Jeff Jendryk, der 23 Jahre alte Berliner Mittelblocker mit der Styling?-Mir-doch-egal-Frisur, ist ein lustiger Kerl. Einer, der sich jetzt in den Play-offs so richtig wohlzufühlen scheint. Nach dem 3:0 (25:21, 25:15, 25:21)-Heimerfolg in der Halbfinalserie gegen die Alpenvolleys Haching am Sonnabend gratulierte ihm Angreifer Kyle Russell mit einer verwirrenden Handschlag-Kombination, die in einem Dab endete. In einer Tanzfigur aus der Hip-Hop-Szene also, „die eigentlich Teenager machen“, sagte Jendryk.

Er war bester Laune. Denn nach zwei Spielen der Best-of-five-Serie steht es nach der Berliner Auswärtsniederlage in Innsbruck zum Auftakt 1:1. Tatsächlich lieferte das Halbfinalspiel in der Schmelinghalle den Berlinern Gründe, die kommenden Aufgaben optimistisch anzugehen.

Weniger Fehler bei den Berlinern

Von Anfang an flutschten bei fast allen die Aufschläge besser als in Spiel eins, wie Moritz Reichert mit seiner Serie belegte, die den Berlinern einen 6:1-Start in das Match bescherte. Überhaupt schafften es die Berliner, ihre Fehlerquote geringer zu halten als zuletzt in Innsbruck.

Reichert war in Angriff und Aufschlag neben Jendryk ein Aktivposten, einer der Energie ins Spiel brachte. Er kam ebenso wie der US-Mittelblocker am Ende auf elf Punkte, wobei Jendryks Erfolgsquote von 73 Prozent überragend war.

Wie eine Fliegenklatsche

Es klappte eigentlich immer, wenn Zuspieler Sergej Grankin die schnelle Mitte wählte, Jendryk hochstieg und den Arm wie eine Fliegenklatsche auf den Ball sausen ließ: Punkt für Berlin. „Wir haben uns heute die mentale Hoheit zurück geholt. Am meisten hat mir die Aggressivität imponiert, dass wir Signale gesendet haben, dass wir gewinnen wollen“, sagte Berlins Manager Kaweh Niroomand.

Der Körper als Tempel

Jendryk, aufgewachsen in Wheaton, Illinois, spielt gerade seine erste Auslandssaison, es sind seine ersten Play-offs. „Wir wussten, dass wir mit Feuer aus der Kabine kommen mussten“, sagte er. Klar, sei es eine anstrengende Zeit, jetzt, wo alle drei Tage ein Spiel stattfindet, das nächste am Mittwoch in Innsbruck (19 Uhr, www.sporttotal.tv). Aber er kenne so eine Beanspruchung von der Nationalmannschaft: „Man muss sich dazwischen gut dehnen, ordentlich essen, sehr viel schlafen. Man muss seinen Körper wie einen Tempel behandeln.“

Außerdem, findet Jendryk, werde es von Spiel zu Spiel einfacher, den gegnerischen Zuspieler zu lesen, zu antizipieren, welchen Pass er spielt. „Sie wissen, was wir tun, aber wir wissen auch, was sie tun, jeder versucht, immer etwas zu verändern“, sagt Jendryk. „Aber es macht mir Spaß, mich in den Gegner hineinzuversetzen, dort einzurasten. Unsere Statistiken werden ja auch immer besser. Und wir haben den Vorteil, dass wir so viele gute Spieler auf der Bank haben, die neue Energie aufs Feld bringen.“

So spaßig wie möglich

So wie im dritten Satz, als die Berliner sich durch eine kontinuierliche Führung der Alpenvolleys nicht aus dem Konzept bringen ließen. Als kurz vor dem Satzende Sebastian Kühner und Russell aufs Feld kamen und der Diagonalangreifer aus den USA die letzten vier Punkte der Partie zum deutlichen Heimsieg beitrug.

„Jeff ist gut im Angriff, gut im Block und er kann gut aufschlagen. Wenn er auf dem Feld Spaß hat, strahlt er eine wahnsinnige Energie aus. Deshalb versuchen wir, es ihm immer so spaßig wie möglich zu machen“, meint Russell.
Für das dritte Halbfinale, sagt Jendryk, müsse das Team jetzt einfach fokussiert, aggressiv und selbstbewusst bleiben.

Ein Ticket für die Eltern

Der Mittelblocker will unbedingt ins Finale. „Wenn wir das schaffen, kann ich vielleicht meine Eltern überzeugen, mich noch mal in Berlin zu besuchen“, sagt der junge Kerl und überlegt kurz: „Nein, wenn wir das schaffen, dann werde ich ihnen ein Flugticket kaufen.“