Berlin - Am Wochenende tauschten Gegner und Befürworter noch einmal mit Nachdruck ihre Argumente aus – doch im eskalierten Streit um den WM-Zyklus richten sich die Blicke nun gespannt auf den größten Einzelsportverband der Welt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will sich beim Zoff um eine Endrunde im Zwei-Jahres-Rhythmus am Freitag gegen den Weltverband Fifa stellen und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) folgen. „Für mich ist klar, dass der deutsche Fußball sich an der Seite der Uefa und des Uefa-Präsidenten deutlich dagegen aussprechen wird“, sagte Co-Interimspräsident Peter Peters mit Blick auf die Präsidiumssitzung Ende der Woche dem kicker: „Formal muss es aber noch am Freitag beschlossen und besprochen werden.“

Dabei steht der DFB vor einem Dilemma – denn die Unterstützung einer der beiden Seiten wird in jedem Fall Folgen haben. Sollte sich der krisengeplagte Verband, der eigentlich genug mit den eigenen Problemen zu tun hat, tatsächlich auf die ablehnende Seite der Uefa schlagen, könnte es vor allem für Peters ungemütlich im Council des Weltverbands werden.

Experten gehen davon aus, dass sich der DFB gegen die Fifa stellt

Auch sein Kollege Rainer Koch, dem eine große Nähe zu Gianni Infantino nachgesagt wird, würde sich beim Fifa-Präsidenten nicht unbedingt beliebt machen. Dennoch gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sich der DFB seinem Kontinentalverband anschließt und gegen die Fifa-Idee votiert. Die Bild am Sonntag berichtete sogar davon, dass sich der DFB der Boykott-Drohung von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin anschließen will.

Alles andere scheint aus Sinn des Verbandes keinen Sinn zu machen, weil eine WM alle zwei statt wie bisher alle vier Jahre nicht im Interesse des DFB liegen würde. Der Entwertung der finanziell lukrativen EM-Endrunde, dem unausweichlichen Ende der Nations League und dem Verschwinden der Frauen-Endrunden im Schatten der dann jährlich stattfindenden Männer-Turniere kann der DFB nicht tatenlos zusehen.

„Ich würde mir wünschen, dass ein Signal vom DFB kommt: ohne uns. Das können wir uns als DFB auch erlauben“, sagte der frühere deutsche Teamchef Rudi Völler bei Bild-TV: „Das Wichtigste ist, dass die Uefa standhaft bleibt. Dafür ist dieser Verband zu wichtig. Ohne die Uefa geht nichts.“

Schon vor der DFB-Sitzung am Freitag will die Uefa ihre 55 Mitgliedsverbände auf Linie bringen. Bei einer Videokonferenz am Mittwoch, bei der Ceferin wohl noch einmal gegen die Fifa wettern wird, sind laut BamS aus DFB-Sicht Peters, Koch und Interims-Generalsekretärin Heike Ullrich dabei.

Asien und Afrika stehen hinter den Plänen der Fifa

Sollte die Uefa tatsächlich ihre Reihen schließen und den südamerikanischen Verband Conmebol weiter als Verbündeten hinter sich wissen, dürfte die Fifa ihren Plan doch nicht so problemlos umsetzen können wie angenommen. Bis zu der angestrebten Entscheidung am Jahresende wird die Debatte sicher nicht abebben. Das wurde am Wochenende deutlich. Während die Bundesliga-Verantwortlichen wie Jörg Schmadtke im Doppelpass bei Sport1 („Das ist absurd und totaler Quatsch“) ganz im Sinne von „Chefkritiker“ Jürgen Klopp den Fifa-Vorschlag fast geschlossen ablehnten, meldeten sich auch Befürworter. Nach der afrikanischen Konföderation CAF hat sich nun auch die asiatische AFC auf die Seite der FIFA geschlagen.

Teammanager Pep Guardiola vom englischen Meister Manchester City mahnte, dass man „Ideen nicht kriminalisieren“ dürfe. Auch Jürgen Klinsmann warb um Verständnis für die Fifa, deren Vorhaben nur noch eine statt fünf Abstellungsperioden für die Nationalspieler pro Jahr vorsieht. „Der wirkliche Plan hinter allem ist, einen Spielkalender zu entwickeln, der für alle – Spieler, Klubs, Nationalteams – weniger Stress als derzeit bedeutet“, sagte der Ex-Bundestrainer bei ESPN.

In eine ähnliche Richtung ging Klinsmanns Weggefährte Lothar Matthäus. „Wir beschweren uns immer über die Strapazen der Spieler, aber man hätte es kompakter. Man hätte die ganzen Qualifikationsspiele in einen Monat gepackt“, sagte der deutsche Rekordnationalspieler bei Sky: „Die Klub- und Nationaltrainer könnten anders mit ihren Mannschaften trainieren, weil man sie kompakter hat und nicht immer scheibchenweise.“