Serge Gnabry scheint ein Spezialist für Londoner Großklubs zu sein.
Foto: Augstein/AP

London - Die zurückliegenden fünf K.-o.-Spiele in der Champions League hatte der FC Bayern nicht gewinnen können, der letzte Sieg lag fast zwei Jahre zurück. Und auch am Dienstagabend im Achtelfinalhinspiel der Champions League beim FC Chelsea drohten die Münchner trotz großer Überlegenheit einen wegweisenden Erfolg zu verpassen. Doch dann machten sich die Angreifer Serge Gnabry und Robert Lewandowski auf, mit zwei Geistesblitzen binnen drei Minuten den Weg zum hochverdienten und beeindruckenden 3:0 (0:0)-Auswärtssieg zu ebnen. Vor dem Rückspiel am 18. März in der heimischen Arena haben die Münchner damit beste Voraussetzungen, ins Viertelfinale einzuziehen. Alles andere wäre ein Sensation. 

Vor Gnabrys beiden Toren (51./54.) hatte er zunächst Lewandowski in Szene gesetzt, und es sprach für den Stürmer, dass er nicht selbst den Abschluss suchte, sondern jeweils den Blick für Gnabry hatte. Bei Gnabrys 1:0 verzögerte Lewandowski den Doppelpass geschickt, bei Gnabrys 2:0 war es sogar ein doppelter Doppelpass und diesmal ein direkter, mit dem Lewandowski Gnabry bediente. Es war, wenn man so will, ein Doppelpass-Doppelpack von Gnabry, der von 2011 bis 2016 beim FC Arsenal in London gespielt hatte und schon im Oktober mit seinem Viererpack beim 7:2-Sieg im Gruppenspiel bei Tottenham Hotspur von sich Reden gemacht hatte.

Rot gegen Marcos Alonso

Nun sorgte der deutsche Nationalspieler in Kooperation mit Lewandowski für einen reifen Erfolg, mit dem die Bayern in Europa durchaus Eindruck hinterlassen dürften. Zumal Lewandowski noch auf 3:0 erhöhte, diesmal nach Zuspiel von Alphonso Davies (76.), der aus dieser Mannschaft aufgrund seines leidenschaftlichen Spiels nicht mehr wegzudenken ist. 

Lewandowskis letztes Tor in einem K.-o.-Spiel lag sogar noch anderthalb Monate länger zurück als Bayerns letzter Sieg in einem K.-o.-Spiel. Doch nun waren diese beiden Negativserien seit Anfang 2018 beendet. Einzig die verletzungsbedingte Auswechslung von Kingsley Coman trübte den Abend aus Münchner Sicht. Chelseas Marcos Alonso sah nach einer Tätlichkeit Rot (84.) und wird damit ebenso im Rückspiel fehlen wie der dann gelbgesperrte Jorginho. 

Trainer Hansi Flick hatte das erwartete Personal mit einer Viererabwehrkette in jenes Spiel geschickt, für das er in Auftrag gegeben hatte, „ein Zeichen zu setzen“. Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte diesen Wunsch geäußert, jedenfalls im Vergleich zum Achtelfinal-Hinspiel der Vorsaison beim FC Liverpool, in dem die Münchner mit ihrem damaligen Trainer Niko Kovac beim 0:0 ohne Auswärtstor geblieben und nach dem 1:3 im Rückspiel ausgeschieden waren. Ein solch früher Abschied aus der europäischen Eliteliga „darf uns nicht noch einmal passieren“, hatte Rummenigge verfügt und sich nun mindestens ein Auswärtstor neben einem guten Ergebnis im Stadion an der Stamford Bridge gewünscht. Beides wurde ihm nun mit Nachdruck erfüllt.

Flicks gute Argumente

Flicks Vorgabe, mutig und offensiv zu agieren, versuchten die Bayern rasch umzusetzen gegen die junge Chelsea-Mannschaft von Trainer Frank Lampard, der nun als Einziger bei den Blues noch von jenem „Finale dahoam“ von 2012 dabei war, das die Münchner in der eigenen Arena dramatisch 3:4 im Elfmeterschießen verloren hatten. Die Bayern mühten sich nun zunächst um Spielkontrolle, doch nach und nach brachten sie zunehmend jene Ruhe in ihr Spiel, die Flick in der Coachingzone in seiner ersten K.-o.-Partie der Champions League ausstrahlte. Und das, obwohl es für Flick ja auch darum geht, mit dem Einzug ins Viertelfinale ganz wesentliche Argumente für seinen erhofften Verbleib als Chefcoach des FC Bayern über den Sommer hinaus zu liefern.

Seine nun klar feldüberlegene Mannschaft näherte sich dem angestrebten Auswärtstor immer mehr an. Zwei Mal kam Lewandowski nur einen Schritt zu spät an den Ball gegen den herausstürzenden Willy Caballero, dann schlenzte Thomas Müller nach einer knappen halben Stunde nur hauchdünn am langen Pfosten vorbei. Auf dem Weg, „etwas gutzumachen“, wie es der mitgereiste Ehrenpräsident Uli Hoeneß mit Blick auf 2012 gesagt hatte, waren die Bayern nun. Das galt erst recht, als Müller nach Gnabrys Flanke mit einem Hinterkopfball die Latte traf (35.).

Chelsea hatte seine bis dahin gefährlichste Szene kurz zuvor gehabt, als der französische Nationalstürmer Olivier Giroud eine Hereingabe knapp verpasste. Es war eine Andeutung, dass die Bayern Gefahr liefen, für ihre mangelnde Effizienz bestraft zu werden. Dafür stand auch Marcos Alonsos Abschluss kurz vor der Pause, bei dem Torwart und Kapitän Manuel Neuer erstmals nennenswert eingreifen musste. Doch dann holten die Bayern durch Gnabry und Lewandowski nach der Pause ja nach, was sie zuvor versäumt hatten.