Herthas Hoffnungsträger vor dem Spiel gegen Wolfsburg heißt Dodi Lukebakio

Nach einer schlechten Leistung in Bochum, soll es bei Hertha zum Ende der Hinrunde vor allem in der Offensive gefährlicher werden. Ein Rückkehrer macht Hoffnung.

Dodi Lukebakio während des Spiels zwischen Hertha BSC gegen SIMA Montverde Academy in den USA.
Dodi Lukebakio während des Spiels zwischen Hertha BSC gegen SIMA Montverde Academy in den USA.Jan-Philipp Burmann/City-Press GmbH

Die kleinen Momente standen sinnbildlich für die schwache Vorstellung von Hertha BSC in Bochum. Die Berliner waren gefühlt nah dran am Anschlusstreffer kurz nach der Halbzeit. Jedoch gerieten sie nach einer eigenen Ecke in einen Konter, Maxi Mittelstädt blockte den Schuss von Philipp Hofmann dann derart unhaltbar für Torhüter Oliver Christensen ab, dass sich die Kugel slapstick-mäßig zum vorentscheidenden 0:3 ins Tor senkte. Mittelstädt – der erst vergangene Woche einen neuen Vertrag unterschrieben hatte – blieb mehrere Sekunden konsterniert liegen. Von der Vorfreude auf den Bundesliga Restart, die in den Tagen zuvor zu spüren war, war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr übrig.

Für Sandro Schwarz dennoch kein Grund, um jetzt alles infrage zu stellen. „Es muss sich keiner Sorgen machen“, sagte der Cheftrainer mit klarer, aber noch leicht heiserer Stimme, „dass wir wissen in welcher Situation wir sind.“ Bei allem Optimismus kommt aber auch er an mehreren Fakten nicht vorbei: Der Berliner Sport Club ist seit der Niederlage vom Sonnabend auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht, steht mit 14 Zählern nach 16 Spielen sogar noch schwächer da als in der Katastrophen-Saison vor einem Jahr. Damals hatten die Berliner vier Zähler mehr auf dem Konto und holten zum Hinrundenabschluss sogar noch einen Sieg gegen Borussia Dortmund.

„Mit klarem Fokus und Zuversicht“ wollen die Herthaner auch dieses Jahr die Hinrunde mit einem Sieg abschließen. Die kampfstarken Leistungen im Olympiastadion gegen Schalke 04 (2:1-Sieg) und den 1. FC Köln (2:0-Sieg) sollen für das morgige Spiel gegen den VfL Wolfsburg als Vorbild dienen. Die mangelhafte Leistung in Bochum und der 6:0-Sieg der Wölfe gegen den diese Saison stark aufspielenden SC Freiburg lässt jedoch bei vielen Fans der Hertha die Alarmglocken läuten. „Aggressivität, hohe Laufbereitschaft und Sprintqualitäten“ attestierte Schwarz dem kommenden Gegner. Alles Aspekte, die den Berlinern in Bochum fehlten.

Jedoch versichert der Hertha-Trainer, wie auch Manager Fredi Bobic, dass „sich keiner Gedanken machen müsse“ Hertha schaue entspannt dem Abstieg entgegen. In der Tat sind in dieser Spielzeit Stimmungslage und Atmosphäre in und um den Verein deutlich besser als es der Tabellenplatz suggerieren könnte. Besonders Neu-Präsident Kay Bernstein und Trainer Sandro Schwarz haben einen großen Anteil an der Aufbruchsstimmung bei Hertha. Die Ergebnisse der Profi-Mannschaft spiegeln diesen Aufbruch bis auf kleine Ausnahmen jedoch nicht wider. Und die kommenden Aufgaben haben es auch in sich.

Nachdem am Dienstagabend (20.30 Uhr) der VfL Wolfsburg im Olympiastadion gastiert, kommt zum Abschluss der Englischen Woche das Stadtderby auf die Hertha zu. Es folgen ein Auswärtsspiel beim derzeitigen Bayern-Jäger Eintracht Frankfurt, eine schwierige Aufgabe zu Hause gegen Mönchengladbach und eine Reise zu Borussia Dortmund. In Anbetracht des Programms in den kommenden Wochen wäre ein Sieg in Bochum enorm wichtig gewesen. Nun fragen sich viele, gegen wen Hertha eigentlich punkten soll.

Zudem bereitet die dürftige Offensive Kopfschmerzen bei Fans und Verein. Zugang Florian Niederlechner wird aufgrund einer Muskelverhärtung auch gegen Wolfsburg nur die Zuschauerrolle einnehmen. Bei optimalem Genesungsverlauf könnte er am Mittwoch oder Donnerstag ins Mannschaftstraining einsteigen und mit etwas Glück auf einen Derby-Auftritt am kommenden Sonnabend hoffen.

Stevan Jovetic wird den abstiegsbedrohten Herthanern länger fehlen. Er habe laut Schwarz „eine muskuläre Geschichte“ und wird für die nächsten zwei bis drei Wochen ausfallen. Auch die schon in Bochum fehlenden Außenspieler Chidera Ejuke und Kelian Nsona stehen nicht zur Verfügung. Sonst aber kann der Trainer aber auf die restlichen Spieler zurückgreifen, wobei „eins bis zwei Positionen noch offen sind“, so Schwarz.

Immerhin dürfen sich die ungefähr 30.000 Zuschauer am Dienstagabend auf die Rückkehr von Herthas bisheriger Lebensversicherung freuen. „Dodi Lukebakio wird sicher spielen“, verriet Schwarz auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel. Vom Belgier, der nicht mit zur Katar-WM genommen wurde, erhoffen sich die Berliner viel. Er ist mit sieben Treffern und zwei Vorlagen der unumstrittene Topscorer der Herthaner.

Dodi Lukebakio beim bisher einzigen Auswärtssieg der Saison in Augsburg.
Dodi Lukebakio beim bisher einzigen Auswärtssieg der Saison in Augsburg.Tom Weller/dpa/Archivbild

Und Lukebakio hat mit dem kommenden Gegner auch noch eine Rechnung offen. Sein Leihgeschäft in die VW-Stadt in der vorherigen Saison ging gründlich in die Hose. In 25 Spielen gelang dem Flügelspieler nur ein mickriger Treffer, das Kapitel Wolfsburg war für den Belgier kein schönes. Pünktlich zum ersten Wiedersehen könnte er sich revanchieren und seinen alten Kollegen zeigen, was er eigentlich draufhat.