Touchdown: Donald Trump nutzt den Super Bowl im Miami zwischen den Kansas City Chiefs und den San Francisco 49ers für seinen Wahlkampf.
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New YorkEs ist noch nicht lange her, dass Donald Trump sich um die Reinheit des Sports sorgte. Insbesondere der Football solle unpolitisch bleiben, war vor zwei Jahren aus dem Weißen Haus zu hören, als Sportler wie der Quarterback Colin Kaepernick die Spiele zu politischen Meinungsäußerungen nutzten. Leute wie Kaepernick, der bei der Nationalhymne kniete statt sich zu erheben, gehörten gefeuert, ließ Trump per Twitter wissen und legte sich damit sogar mit den konservativsten Teambesitzern an. Mittlerweile scheint Trump jedoch seine Meinung geändert zu haben, was die Politikfreiheit des Sports angeht. Er selbst besucht gerne wieder öfters Spiele – zuletzt die College Meisterschaft im American Football, bei der er, anders als beim Baseball, stehenden Applaus von der Menge erhielt. Bei dem am kommenden Wochenende in Miami steigenden Super Bowl geht Trump sogar noch weiter. Der Präsident begnügt sich nicht damit, das traditionelle TV-Interview des Regierungschefs vor dem Anpfiff zu geben, das er noch vor zwei Jahren verweigert hatte. Trump hat tief in seine Wahlkampfkasse gegriffen und für zehn Millionen Dollar einen TV-Spot für das Spiel gekauft.

Vom Herausforderer provoziert

Dass ein amtierender Präsident auf der größten Werbebühne der Welt für seine Wiederwahl die Trommel rührt, ist ein Novum. Barack Obama schaltete zwar 2008 auch einen 30-Sekunden-Spot, aber nur in 24 lokalen Märkten. 2016 kauften drei republikanische Kandidaten Werbeminuten, aber ebenfalls nur für bestimmte Staaten, in denen sie Nachholbedarf sahen. Wer allerdings glaubt, der Schachzug sei Teil einer ausgeklügelten Wahlkampf-Strategie des Präsidenten, der liegt falsch. Donald Trump scheint vielmehr einem Impuls zu folgen, provoziert durch seinen politischen Widersacher Michael Bloomberg.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister und Medienunternehmer hat im vergangenen November seine eigene Präsidentschaftskandidatur erklärt. Seitdem fährt er eine Kampagne, die nur ein einziges Ziel hat – Trump zu attackieren. Mit seinen demokratischen Mitbewerbern hält er sich erst gar nicht auf und steigt persönlich auch erst spät in den Wahlkampf ein. Sollte er nicht von seiner Partei nominiert werden, das hat er bereits angekündigt, werde er mit aller Kraft den gewählten Kandidaten unterstützen. Bloomberg hat nur ein Ziel: Trump aus dem Amt zu jagen. Dabei scheut Bloomberg keine Kosten, 200 Millionen hat der Multimilliardär in zwei Monaten bereits ausgegeben. Dabei haben noch nicht einmal die Vorwahlen angefangen.

Trumps Wahlkampfmanager empfehlen dem Präsidenten seither, nicht auf die Angriffe von Bloomberg zu reagieren. Doch Trump kann sich nicht zügeln. Nachdem Bloomberg jüngst in einem Clip Trumps Umgang mit seinen Militärs kritisierte, ließ Trump ein abfälliges Twitter-Gewitter gegen Bloomberg vom Stapel.

So konnte Trump es  nicht auf sich sitzen lassen, dass Bloomberg für mehr als zehn Millionen Dollar eine Werbeminute während des Super Bowl gekauft hat. Trump fühlte sich bemüßigt gleichzuziehen. Von einem anderen New Yorker Unternehmer, der weitaus reicher und erfolgreicher ist als er selbst, ausgestochen zu werden, war für ihn schier unerträglich.

Der Multimilliardär Michael Bloomberg möchte neuer Präsident werden.
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Nun werden die Werbeminuten während des diesjährigen Super-Bowl zum politischen Schlachtfeld. Auf dem Spielfeld bleiben derweil politische Meinungsbekundungen verboten – abgesehen vom hyperpatriotischen Zeremoniell zum Kick-off, inklusive Militärparade und dem Vorbeiflug von Kampfjets. Es ist eine traditionell an den Super Bowl geknüpfte Demonstration militärischer Macht der USA, die in Zeiten der Eskalation im Nahen Osten jedoch eine beängstigende Dimension erhält.

In dem Fernseh-Duell der Milliardäre hat Trump sicher den Vorteil des Interviews, geführt vom Fox-News-Moderator Sean Hannity. Hannity gilt als enger Vertrauter, die beiden telefonieren beinahe täglich. Man sagt, Trumps außenpolitische Entscheidungen richten sich in erster Linie nach Hannitys Kommentaren.

Bloomberg fährt eine rein nationale Kampagne und der effizienteste Weg, ein nationales Publikum zu erreichen, ist es immer noch, in einer Sendung mit hoher Quote Werbung zu schalten.

Ken Goldstein

Dennoch wird Bloombergs Botschaft nicht ungehört bleiben. Im vergangenen Jahr schalteten 98 Millionen Zuschauer den Super Bowl an. In einer fragmentierten Medienlandschaft bleibt es das vielleicht letzte Medienevent, das die gesamte US-Bevölkerung zusammenbringt.  „Bloomberg fährt eine rein nationale Kampagne und der effizienteste Weg, ein nationales Publikum zu erreichen, ist es immer noch, in einer Sendung mit hoher Quote Werbung zu schalten“, sagt Ken Goldstein, Politologe von der University of San Francisco.

Von den übrigen Super-Bowl-Spots ist nicht zu erwarten, dass sie besonders politisch ausfallen. Nachdem die Werbeindustrie vor drei Jahren, kurz nach dem Amtsantritt von Trump, einen Ausflug ins Politische versucht hat, ist das Pendel wieder zurückgeschlagen.

Polizeigewalt im Video

Damals stellten sich Coca Cola, AirBnB und der Bierhersteller Anheuser Bush gegen die Fremdenfeindlichkeit der Trump-Regierung. Doch das Publikum reagierte eher negativ. „Die Leute wollen nicht, dass die Werbung predigt“, sagt Dan Granger, Geschäftsführer der Werbeagentur Oxford Road. Stattdessen bleiben meistens jene Spots hängen, die witzig gemacht sind. Und so konzentrieren sich viele Agenturen in diesem Jahr wieder aufs Unterhalten. Da ist etwa der Porsche-Spot, bei dem der Diebstahl eines Fahrzeugs aus dem Museum in Stuttgart zu einer wilden Verfolgungsjagd der Museumsstücke ausartet. Oder der Remix des Grammy-prämierten Hip-Hop-Stücks „Old Town Road“ von Lil Nas X für Doritos – inszeniert als Mini-Western-Film.

Der einzige explizit politische Spot ist jener der Football Liga NFL selbst. Nach der Auseinandersetzung um die Respektsbezeugungen während der Nationalhymne hat die Liga sich mit Spielervertretern geeinigt, sich ihrer Anliegen anzunehmen. So ist  ein Video zu sehen, in dem Polizeigewalt gegen Schwarze angeprangert und gleichzeitig gezeigt wird, was die NFL dagegen tut.

Vollkommen unpolitisch wird es trotz des Verbots politischer Proteste auch auf dem Spielfeld nicht zugehen. Die San Francisco 49ers gelten als das Team der kalifornischen Parlamentssprecherin Nancy Pelosi. Sie ist die Politikerin, die  das Impeachment-Verfahren gegen Trump leitet. Entsprechend werden tendenziell die Sympathien der Fans verteilt sein. Ganz so klar ist die Trennung zwischen rechts und links  aber nicht. 49ers-Verteidiger Nick Bosa hat sich als Trump-Verehrer geoutet. Coach Kyle Shanahan hat ihn trotzdem aufgestellt, weil er ihn braucht.