Ziemlich nüchterner Jubel: Max Kruse.
Foto: City-Press/Renner

BerlinIn einem ausführlichen Interview mit dem Magazin EISERN hatte Max Kruse erst neulich noch einmal erklärt, warum er in die Bundesliga zurückgekehrt ist. Er wolle es den Leuten in Deutschland noch einmal zeigen, so Max Kruse in einer für Max Kruse wohl typischen Direktheit. Der eine oder andere mag dies als ganz schön keck eingestuft haben, immerhin ist Kruse inzwischen doch schon 32 Jahre alt, aber dieser Typ weiß schon, was er sagt; weiß, was er noch zu leisten imstande ist. 

Am Freitagabend, nach einer Woche, in der sich bei Union Berlin fast alles um den neuen Keeper, also um Loris Karius gedreht hatte, stand Kruse jedenfalls beim Heimspiel gegen den FSV Mainz (im Gegensatz zu Karius) zum ersten Mal in der Startelf der Eisernen. Und tatsächlich stand er auch im Mittelpunkt einer Partie, die vor allem wegen der fiebrigen Gastgeber voller Leben, voller Energie war. Die dank der 4400 Zuschauer, die einen Lärm wie 20.000 machten, wieder so etwas wie ein Bundesliga-Feeling vermittelte. Und die letztlich mit dem 1. FC Union auch einen verdienten Sieger hatte. 4:0 hieß es nach 90 Minuten, in denen die Mannschaft von Trainer Urs Fischer den Eindruck vermittelte, dass für sie die Bezeichnung „Abstiegskandidat“ wohl schon bald aus der Liste möglicher Synonyme gestrichen werden darf.

Aber zurück zu Kruse. Zunächst schwirrte er als zentraler Stürmer ein bisschen den doch etwas müden Pässen der Mainzer Abwehrspieler hinterher. Da ein bisschen anlaufen, da ein bisschen stören. Im Endeffekt waren die ersten zehn Minuten für den 14-fachen  Nationalspieler nicht mehr als die Fortsetzung seines Warmlaufprogramms. Dann aber, als sich über die rechte Angriffsseite über Christopher Trimmel, Robert Andrich und Sheraldo Becker plötzlich etwas Gefährliches zu entwickeln schien, war er da. Butterweich flankte Becker in der 13. Minute nach einem klasse Zuspiel von Andrich genau so in den Strafraum, dass der Mainzer Keeper Robin Zentner nicht so recht wusste, ob er auf der Linie bleiben oder doch besser den Abfangjäger geben sollte. Kruse jedenfalls war zur Stelle, als der Ball am zweiten Pfosten geradezu ideal in Kopfstoßhöhe danieder kam. Der Rest war Torabschluss-Routine für Kruse, der seinen ersten Pflichtspieltreffer für den 1. FC Union doch erstaunlich gefasst feierte. Tja, da hat einer noch lange nicht genug vom Toreschießen.

In der Folge zeigten sich noch weitere Qualitäten dieses feinen Fußballers. Immer wieder tauchte er zwischen den Reihen der Gäste als Anspielpartner und Einfädler auf. Immer wieder setzte er mit geschickten Pässen Angriffe seiner Mannschaft fort und verlieh diesen noch mehr Tempo. Das alles, obwohl bei ihm nach einer langwierigen Fußverletzung doch noch immer von einem Trainingsrückstand gesprochen werden darf. So lässt sich der Abschied von Sebastian Andersson verschmerzen, so entwickelt sich dieses Team zu einem Team, wie es Fischer gefällt. Es ist ein Team mit allerlei Optionen.

Es war wieder ein geiles Gefühl, in der Bundesliga zu treffen.

Max Kruse

Nun geht es vielleicht etwas zu weit, ihn auch beim 2:0 der Unioner in den Mittelpunkt der Erzählung zu stellen. Denn die Protagonisten waren in der 49. Minute andere: Nico Schlotterbeck, der mit einem klaren Pass das Spiel von der einen Seite auf die andere verlegte. Der neben Kruse herausragende Trimmel, der nach einem energischen Spurt aus vollem Lauf eine unglaublich feine Flanke schlug. Und natürlich Marcus Ingvartsen, der Trimmels Flanke mit einer bemerkenswerten Ruhe direkt aus der Luft nahm und aus acht Metern an Zentner vorbei ins Netz drückte. Aber Kruse hatte mit seinem Laufweg eben auch die entscheidende Lücke für Ingvartsen in die Mainzer Abwehrreihe gerissen. 

Als Marvin Friedrich in der 63. Minute nach einer Freistoßflanke von Trimmel auch noch das 3:0 erzielte, war die Zeit gekommen, um Kruse weitere Anstrengungen zu ersparen. Für ihn kam Frühherbstzugang Joel Pohjanpalo aufs Feld, Marius Bülter wiederum für Sheraldo Becker, was einen vor Augen führte, wie viel Offensivpotenzial die Eisernen inzwischen in ihrer Offensive haben. Beziehungsweise wie prominent inzwischen die Ersatzbank der Eisernen besetzt ist.

Pohjanpalo, der Finne, dessen Verpflichtung erst am Mittwoch fixiert werden konnte, stellte dann auch sogleich seinen Torinstinkt unter Beweis. Im Kuddelmuddel der Mainzer Abwehr setzte er nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung entschlossen nach, erzielte das 4:0, das an diesem Abend tatsächlich die jeweiligen Leistungen der Mannschaften widerspiegelte. Ach ja, bei aller Lobhudelei im Fall Kruse - die Mainzer kamen nicht zu einer ernsthaften Torchance, was für die Abwehrleistung der Unioner spricht, im Besonderen für die Abwehrdreierkette, bestehend aus Friedrich, Robin Knoche und Nico Schlotterbeck, der sich in der Schlussminute allerdings mit schmerzverzerrtem Gesicht an die hintere Oberschenkelmuskulatur fasste und zu Boden sank. 

„Wir haben sehr guten Fußball gespielt. Wir haben sehr gut in den Positionen gestanden, haben gemacht, was der Trainer gesagt hat, deswegen sind wir sehr zufrieden“, sagte Kruse und gab zu: „Es war wieder ein geiles Gefühl, in der Bundesliga zu treffen.“