Tennisprofi Alexander Zverev ist zu Jahresbeginn völlig außer Form. 
Foto: AP/Tertius Pickard

BrisbaneBis zum Beginn der Australian Open sind noch zehn Tage Zeit, aber ob das lang genug ist, um eine Lösung zu finden? Drei Spiele verlor Alexander Zverev beim ATP Cup, und vor allem die Art, wie er das letzte der drei verlor, gab mächtig zu denken. Vom ersten Moment bis zum letzten Moment der Begegnung mit dem Kanadier Denis Shapovalov wirkte er ratlos und überfordert; es sah aus, als wolle er alles nur möglichst schnell hinter sich bringen. „Ich spiel halt schlecht“, sagte er zum Abschied, „und es macht nicht so richtig Spaß, auf dem Tennisplatz zu sein, wenn man so schlecht spielt.“ Drei Niederlagen waren auf jeden Fall zu viel, um sich und seiner Mannschaft eine Chance zu geben, das Viertelfinale des neuen Wettbewerbes zu erreichen.

Zverev selbst glaubt, ihm fehlten nach der kurzen Vorbereitungszeit vor allem Trainingsstunden und Matchpraxis, und er erinnerte daran, seine Form sei in den vergangenen Jahren beim Hopman Cup in Perth ähnlich gewesen. Ein bisschen mehr Zeit zum Üben, ein paar Siege, dann werde es schon wieder, sagt er. Boris Becker glaubt das nicht. Der Chef des deutschen Männertennis, in Brisbane als Kapitän auf der Bank, macht sich Sorgen um seinen besten Mann. Er findet, der habe keine Energie, und die Körpersprache sei sehr negativ. „Er muss sich wieder finden, aber er muss entscheiden, was ist er gewillt zu tun, welchen Preis ist er gewillt zu zahlen. Will er leidenschaftlich weiter trainieren und spielen? Wenn die Leidenschaft nicht da ist, dann wird’s schwer.“

Boris Becker rät Schützling Zeverev zu Veränderungen

Becker kennt Zverev lange und gut genug, um die Dinge einordnen und Signale deuten zu können, und die gemeinsame Woche in Brisbane gab den bisherigen Erkenntnissen sicher neue Nahrung. Wenn er sagt, es sei an der Zeit für einen Weckruf und für einen neuen Coach, dann kann man davon ausgehen, dass es wirklich Handlungsbedarf gibt. Der Versuch im vergangenen Jahr mit Ivan Lendl als zweitem Mann neben Alexander Zverev senior war auch deshalb gescheitert, weil der Vater mit dieser Konstellation nicht klarkam. Und wenn Becker nun sagt, Zverev müsse dringend mal eine Zeit allein dem zu findenden Neuen verbringen, dann kann man daraus ablesen, dass die Vater-Sohn-Konstellation vielleicht nicht mehr genügend Impulse generiert.

Es gab und gibt ja immer wieder Spekulationen und Überlegungen, ob Becker selbst der Neue sein könnte, aber der sagte dazu in Brisbane, er sei es definitiv nicht. Seine Aufgabe als Chef des deutschen Männertennis mache ihm viel Spaß, im Rahmen dieser Aufgabe stehe er für seinen besten Mann auch jederzeit zur Verfügung, aber mehr werde daraus nicht. Und darüber hinaus habe er ja auch noch einen Job bei Eurosport.

In der kurzen Zeit bis zum Beginn des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres wird wohl nicht viel passieren, und einstweilen steht nur so viel fest: Falls Alexander Zverev demnächst bei den Australian Open in Melbourne in der Form von Brisbane antritt, wird sich das Turnier wie ein Achttausender vor ihm aufbauen, und ohne Mut oder Zuversicht wird der Weg schon vor dem ersten Basislager zu Ende sein.