Zum zweiten Mal hintereinander Schauplatz der Formel Corona: die Rennstrecke in Spielberg.
Foto: dpa/Klamar

Berlin/SpielbergEinmal ist kein Mal, zweimal ist noch mal? Erstmals in 70 Jahren Formel 1 werden zwei Rennen auf der gleichen Strecke hintereinander ausgetragen. Zwischen dem Großen Preis von Österreich und dem Großen Preis der Steiermark ist das Zittern bei den Rennställen weitergegangen. Nur elf von 20 Autos kamen beim Saisonauftakt ins Ziel, das ist die höchste Ausfallquote seit 2008. Jetzt fährt die Angst mit, besonders bei Gastgeber Red Bull, der mit null Punkten plötzlich am Tabellenende liegt.

Wie kann das sein in einer minutiös geplanten Welt, in der hochgezüchtete Technik die Rennwagen ungefähr eine Million Euro teuer macht? Vor 30 Jahren waren Ausfallerscheinungen normal, aber mit Einführung der Elektronik sank das Versagen, die meisten Schäden waren nur noch Versehen oder Renn-Pech. Im vergangenen Jahr sahen im Schnitt 17 von 20 Fahrern die Zielflagge. Jetzt wächst nicht nur der Wunsch nach besseren Resultaten, sondern auch nach mehr Stabilität: „Zwei Rennen in Folge auf einer Strecke ist neben allem anderen in diesem Sommer noch mal ungewöhnlicher. Aber für mich bietet sich eine Chance, es besser zu machen als letzten Sonntag“, sagt Sebastian Vettel, der auf Platz zehn einfuhr, „was wir dabei gelernt haben, könnte nützlich sein.“

Unter den vielen willkommenen Unwägbarkeiten beim Geisterrennen ist die Anfälligkeit der Autos unerwünscht. Plötzlich reichen die österreichischen Randsteine, um sogar die Perfektionisten bei Mercedes in die Bredouille zu bringen. „Das Ergebnis sieht auf dem Papier gut aus, aber in Wahrheit hatten wir Glück, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind“, gesteht Teamchef Toto Wolff, „die Zuverlässigkeit hat uns einige Sorgenfalten bereitet. In einer kürzeren Saison mit einer noch nicht bestimmten Anzahl an Rennen kommt es auf jeden Punkt an.“ Damit Getriebe und Sensoren durch die Vibrationen nicht wieder verrückt spielen, wurden in der Rennfabrik in Brackley neue, stabilisierende Teile gefertigt und nach Österreich gebracht.

Die Bremsen bei Haas, die Motoren von Honda, die Aerodynamik von Ferrari – hier knirscht was, da zickt es, die Hitze und die Luft auf 680 Metern Höhe werden unbekömmlich. Die kurze, hügelige Piste galt mit ihren 72 Prozent Vollgasanteil und brutalen Bremspunkten schon immer als materialmordend, hinzu kommt die lange Corona-Zwangspause in den Rennfabriken. Die Abläufe sind empfindlich gestört, viele Teams befinden sich in einer technischen Aufholjagd, sind aber auch angehalten zu sparen. Eine Gratwanderung.

Da kann es von Vorteil sein, an gleicher Stelle erneut sein Glück zu versuchen. Die Datenmenge ist frisch und nicht wie sonst ein Jahr alt, die Piste bleibt unverändert – so stellt sich zumindest ein Gefühl von Sicherheit bei der komplizierten Abstimmungsarbeit ein. Wenn man die Fahrzeuge besser versteht, müssten sie besser und schneller werden. Zumindest wissen die Ingenieure was warum nicht funktioniert hat. Gewiss, Tagesform und Temperaturen spielen eine Rolle. Aber in der Formel 1 passiert wenig aus Zufall. Alles wird kalkuliert, hochgerechnet, überprüft. Nur der Fahrer und das Renngeschehen lassen sich – glücklicherweise – nicht vorhersagen.

„Schon wieder Spielberg“, heißt es bei Ferrari, obwohl die Italiener durch das Chaos auf der Piste glimpflich davongekommen sind. Der rote Dienstwagen von Sebastian Vettel ist mehr als eine Sekunde langsamer als im Vorjahr. Eilig ist in Maranello auf Anweisung von Ferrari-Chef Louis Camilleri die Teileproduktion hochgefahren worden: „Wir müssen sofort auf die schlechten Startpositionen reagieren. Wir beschleunigen unser Entwicklungsprogramm und bringen heute an die Rennstrecke was für morgen geplant war.“ Der Manager verspricht auch: „Bei Ferrari werden die Ärmel hochgekrempelt. Wir stellen uns der Situation und heulen nicht.” Kollege Toto Wolff warnt: „Da zwischen den beiden Rennen nur wenige Tage liegen, gibt es noch immer viele Unbekannte. Ich glaube, dass uns erneut ein spannendes Rennen bevorsteht.“