München - Die Bayern-Bosse sind alarmiert. Nach dem frostigen Pokal-Schock von Kiel setzen Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn darauf, dass Trainer Hansi Flick auch sein erstes kleines Tief beim deutschen Fußball-Rekordmeister bravourös meistert. „Jetzt müssen wir schleunigst im neuen Jahr ankommen!“, forderte der designierte Vorstandschef Kahn nach dem ersten Titel-K.-o. des Triplesiegers und vor dem Bundesliga-Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gegen den SC Freiburg.

Der mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattete Flick muss nach einem traumhaften und trophäenreichen ersten Jahr als Cheftrainer und Dauersieger in München seine erste Krisensituation managen. „Es ist sicherlich gerade nicht die beste Phase des FC Bayern“, haderte Vizekapitän Thomas Müller. Fünf Monate nach dem Champions-League-Triumph sind Dominanz und Unantastbarkeit futsch. Gegentore en masse können nicht dauerhaft durch die Extraklasse in der Offensive um Weltfußballer und Fließband-Torschütze Robert Lewandowski aufgefangen werden.

„Die großen individuellen Defensivfehler gilt es abzustellen“, mahnte Karl-Heinz Rummenigge. Man wolle nicht nur offensiv, sondern eben auch defensiv „wieder FC-Bayern-like“ spielen. „Ich habe Vertrauen in den Trainer und in die Mannschaft, dass sie das organisieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Pokalabend im Vereins-TV.

Blendende Aussichten in zwei Wettbewerben

Wenige Stunden nach der Chef-Ansage deckte Zweitligist Holstein Kiel abermals die Münchner Anfälligkeiten auf. Wieder fiel ein Gegentor nach dem immer gleichen Muster: Die hoch verteidigenden Bayern machen zu wenig Druck auf den Ball, ein langer Pass hebelt die Abwehrkette aus. Seit Ende Oktober wartet Manuel Neuer auch deshalb auf sein 196. Zu-null-Spiel in der Bundesliga; noch hält Kahn diesen Rekord.

Wiederholt sprach Flick das Manko bei der Defensivarbeit in seinen Analysen an, nachhaltig brachte das keinen Erfolg. „Es gibt jetzt keine Ausreden, dass wir zu viele Spiele und zu wenig Pause hatten“, sagte der 55-Jährige. „Wir haben gezeigt, dass wir 120 Minuten auf Tempo gehen können. Das ist eine gute Basis, aber letztendlich geht es auch darum, dass wir die taktischen Dinge auch besser machen.“

Flicks Bilanz ist mit 51 Siegen in 61 Spielen weiter imposant. Doch nach nur einer einzigen Niederlage im Jahr 2020 gab es nun bereits zwei Niederlagen in drei Pflichtspielen 2021.

Als Bundesliga-Spitzenreiter und Achtelfinalist in der Champions League stehen die Münchner in zwei Wettbewerben weiter blendend da. Anfang Februar winkt zudem bei der Club-WM der nächste Titel. Doch um nach der in Corona-Zeiten auch kostspieligen Pokal-Blamage nicht die weiteren Saisonziele zu gefährden, muss wieder Stabilität herrschen.

Gute Erinnerungen an Magdeburg

Man müsse das Pokal-Frusterlebnis „schleunigst loswerden, in positive Energie umwandeln und einen raushauen“, formulierte Müller. Freiburg kommt da eigentlich gerade recht: Keines der 20 Bundesliga-Heimspiele gegen die Breisgauer verloren die Bayern (17 Siege, 3 Remis). Aber aktuell befindet sich das Freiburger Team von Kult-Trainer Christian Streich im Leistungshoch, fünf Siege am Stück sind Vereinsrekord.

Kahn erinnerte bei seinen mahnenden Worten via Twitter an die Historie, die sich nun für die Münchner Triple-Champions wiederholen soll. Vor gut 20 Jahren sei man ebenfalls in der 2. Runde im Pokal ausgeschieden, blickte Ex-Bayern-Kapitän Kahn auf den K. o. beim damaligen Oberligisten 1. FC Magdeburg zurück: „Ein halbes Jahr später haben wir die Champions League geholt.“