HSV-Profi Toni Leistner kletterte nach dem Spiel auf die Tribüne und legte sich mit Fans an. 
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DresdenDer Fall Toni Leistner schlägt hohe Wellen: Der HSV-Verteidiger war nach dem Pokal-Aus der Hamburger in Dresden (1:4) ausgerastet, als ihn ein Fan verbal übelst provoziert hatte. Kurz vor einem Interview mit Sky war der 30-Jährige auf die Tribüne geklettert, hatte sich den Pöbler gepackt und ihn zu Boden gestoßen, ehe er wieder zurück aufs Feld kletterte. Das Interview musste wenig später nach Bierbecher-Würfen sogar abgebrochen werden.

„Es muss schon ganz schön viel vorgefallen sein, dass Toni so reagiert. Wir kennen ihn ja gut, so leicht bringt den nichts aus der Fassung“, zeigte sich Unions Kapitän Christopher Trimmel mit dem ehemaligen Kollegen solidarisch. Der Zuschauer soll Leistner zuvor massiv beleidigt und vor allem gedroht haben, Leistners hochschwangere Frau in den Bauch treten zu wollen. 

Leistner, der sich später dafür entschuldigte, dass ihm die Sicherung durchgebrannt war, erntete für seine Aktion bei Robert Andrich Verständnis. „Hut ab, wie der da so schnell diese Wand hochgekommen ist“, witzelte Unions Mittelfeldspieler.

Der DFB hat bereits Ermittlungen eingeleitet und eine Stellungnahme angefordert. Um eine Geldstrafe wird der 30-Jährige kaum herumkommen. Zudem drohte eine Sperre für  Pokalspiele. 

Auf den HSV könnte weiteres Ungemach zukommen. Leistners Block-Sturm stellte eine Verletzung der Hygienevorschriften dar. Nur zur Erinnerung: Als Christopher Trimmel und Sheraldo Becker Mitte Juni vor der Alten Försterei mit Fans über den Klassenerhalt jubelten, sanktionierte das die DFL mit einer saftigen Geldstrafe. Das Duo durfte auch erst wieder trainieren, nachdem es zwei zusätzliche negative Covid-19-Tests nachweisen konnte. Leistner reiste mit den HSV-Kollegen zurück nach Hamburg. In einem Worst-Case-Szenario würde nicht nur Leistner ein paar Tage zuhause bleiben, sondern das gesamte Team des Zweitligisten vorsorglich aus dem Verkehr gezogen werden.

Derweil erhielt Leistner auch Zuspruch von einem anderen Ex-Unioner. „Der Kauf einer Eintrittskarte berechtigt nicht, Leute so unter der Gürtellinie zu beleidigen“, twitterte Sebastian Polter. Und hofft darauf, dass der Fan gefunden und bestraft wird. Dynamo kündigte schon Sanktionen gegen den Provokateur an.

Josefin Leistner sprang ihrem Mann natürlich zur Seite. „Was viele leider immer wieder vergessen: Auch hinter dem Profifußballer Toni Leistner steckt ein Mensch wie du und ich. Ein Papa und Ehemann“, schrieb sie bei Instagram.

Christopher Quiring spitzte den Fall in den sozialen Netzwerken zu. Der ermahnte Leistner, künftig seiner Vorbildfunktion mehr gerecht zu werden. „Beim nächsten Mal benutze deine Faust!!!“

Am Dienstagabend nahm Leistner dann aber Kontakt zu dem Fan auf. „Wir haben telefoniert und die Sache untereinander geklärt. Er hat genau wie ich seinen Fehler eingesehen“, schrieb er auf Instagram. „Ich nehme seine Entschuldigung an, zwischen uns ist die Sache damit aus der Welt.“