Hallo? Eine mit unverkennbar schweizerischem Akzent geprägte Interjektion hallte auf einmal durch den Raum. Die obligatorische Pressekonferenz war da längst vorbei, selbst das immer hinterher angesetzte TV-Interview mit Reportern des rbb war längst im Kasten. Und doch drängte es Urs Fischer noch einmal zurück in den Medienraum im Stadion An der Alten Försterei. „Hallo?“, schallte es ein zweites Mal, als der Schweizer sich durch die Tür schob und versuchte, den dort noch beim Plausch verweilenden Reportern ein „Wir sollten Flecker nicht vergessen“ noch näher zu bringen.

Was im ersten Moment verwundern mag, schließlich spielt der Zugang vom österreichischen Erstligisten TSV Hartberg bislang keine wirkliche Rolle bei den Köpenickern, hat einen ernsten Hintergrund. Denn dem 1. FC Union drohen beim Spiel gegen den SC Freiburg am Sonnabend (15.30 Uhr) die Flügelstürmer auszugehen. Zumindest die, die auf der rechten Seite agieren.

Blessuren am Donnerstag

Für gewöhnlich tummelt sich da Sheraldo Becker. Auch Suleiman Abdullahi kommt bevorzugt über die rechte Seite. Letzterer hatte sich gerade von einer mehrwöchigen Verletzung erholt, da erwischte es ihn am Donnerstag im Geheimtraining. Auch Becker brach die Übungseinheit am Donnerstag vorzeitig ab, musste wie der Nigerianer anschließend zum Arzt. Wie schwer die Blessur ist, konnte Urs Fischer noch nicht verraten. „Wir müssen erst die Untersuchungen abwarten“, meinte der 53-Jährige. Zwischen den Zeilen herauszuhören war aber, dass er bei dem Duo eher auf Beckers Genesung bis Sonnabend setzen würde.

Nun kann man bislang nicht gerade behaupten, dass der Niederländer im ersten Saisonviertel übermäßig beim Aufsteiger reüssiert hätte, aber dass seine Geschwindigkeit eine potenzielle Waffe ist, war schon zu erkennen. Müssen beide verzichten, sieht sich Fischer zum Handeln gezwungen, da die natürliche Alternative Akaki Gogia ja mit einem Kreuzbandriss verhindert ist.

Es erscheint ein bisschen wie ein Treppenwitz, dass bei einem derart großen Kader, wie es das 33-Mann-Ensemble der Köpenicker nun einmal ist, eine solche Vakanz entstehen kann.

Fischer wollte diese nicht so im Raum stehen lassen. Er brachte den Dänen Marcus Ingvartsen ins Spiel, der bei Union bislang eher als falscher Zehner hinter der Spitze agiert hatte. Er verwies auf Marius Bülter und Joshua Mees. Bülter hat in Magdeburg gefühlt ja alle Positionen bis auf Torwart und Innenverteidiger durch, Mees – obwohl von Haus aus Linksfuß – ist in Spielen oft auch auf der anderen Seite in Aktionen zu sehen. „Wir haben schon noch Alternativen“, meinte Fischer, eher er sich der nächsten Frage zuwandte und dabei eben Flecker – den vierten Mann – nicht explizit erwähnte. Angesichts der allgemeinen Sensibilität der modernen Kicker-Seelchen mit all ihren Befindlichkeiten fast ein Fauxpas, den Fischer hinterher noch eilends zu reparieren gedachte. Nicht, dass sich am Ende einer in seiner Ehre verletzt fühlt.

Wieder mit Dreierkette

Zu seiner Verteidigung sollte hier angefügt werden, dass selbst die Journalisten an dieser Stelle ein Nachhaken nicht für nötig hielten. Dort interessierte vielmehr, ob Fischer auch gegen den Sport-Club aus Freiburg an seiner zuletzt in Wolfsburg (0:1) und auch beim Test gegen Dynamo Dresden (0:0) zum Einsatz gekommenen Dreier-Kette in der Abwehr festzuhalten gedenkt. „Ich glaube, ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir versuchen sollten, insgesamt variabler zu sein. Ich glaube auch, dass Dreierkette − oder soll ich sagen Fünferkette − für uns eine gute Lösung ist. Das hat nicht immer nur mit dem Gegner zu tun, sondern ich glaube auch, dass es wichtig ist, auf sich selber zu schauen, ob sich die Mannschaft darin wohlfühlt“, so der Fußballlehrer. So schlecht habe das ja gegen Wolfsburg nicht ausgesehen. „Ich glaube schon, dass es ein gute Möglichkeit ist, so ein Spiel anzugehen.“