6091 Mitglieder verabschiedeten Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung.
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MünchenAls Uli Hoeneß seine Abschiedsrede nach fast 50 Jahren im Verein, davon mehr als 40 als Manager und Präsident, beendet hatte, überraschte er noch einmal alle. Hoeneß, der Mr. FC Bayern, der Patriarch, der emotionale Macher und Bauchmensch, er weinte nicht, er lächelte. Und er gab seiner Frau Susi, die aufs Podium gekommen war, ein Küsschen. Die 6091 Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung in der Olympiahalle klatschten und johlten, wie so oft am Freitagabend. Und sie sangen zum wiederholten Male: „Uli Hoeneß, du bist der beste Mann.“

Ein starkes Team

Hoeneß lächelte zufrieden und gelöst. Scheinbar ohne Wehmut, sondern im Gefühl, mit seinem Abtritt als Präsident und Aufsichtsratschef nun den richtigen Schritt zum richtigen Zeitpunkt vollzogen zu haben. Zumal er seinen FC Bayern beim ehemaligen adidas-Vorstandschef Herbert Hainer, bei seinem Freund und Nachfolger in beiden Ämtern, bestens aufgehoben sieht. „Sie haben mich 50 Jahre begleitet“, sagte Hoeneß am Ende seiner Rede zu den Mitgliedern, „ich sage Ihnen: Das war's, ich habe fertig. Danke.“

Einfaches Mitglied im Aufsichtsrat wird Hoeneß aber bleiben und ohnehin wohl weiter nehmen. Wie die neuen führenden Köpfe – neben Hainer, 65, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, 64, dessen designierter Nachfolger Oliver Kahn, 50, und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, 42 – sein Lebenswerk pflegen sollen, gab ihnen Hoeneß in seiner Abschiedsrede aber mit wie ein Vermächtnis. „Ihr müsst ein starkes Team sein, euch unterstützen“, rief er, „dann kann den FC Bayern, in Deutschland sowieso nicht, aber auch international, kaum jemand schlagen.“ Der FC Bayern sei ein „Tanker“, und dieser „muss geradeaus fahren und nicht nach links schauen und schon gar nicht nach rechts“, warnte Hoeneß. Zudem solle der Verein „immer den Menschen in den Mittelpunkt stellen“, er „muss sozial sein“, rief er, „der Verein muss selbstbewusst sein, nicht arrogant.

Kurz darauf hatte Hoeneß offiziell fertig, und seine Fans jubelten ihm zu. Sie jubelten auch, als Rummenigge später verkündete, dass Übergangstrainer Hansi Flick „mindestens bis Weinachten“ Chefcoach bleiben werde und „möglicherweise darüber hinaus“. Und sie lachten, als Rummenigge seine Rede mit den Worten „Mia san Uli“ beendet hatte, ehe ihn Hoeneß für seine unerwartete Emotionalität aufzog. „Verarschen kann ich mich selber“, sagte Rummenigge. Auch das Ende der Doppelspitze beim FC Bayern ging für die beiden Alphatiere nicht ohne kleine, wenn auch spielerische Rangelei.

Schon der Anfang des Abends war zu einem Triumphzug für Hoeneß geraten. Kurz vor 19 Uhr war er – natürlich vorne weg – mit seinen bisherigen Präsidiumskollegen und dem Vorstand zur Bayern-Hymne Stern des Südens eingelaufen. Die Mitglieder klatschten schon da begeistert im Rhythmus, standen auf und riefen „Uli, Uli“. Hoeneß kämpfte mit den Tränen, er presste die Lippen zusammen und verbeugte sich. „Vielen, vielen Dank, aber irgendwann müssen wir anfangen“, sagte Hoeneß in den minutenlangen Beifall hinein. Doch die Mitglieder feierten den Patriarchen einfach weiter, sie sangen „Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“, während dieser erneut um Fassung rang. Und als dann als Überraschung die im Sommer verabschiedeten, langjährigen Bayern-Fußballer Franck Ribéry und Arjen Robben mit Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic die Trophäen der Vorsaison in die Halle trugen, war es um Hoeneß geschehen. Er verdrückte ein paar Tränen.

49 Jahre Herzblut

„Vielen, vielen Dank für diesen wunderschönen Empfang“, sagte Hoeneß, als er die Versammlung nach dem rund zehnminutigen Jubelvorlauf eröffnete. Und er nahm dabei Bezug auf die Zeit vor seinem ersten Abschied am 2. Mai 2014, bevor er exakt einen Monat später seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung bis zum 29. Februar 2016 angetreten hatte. „Damals habe ich gesagt: „Das war“s noch nicht„“, erinnerte Hoeneß und rief den Mitgliedern zu: „Und Sie haben mir nach meiner Wiederwahl 2016 wunderbare Jahre geschenkt.“ Dass er sich dabei um 100 Jahre versprach, passte ganz gut zu der gefühlten Ewigkeit, in der er sein Lebenswerk nach seiner Spielerkarriere beim FC Bayern aufgebaut hatte, ehe er 2009 Präsident wurde. „49 Jahre Herzblut“, sagte Rummenigge über Hoeneß und nannte den Abtritt des Familienoberhaupts eine „große Veränderung in der Geschichte unseres Vereins“.

Es passte auch zu diesem Abend, dass die Mitglieder euphorisch jubelten, als Hoeneß die Zukunft, also Kahn, in der ersten Sitzreihe begrüßte. „Da hast du viel Arbeit, um diese Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen“, rief Hoeneß Kahn spontan zu. Der frühere Bayern-Torwart soll vom 1. Januar an eingearbeitet werden und Rummenigges Nachfolge antreten, der Ende 2021 als Vorstandschef abtritt. „Er war auf dem Platz unser Titan, und sie wissen ja: Titan rostet nicht. Insofern können wir uns auf einiges gefasst machen“, sagte Rummenigge. Der Umbruch geht auch nach Hoeneß weiter.