München - Am Montag gab es wieder eine Äußerung aus dem Aufsichtsrat des FC Bayern. Nachzuhören und nachzulesen war ein Interview des Deutschlandfunks mit Helmut Markwort, dem Herausgeber des Focus, jener Zeitschrift also, die die Steueraffäre von Uli Hoeneß der Öffentlichkeit zugeführt hatte. Tags zuvor war bereits der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Martin Winterkorn, in der Bild am Sonntag zu Wort gekommen. Die Kernbotschaft beider Aufsichtsratsmitglieder des Gewinners der Champions League lässt sich so zusammenfassen: Abwarten, wie die Staatsanwaltschaft München II entscheidet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch

Fragt man dort nach, dauert es noch etwas, bis darüber befunden werden kann, wie es weitergeht im Fall Hoeneß. „Derzeit kann keine Aussage darüber getroffen werden, wann die Ermittlungen abgeschlossen sind“, sagte Staatsanwalt Florian Gliwitzky am Montag auf Anfrage. Nur so viel: Man wolle diese „schnellstmöglich abschließen“. Das könne Monate dauern, hatte der leitende Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich zuletzt erklärt. Das stimme, sagte Gliwitzky, „aber das ist nicht sicher“.

Die Dauer der Ermittlungen hängt vom Aufwand ab. Wie es sich damit in der Causa Hoeneß verhält, dazu darf Gliwitzky keine Angaben machen. Vielleicht schon im Juni, das lässt sich durch seine Aussagen vermuten, könnte das Ermittlungsverfahren gegen Hoeneß abgeschlossen sein. Dann entscheidet sich, ob er Präsident des Klubs und Aufsichtsratsvorsitzender der AG bleibt oder nicht.

Das Gremium jedenfalls wartet ab, zugespitzt formuliert: Es versucht, die Angelegenheit auszusitzen, unter Aufsicht der Öffentlichkeit. „Wenn er angeklagt wird oder so was, gibt es zwar immer noch die Unschuldsvermutung, aber da wird man neu nachdenken. Aber im Moment ist im Verein niemand, der sagt, er soll aufhören, zurücktreten. Man kann es sich nicht leisten“, befand Markwort, „wir warten erst mal, ob es überhaupt zu einer Anklage kommt.“

Winterkorn hatte sich ähnlich geäußert und den jüngsten Beschluss verteidigt, Hoeneß nicht dazu zu bewegen, seine Ämter zumindest ruhen zu lassen. „Vor den wichtigen Endspielen in Champions League und DFB-Pokal wäre es falsch gewesen, noch mehr Unruhe in den Verein hereinzutragen. Wir haben das nach meiner Überzeugung richtig entschieden“, sagte der VW-Chef, im achtköpfigen Aufsichtsrat einer von fünf Vertretern großer Konzerne, in denen man peinlich auf ein sauberes Image bedacht ist, „sollte es neue Erkenntnisse geben, werden wir das erneut besprechen.“

Dass diese schon in der kommenden Woche vorliegen und der Aufsichtsrat nach dem Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart zusammenkommt, ist unwahrscheinlich. Allerdings auch, dass das Gremium erst wieder auf der turnusmäßigen Sitzung im September tagt. Hoeneß wird nach Lage der Dinge auch nach dem Endspiel in Berlin vorerst in seinen Ämtern bleiben. Seine Zukunft hängt offenbar nahezu allein von den Entscheidungen der Staatsanwaltschaft ab und davon, zu welchem Zeitpunkt diese getroffen werden. Dass Hoeneß ohne juristischen Zwang zurücktritt, glauben Markwort und andere ohnehin nicht.

Große Rückendeckung

Von Justizkreisen Eingeweihte haben die am 12. Januar hastig erstellte Selbstanzeige als „Torso“ bezeichnet. Es sei eher unwahrscheinlich, dass die Nachbesserungen die Mängel noch ausgleichen können, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Vieles deute auf eine Anklage hin. Hoeneß’ Chancen, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, stünden aber trotz der bisher stets genannten Steuerschuld in Höhe von 3,2 Millionen Euro vermutlich gut.

Der 61-Jährige hat die große Rückendeckung in London bei aller Zurückhaltung sichtlich genossen. „Es war für mich in den letzten Wochen nicht einfach, aber die Mannschaft und der Verein haben unglaublich zu mir gestanden“, sagte er. Dass ihn die Spieler in die Feierlichkeiten eingebunden hatten, zeige, „dass man nicht alles falsch gemacht hat in den letzten zehn Jahren.“

Der angeschlagene Hoeneß tritt zwar nicht mehr als Frontmann des FC Bayern auf. Aber natürlich laufen bei ihm weiterhin alle Fäden zusammen. In London kündigte er für den Kader „noch ein paar weitere Verpflichtungen“ an. Ob er diese als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats spielen sehen wird, darüber entscheidet die Staatsanwaltschaft.