Berlin - Die Suche nach dem Täter läuft auf Hochtouren, der Kontrollausschuss ermittelt in mehrere Richtungen, harte Strafen stehen im Raum: Die Betriebsamkeit als Folge des Bochumer Becherwurf-Skandals ist auch ein Kampf gegen den Eindruck „Fans zurück, Probleme zurück“. Zusätzlichen Schaden für sein ohnehin angekratzte Images kann sich der Profifußball nicht leisten.

Deshalb hoffen vor allem die Bochumer darauf, dass der Schuldige zügig identifiziert wird. „Wir versuchen, bestmöglich die Behörden und die Polizei zu unterstützen“, sagte Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz bei Sky: „Wir haben einen Aufruf gestartet, damit sich Zeugen melden.“ Laut Hans-Peter Villis haben das bereits „einige“ getan. „Es müsste möglich sein, den Nachweis zu führen“, sagte der VfL-Vorstandsboss am Sonntag bei Sport1.

Die Bundesligapartie zwischen dem VfL und Borussia Mönchengladbach wurde am Freitag in der 70. Minute beim Stand von 0:2 von Schiedsrichter Benjamin Cortus (Röthenbach) abgebrochen, nachdem sein Assistent Christian Gittelmann (Gauersheim) von einem gefüllten Getränkebecher am Hinterkopf getroffen worden war. Bei Gittelmann wurde nach eigenen Angaben im Krankenhaus eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma diagnostiziert. Laut Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich hatte der Assistent am Sonntag „noch ein bisschen Kopfschmerzen“.

Trotz der Beschwerden forderte Gittelmann harte Strafen. „Eine flächendeckende Null-Toleranz-Politik mit einem klar definierten und für alle im Vorfeld bekannten und harten Strafmaß sollte ausgearbeitet werden“, sagte Gittelmann, nur so seien „Gewalttaten“ gegen Unparteiische – vor allem auch „auf den Amateurplätzen“ – zu vermeiden.

Ähnlich sieht es Fröhlich: „Wir müssen Einzelne, die verantwortungslos handeln, rigoros sanktionieren, um nicht das Gesamtsystem zu belasten.“

Wie die Strafen für den VfL aussehen werden, ist noch offen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Ermittlungen aufgenommen. „Es werden sich zwei Verfahren entwickeln“, sagte Stephan Oberholz, Vorsitzender des Sportgerichts, „einmal das Spielwertungsverfahren und dann ein Strafverfahren gegen den Klub, dessen Anhänger sich entsprechend verhalten haben.“

Gladbach wird die Punkte wahrscheinlich am Grünen Tisch erhalten. Zudem droht den Bochumern, die nach der Aufhebung der meisten Corona-Beschränkungen erstmals wieder 25.000 Zuschauer ins Stadion lassen durften, ein Geisterspiel. Als vor elf Jahren ein Bierbecher einen Linienrichter traf, wurde der FC St. Pauli eben dazu verurteilt. Im Nachhinein wurde die Strafe auf ein Spiel in einem mindestens 50 Kilometer entfernten Stadion abgemildert. Die Bochumer bauen darauf, dass die Überführung des Schuldigen die Sanktionen abmildern könnte.