Personalgespräch? Union-Manager Oliver Ruhnert spricht unmittelbar nach dem Klassenerhalt mit Robert Andrich.
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BerlinSie haben es geschafft. Sie haben die Klasse gehalten. Sie haben vorzeitig Gewissheit. „Das hätten uns viele so nicht zugetraut“, sagt sich Unions Manager Oliver Ruhnert stolz. So skurril die äußeren Umstände anmuteten, es gibt erst mal Planungssicherheit. Eigentlich.

Denn mit der Planungssicherheit ist es so eine Sache. „Es ist in der Tat etwas kompliziert“, gibt der 48-Jährige zu. Es fängt an beim Budget. Keiner weiß genau, mit welchen Summen Union in der Bundesligaspielzeit 2020/21 planen kann. Die Erlöse aus den Fernsehrechten werden sich in ähnlicher Größenordnung bewegen – wenn man mal von der ursprünglich angedachten Steigerung absieht.

Sie werden in der kommenden Saison um 150 Millionen Euro sinken. Statt 1,35 Milliarden Euro soll die Liga 1,2 Milliarden Euro durch die nationalen Übertragungsrechte einnehmen. Eine ausbleibende Erhöhung ist erstmal zu verschmerzen. Durch den Aufstieg von Arminia Bielefeld bleiben die Eisernen in der Fünf-Jahreswertung weiterhin auf Rang 17 der TV-Gelder, so wie in dieser Spielzeit. Man könnte also mit den rund 30,3 Millionen rechnen.

Schwerwiegender schlagen die Zuschauerkalkulationen ins Kontor. Ab wann dürfen Fans wieder ins Stadion? Wie viele werden es sein? 1000? 5000? Wie werden die Karten verteilt? Auch die Logen können ja womöglich wegen Corona-Pandemie nicht in Gänze besetzt werden. Bei Union gibt es diverse Firmen oder Zusammenschlüsse einzelner Parteien, die sich so ein VIP-Domizil teilen. Wenn jetzt alle auf einmal die Logen belegen, ist Stress programmiert.

„Wir werden diese Dinge jetzt mit dem Präsidium angehen“, sagt Ruhnert. Klar scheint nur, dass die Eisernen ihren Kader verschlanken wollen. Und natürlich Zugänge benötigen. In der Innenverteidigung beispielsweise durch den Verlust von Keven Schlotterbeck. Und im Tor durch den Abgang von Rafal Gikiewicz. Auch auf der Mittelstürmerposition besteht Handlungsbedarf. Nicht nur wegen des scheidenden Polters, auch weil immer noch mit Angeboten für Sebastian Andersson zu rechnen ist.

Auch der Sommerfahrplan ist derzeit noch in der Schwebe. Verlässliche Daten, wann die Liga die neue Spielzeit startet, gibt es nicht. Davon hängen aber Urlaubsplanung und mögliche Trainingslager ab. Bislang steht nur fest, dass die Köpenicker wieder zum Start der Vorbereitung drei bis vier Tage in Bad Saarow gastieren möchten. „Damit haben wir ja gute Erfahrungen gemacht und uns immer wohl gefühlt“, sagt Ruhnert. Doch dann? Auf sechs Wochen veranschlagt Ruhnert die Vorbereitung. Business as usual also. Nur komplizierter. Ein Trainingslager ist noch nicht gebucht. „Wir wissen ja nicht mal, ob wir Testspiele machen dürfen. Und wenn ja, gegen wen“, sagt der gebürtige Sauerländer über einen derzeit schwer zu berechnenden Faktor.

Da kommt viel Arbeit auf Ruhnert zu. Vor allem wegen der Kaderplanungen, die anstehen. Die Scouting-Abteilung war zwar nicht untätig. „Die haben mich manchmal verflucht, wenn ich ihnen gesagt habe, schaut euch dieses und jenes Spiel noch mal am Fernseher an“, sagt Ruhnert mit dem Anflug eines Lächelns. Die finale Entscheidung wurde bislang nie allein über Video-Studium getroffen, die Beobachtung vor Ort aber entfiel ja in den vergangenen Monaten. „Ich muss erstmals eine Entscheidung treffen, ohne einen eigenen Eindruck von dem Spieler bekommen zu haben“, erklärt Ruhnert, bei dem für Transfers immer auch sein Bauchgefühl mit eine Rolle spielt.

Und letztlich würde er zu gerne mal durchschnaufen. „In der Corona-Zeit haben wir ja trotzdem ständig gearbeitet. Da waren Meetings. Man musste täglich besprechen, wie es unmittelbar weitergeht. Wir haben jetzt praktisch zwölf Monate am Stück durchgearbeitet. So lange war sonst kein Spieljahr.“ Und auch in den kommenden Wochen ist da keine Abhilfe in Sicht. Union muss eine wettbewerbsfähige Mannschaft auf die Beine stellen. Damit das Wunder Klassenerhalt auch zweiten Jahr gefeiert werden kann.