Sucht in München eine neue Herausforderung: Leroy Sané.
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MünchenAm Mittwoch öffnete sich das Transferfenster nur für einen einzigen Tag, als Phase eins der diesmal zweigeteilten und verlängerten Wechselperiode. Zum zweiten Mal wird das Transferfenster am 15. Juli aufgehen, erst bis zum 5. Oktober müssen alle Verpflichtungen für die kommende Saison vollzogen sein. Gemessen daran sind sie beim FC Bayern schon sehr weit mit ihrer Kaderplanung, zumal nun auch der Transfer von Manchester Citys Flügelspieler Leroy Sané, 24, nach München so gut wie fix ist. Nur der Medizincheck und die Unterschrift unter den Fünfjahresvertrag fehlen noch. Über die Basisablöse von knapp 50 Millionen Euro haben sich die Bayern mit Manchester nach übereinstimmenden Medienberichten ebenso geeinigt wie mit Sané über die Vertragskonditionen, die ein Jahresgehalt von geschätzten 18 Millionen Euro beinhalten sollen.

Es ist ein Coup mit einjähriger Verspätung, nachdem der ehemalige Schalker Sané bereits im Vorsommer kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern stand, sich dann aber das Kreuzband riss. Nun holen die Bayern den seit langem vorbereiteten Transfer nach, und pünktlich zu seiner Beförderung vom Sportdirektor zum Sportvorstand darf sich Hasan Salihamidzic, 43, dabei auch über einen erheblichen Preisnachlass freuen. Im Sommer 2019 waren für Sané noch weit mehr als 100 Millionen Euro Ablöse aufgerufen worden. Sanés schwere Knieverletzung, sein in einem Jahr drohender ablösefreier Abschied aus Manchester samt seinem unbedingten Wechselwillen und die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie sorgten für den Preisrutsch.

Der deutsche Nationalspieler Sané dürfte damit der Königstransfer des FC Bayern in diesem Sommer werden. Hinzu kommt die ablösefreie Verpflichtung des Schalker Torwarts Alexander Nübel, 23, mit dem man sich als neue Nummer zwei hinter Manuel Neuer, 34, bereits im Januar auf einen Fünfjahresvertrag verständigt und der am Montag den Medizincheck in München absolviert hatte.  Tags darauf folgte die ärztliche Untersuchung des ablösefreien Innenverteidigers Tanguy Kouassi, 18, von Paris Saint-Germain, ehe der FC Bayern am Mittwoch den französischen Junioren-Nationalspieler zum Verdruss von PSG-Trainer Thomas Tuchel mit einem Vertrag bis 2024 ausstattete. 

Mit dem Trio hat der FC Bayern seine Kaderplanung schon weit vorangetrieben, das Gerüst für die kommende Saison steht. Einige offene Fragen aber bleiben, und weitere Transfers bis Anfang Oktober sind schon deshalb durchaus denkbar, weil noch nicht klar ist, wie viele Spieler der aktuellen Belegschaft sich verabschieden werden. Möglich ist das bei Thiago Alcántara, 29, um den Trainer Hansi Flick zwar kämpft, der aber seit langem mit der Verlängerung seines 2021 auslaufenden Vertrages ebenso zögert wie Abwehrchef David Alaba, 28, der ebenfalls nur noch ein Jahr lang gebunden ist. Thiago soll bereits in der Kabine von seinem Abgang gesprochen haben, bei Alaba hakt es bisher an den künftigen Gehaltsvorstellungen. Mit den Leihspielern Philippe Coutinho, 28, Ivan Perisic, 31, und Álvaro Odriozola, 24, wurde nur ein Verbleib bis Ende August vereinbart, also bis zum Ende des Champions-League-Turniers in Lissabon. 

Um Flicks Wunsch nach „mehr Breite in der Qualität“ zu erfüllen, zumal vor der noch enger getakteten Agenda der kommenden Saison, müssten die Bayern wohl noch nachlegen. Flick hatte zuletzt explizit auf die Außenbahnen verwiesen, offensiv und defensiv. Offensiv kann er Sané einplanen, sein Wunsch nach einem weiteren Rechtsverteidiger ist noch nicht erfüllt. Andererseits verwies Salihamidzic wohl genau in Bezug darauf auf die weiteren möglichen Positionen für Innenverteidiger Kouassi, der Rechtsfuß ist. Belegt ist aber auch das Interesse an Amsterdams Rechtsverteidiger Sergiño Dest, 19, für den jedoch bis zu 30 Millionen Euro Ablöse verlangt werden. 

Und dann ist da noch Leverkusens Mittelfeldspieler Kai Havertz, 21, den die Münchner ebenfalls gerne hätten. Allerdings will Bayerns Gegner im Pokalfinale am Sonnabend nicht von seiner Ablöseforderung in Höhe von 100 Millionen Euro abrücken. Wegen der auch für die Münchner spürbaren Einbußen durch Corona erscheint eine Verpflichtung von Havertz deshalb in 2020 unwahrscheinlich. Jedenfalls gut drei Monate vor der Transferfrist.