Die begehrteste, für viele auch schönste Trophäe im Profifußball: der Champions-League-Pokal. 
Foto: dpa/Regan

BerlinDa fehlt was. Klar, auch bei diesem Spiel. Dem bedeutendsten Fußballspiel des Jahres, da das Finale der Europameisterschaft 2020 erst im kommenden Sommer ausgetragen wird. Es fehlt dieses Flirren, dieses energiegeladene Drumherum, das im Normalfall alle berührt. Eben das, was so einen Champions-League-Finalabend zu einem unvergesslichen Abend werden lässt. 

Ja, ohne Kulisse fühlt sich das alles eben nicht richtig, nicht gut an. Für die Akteure auf dem Platz, die beim Jubellauf Richtung Kurve kein Echo erfahren. Für die Fernsehzuschauer, die durch die famosen Bilder aus vollen Stadien in den vergangenen Jahren eine nachhaltige, gern mal süchtig machende Glückserfahrung zuteil wurde. Man mag, man kann sich einfach nicht daran gewöhnen, an diesen Fußball im Geisterspiel-Modus, der im Endeffekt so stimmungsvoll ist wie eine Party, bei der die Polizei schon zu früher Stunde die Musikanlage einkassiert hat.

Aber genug der Klage. Für all diejenigen, die sich für das Spiel an sich und für die jüngste Entwicklung des Fußballs interessieren, ist das diesjährige Finale der europäischen Eliteliga wegen der Paarung das bestmögliche Finale. Der aus allerlei guten Gründen ziemlich stolze FC Bayern trifft am Sonntag um 21 Uhr im Estádio da Luz in Lissabon auf Paris St. Germain, auf einen Verein, der mehr Tradition hat, als der eine oder andere wahrhaben will. Der allerdings erst durch die ungenierten Investitionen der katarischen Besitzer zu dem geworden ist, was er ist, nämlich ein Klub, der den Kreis der Mächtigen im europäischen Klubfußball erweitert hat.

Das ruft Argwohn, Ablehnung hervor, und das nicht nur bei den Romantikern, die nicht erst seit dem Lockdown irrgläubig darauf hoffen, dass sich der Fußball vor seiner ausufernden Kommerzialisierung doch bitte jetzt mal selbst rettet.

Nein, auch der deutsche Branchenprimus betrachtet PSG grundsätzlich als einen unfair agierenden, neureichen Mitbewerber, der die Preise versaut. Wenngleich natürlich auch beim FC Bayern nicht mehr von einem Verein, schon viel eher von einem global agierenden Großunternehmen der Unterhaltungsbranche die Rede sein muss.

Aber auch im Detail bezieht die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden schillernden Klubs ihren Reiz aus der Gegensätzlichkeit. Bayern wird vom gefühligen Hansi Flick gecoacht, PSG vom verkopften Thomas Tuchel. Der unverfälschte Thomas Müller ist bei den Bayern der Impresario der Offensive, bei PSG kommt diese Rolle dem extrovertierten Brasilianer Neymar zu. Und während auf der einen Seite der kolossale Robert Lewandowski als Stoßstürmer agiert, geht auf der anderen Seite der kompletteste Angreifer unserer Zeit, der fantastische Kylian Mbappé, zu (Kunst-)Werke.

All das reizt. All das verspricht – trotz der seltsamen Rahmenbedingungen – zumindest einen unterhaltsamen Fernsehabend. Ja, die Champions League lebt, der Fußball lebt, dem Virus zum Trotz, mit der unbändigen, nicht so leicht zu beugenden Kraft der Massenkultur. Apropos: Am vergangenen Dienstag und Mittwoch wurden bereits die ersten Partien der Qualifikationsrunde zur Champions-League-Saison 2020/21 ausgetragen. In 15 europäischen Städten wurde gespielt, aber auch in Tel Aviv. Business as usual.