzen einzuspielen, sondern von starken Gegnern gefordert zu werden. Sie fliegen auch nach Liverpool an die Anfield Road. „Solche Spiele bringen uns mehr“, sagt Lewandowski.1:2 ging der Test in Neapel verloren, wie zuvor die Spiele gegen den FC Augsburg (0:2) und den belgischen Vertreter KAA Gent (0:1), gewonnen hat die Werkself nur gegen den MSV Duisburg und Kickers Offenbach. Große Warnzeichen will keiner der Verantwortlichen darin sehen. Leverkusen betreibt schließlich eine Systemumstellung und muss viele Zugänge integrieren.

Den größten Sieg der Sommerpause feierten die Leverkusener auch gar nicht auf dem Rasen – sondern im Transfergerangel um Lars Bender und André Schürrle. Die Nationalspieler wurden vom FC Bayern beziehungsweise vom FC Chelsea umworben. Leverkusen erklärte sie im Poker für unverkäuflich. Die Spieler fügten sich, in Schürrles Fall etwas mürrischer als bei Bender. „Wir können nicht jedes Jahr unsere besten Spieler abgeben. Sonst kommen wir nie voran“, sagt Hyypiä.

Angebote abgelehnt

„Voran“, das hieße für den Fünften des Vorjahres Rückkehr in die Champions League, also mindestens Rang vier. In offizieller Diktion gilt aber die erneute Qualifikation für die Europa League als Unterscheidungsmerkmal zwischen Gut und Schlecht. Im Hinterkopf ist der Traum von der Königsklasse, die im vergangenen Jahr zwar mit dem 1:7 in Barcelona ein peinliches Ende fand, aber sie hat Bayer 28 Millionen Euro eingebracht. Auch das half, die sich auf fast 50 Millionen Euro türmenden Angebote für Bender und Schürrle abzulehnen. „Wir haben einen Moment nachgedacht und uns dann für die sportliche Perspektive entschieden“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

20 Millionen für Neuzugänge

Ausgegeben hat Bayer Leverkusen über 20 Millionen Euro für neue Spieler, wenn man den zum 1. Dezember verpflichteten Torhüter Bernd Leno mitzählt. Der fünf Millionen Euro teure Verteidiger Philipp Wollscheid (23) aus Nürnberg gilt schon jetzt als Bereicherung. Der Spanier Daniel Carvajal (20) kam für die gleiche Summe von Real Madrids zweiter Mannschaft und könnte sich als rechter Verteidiger etablieren. Aus Chile holte Bayer 04 für 3,5 Millionen Euro den Stürmer Júnior Fernandes (23), der sein Talent bereits aufblitzen ließ, aber auch noch so einige Anpassungs-Probleme hat.

Leverkusen hat das System seit Beginn der Nach-Dutt-Zeit umgestellt. Aus dem 4-2-3-1 des neuen DFB-Sportdirektors ist ein 4-3-3 geworden. Wenn man „Tannenbaum“ oder 4-3-2-1 sagt, klingt es defensiver und provoziert Widerspruch bei Lewandowski. Aber es stehen drei potenzielle Sechser auf dem Platz und damit nominell ein offensiver Mann weniger als im Vorjahr. Dafür genießt Schürrle mehr Freiheiten und soll wieder die Gefährlichkeit aus Mainzer Tagen erreichen.

Lücken gibt es im Kader nur auf zwei Positionen. Es fehlt ein Bundesliga- und europapokaltauglicher zweiter Torhüter hinter Leno und nach dem Abgang von Eren Derdiyok ein Ersatz-Stürmer für Stefan Kießling. Stimmung und Zusammenhalt in der Mannschaft gelten als gut. Mit dem Abgang von Michael Ballack ist ein potenzieller Konfliktherd verschwunden. Die Wechsel von René Adler (zum HSV) und Tranquillo Barnetta (Schalke 04) entlasten vor allem das Gehaltsbudget.

Harmonie im Trainerteam

Bisher funktioniert die Arbeitsteilung zwischen Teamchef Hyypiä und Trainer Lewandowski, zwischen Respektsperson und Fachmann aus dem Juniorenbereich, reibungslos. Wie sich die ungewöhnliche Konstruktion der beiden so verschiedenen Typen in der ersten Krise bewährt, kann noch niemand absehen. „Der eine Trainertyp, den wir suchen, war nicht zu bekommen“, sagt Holzhäuser, „wir sind optimistisch, dass Hyypiä und Lewandowski gut miteinander auskommen.“