Elias und Evans Rapieque: Wenn aus Brüdern Gegner auf dem Spielfeld werden

Die beiden Berliner haben ihre basketballerischen Wurzeln in der Jugend von Alba Berlin. Am Dienstag sind sie mit Alba und dem MBC Gegner in der Bundesliga.

Elias Rapieque und Alba Berlin erwarten am Dienstag den MBC aus Weißenfels. Dort spielt sein großer Bruder Evans.
Elias Rapieque und Alba Berlin erwarten am Dienstag den MBC aus Weißenfels. Dort spielt sein großer Bruder Evans.Imago/Camera4+

Rund um Weihnachten könnte man fast vermuten, dass Evans Rapieque seinen Arbeitsplatz im Sommer 2021 allein wegen dessen geografischer Lage ausgewählt hat. Ein Blick auf die deutsche Basketball-Landkarte verrät: Mit rund 175 Kilometern Luftlinie liegt kein BBL-Klub näher an Rapieques Berliner Heimat als der MBC aus Weißenfels. So konnte der sich zuletzt an Heiligabend nach einem morgendlichen Training entspannt ins Auto setzen und zur familiären Bescherung nach Berlin düsen.

Am Dienstag, den 27. Dezember wird Rapieque schon wieder ebendort zu Besuch sein. Wenn sein MBC bei Alba Berlin zu Gast ist (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof), wird der zuletzt an der Leiste verletzte Flügelspieler zwar wohl gerade so noch nicht wieder auf dem Parkett stehen, mindestens aber auf der Tribüne sitzen. Besonders wird das Spiel für den 20-Jährigen aus zweierlei Gründen: Weil es für den MBC gegen seinen Berliner Jugendverein geht, und weil dort sein kleiner Bruder Elias spielt.

Ausgebildet in der Alba-Jugend haben Elias und Evans Rapieque in den vergangenen zehn Jahren dafür gesorgt, dass sich der Name Rapieque im Berliner Jugend-Basketballer herumgesprochen hat. Mittlerweile sind die Brüder dabei, sich auch auf Bundesliga-Niveau zu etablieren. Sie profitierten und profitieren dabei ganz maßgeblich von geschwisterlichen Motivationsschüben. Wenngleich der Basketball den Brüdern das gemeinsame Zeitverbringen zuletzt immer schwerer machte.

Elias und Evans Rapieque begannen in der Alba-Jugend mit dem Basketball

Aber von vorne: Angefangen hat die Basketball-Geschichte der Familie Rapieque in Berlin-Mitte. Als Söhne einer mongolischen Mutter und eines Vaters aus Mosambik wuchsen Evans und Elias nicht nur unweit des Hackeschen Markts auf, sondern fanden dort auch zum Basketball. „Ich habe in einer Grundschul-AG von Alba angefangen“, erinnert Evans sich und Elias ergänzt: „Evans und ich waren früher immer schon etwas größer, das ist den Alba-Trainern in unserer Grundschule aufgefallen.“ Als erstes rekrutierte Alba den zwei Jahre älteren Evans, lotste ihn vom Fußball zum Basketball und lockte so auch Elias. „Als kleiner Bruder macht man ja alles, was der große Bruder auch macht“, sagt der heute 18-Jährige, „also bin ich irgendwann auch bei Alba zum Training gegangen.“

Die direkten Duelle zwischen den beiden Brüdern hingegen spielten sich anschließend überwiegend außerhalb von Albas Trainingshallen ab. „Früher waren wir oft auf dem Freiplatz im Monbijoupark“, erzählt Evans Rapieque. Ein eigentlich zu enger Platz, damals mit rotem Tartanboden, kleinen Metallbrettern am Korb und abgeschnittenen Dreierlinien an den Seiten. „Bis wir 14, 15 Jahre alt waren, haben wir da sehr viel gegeneinander gespielt, auch im Herbst oder wenn es sehr kalt war“, sagt Elias, ehe er zugibt, „dass Evans früher meistens gewonnen hat.“

Evans Rapieque (l.) spielt seit anderthalb Jahren beim MBC in Weißenfels. Ein Einsatz am Dienstag in seiner Heimat Berlin ist unwahrscheinlich.
Evans Rapieque (l.) spielt seit anderthalb Jahren beim MBC in Weißenfels. Ein Einsatz am Dienstag in seiner Heimat Berlin ist unwahrscheinlich.Imago/Hartmut Bösener

Auch auf dem Parkett in der Halle sorgte Evans als Erster für Furore. Während Elias etwa bis in die U18 warten musste, ehe er erstmals in eine der Jugendnationalmannschaften nominiert wurde, durchlief sein älterer Bruder diese alle. Dazu sorgten gleich zwei Deutsche-U16-Meisterschaften mit Alba bei Evans für das Prädikat eines beachtenswerten Talents und zusätzliche Motivation beim jüngeren Bruder. „Ich war natürlich immer stolz auf Evans“, erzählt Elias, „aber es hat auch genervt, immer als sein kleiner Bruder bekannt zu sein. Das hat mich schon motiviert, zu beweisen, dass ich auch selber spielen kann.“

Gesagt, getan. Vielleicht auch dank der zusätzlichen Motivation hat Elias das, was im US-Sport „Bragging Rights“ genannt wird, sprich das Recht zum Angeben, zumindest temporär auf seine Seite gezogen. Mit einer Doppellizenz für die 2. Bundesliga Pro B ausgestattet, absolvierte er diese Saison bereits sechs Spiele für Alba Berlin – drei davon in der Euroleague. „Gegen Legenden wie Sergio Llull (Real Madrid) oder Kostas Sloukas (Olympiakos Piräus). Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen“, sagt Elias.

Sein Bruder Evans hingegen entschied sich für einen anderen Weg. Auch, weil ihm bei Alba der Sprung in den Bundesliga-Kader verwehrt blieb, wechselte er – ebenfalls mit einer Doppellizenz für die Pro B – zum MBC nach Weißenfels. „Diese zweite Saison sollte die werden, in der ich im Profiteam eine größere Rolle spiele“, sagt Evans, „aber das wurde durch die Verletzung bislang ziemlich durchkreuzt.“ So soll nun das Jahr 2023 von mehr Spielzeit geprägt werden.

Was im Gespräch mit den Brüdern deutlich auffällt, ist, dass keinerlei Neid entsteht, wenn es bei dem jeweils anderen einmal besser läuft. So sagt auch Evans, wenn er über die Euroleague-Einsätze von Elias spricht: „Das sind so Momente, in denen man als Bruder sehr stolz ist.“ Das Ausbleiben von Neid, heißt aber nicht, dass die Erfolge der Geschwister nicht für zusätzliche Motivation sorgen, sich auch selbst noch und schneller weiterzuentwickeln. Die Brüder verfolgen ihre Auftritte gegenseitig eng, schauen sich ihre Spiele an, wann immer es geht, und sprechen allgemein viel über Basketball.

Damit einher ging und geht stets auch Inspiration und Input für das eigene Spiel. „Mein Bruder ist ein bisschen selbstbewusster und ein bisschen ruhiger“, antwortet Evans auf die Frage, was er sich von Elias noch abgucken könne. Der wiederum beneidet seinen älteren Bruder um dessen Athletik und sagt: „Ich würde gerne ab und zu so springen können, wie Evans es kann.“

Längste gemeinsame Zeit im Sommer in Kienbaum bei einem Lehrgang

Dabei sind die Gelegenheiten zum gemeinsamen Spielen mittlerweile rar geworden. Haben Evans und Elias früher bei Alba des Öfteren zusammen trainiert und sogar eine Handvoll Spiele zusammen absolviert, sehen sie sich heute sportlich wie privat ungleich seltener. „Im Moment ist es schwer. Wenn wir nach der Saison vom Verein aus frei haben, sind wir mit den Nationalmannschaften unterwegs“, sagt Evans, ehe er ergänzt: „Die längste Zeit, die wir uns letzten Sommer gesehen haben, war in Kienbaum bei einem Nationalmannschafts-Lehrgang.“

Auch an Weihnachten blieb es dieses Jahr bei einem Kurzbesuch, mehr ließ der Trainingsplan des MBC nicht zu. Umso schöner aus Sicht der Familie Rapieque, dass der beinahe wieder genesene Evans bereits am 30. Dezember seinen Bruder sehen wird. Dann nämlich gastiert der Alba-Kooperationspartner Lok Bernau, für den dann auch Elias Rapieque auflaufen dürfte, beim MBC-Kooperationspartner BSW Sixers in Sandersdorf. Es wäre das erste, aber sicherlich nicht letzte Brüder-Duell im Hause Rapieque.