Robert Andrich vom 1. FC Union und Vedad Ibisevic von Hertha BSC trafen im November 2019 erstmals in der Bundesliga aufeinander.
Foto: Imago Images

BerlinDer Fußball, über den wirklich alle in Deutschland sprechen, war immer eine Sache der anderen. Vor allem eine Sache der Münchner und der Dortmunder, die dank ihrer Erfolge zuletzt immer mehr Anhänger gewonnen haben und inzwischen auch im internationalen Kontext zu den Großklubs zählen. Fußball made in Berlin war hingegen in der öffentlichen Wahrnehmung nur eine Nebensächlichkeit, eine Sache der Lokalhelden, der Stadtteilklubs. Fußball in Berlin war für die große Masse letztlich nur von Interesse, wenn am Ende im Berliner Olympiastadion mal wieder das Pokalfinale gespielt wurde.

Das gilt letztlich auch für den Zeitraum von 2010 bis 2019, als sich einerseits der 1. FC Union immer wieder vergeblich daran versuchte, den Traum vom Aufstieg in die Bundesliga wahr werden zu lassen. Und sich andererseits Hertha BSC immer wieder im selbst verantworteten Chaos verlor, Abstieg in die Zweitklassigkeit inklusive. Es gab also Brüche da wie dort, Zweifel und damit einhergehende Personalwechsel, wenngleich der Weg des 1. FC Union in den vergangenen Jahren doch eher linear, der Weg der Hertha hingegen doch als nicht-linear bezeichnet werden darf.

Im Ausgang dieses Jahrzehnts ist aber da wie dort etwas in Bewegung gekommen. Bei Union durch die Magie des Aufstiegs und durch die dabei gewonnene Gewissheit, dass die Marke 1. FC Union eine schon fast unheimliche, noch zu bündelnde Durchschlagskraft hat. Bei Hertha BSC durch das Engagement von Investor Lars Windhorst, der offenbar wild entschlossen ist, aus den Blau-Weißen eine ganz große Nummer zu machen. Stichwort: „Big City Club“. Wobei die Verpflichtung von Sommermärchenmacher Jürgen Klinsmann als Cheftrainer nur der erste große Impuls gewesen sein dürfte.

Und jetzt soll gebaut werden. In Köpenick im Stadion An der Altern Försterei schon bald ein weiterer Tribünenrang, mit dem die Kapazität der Selfmade-Arena auf 38.000 Zuschauer erweitert wird. In Charlottenburg (oder vielleicht auch an anderer Stelle) in naher Zukunft gar eine ganz neue Heimspielstätte für die Hertha, damit auch hier zwischen Fan und Fußball eine punktbringende Nähe entsteht.

Ja, Deutschland spricht endlich über Fußball made in Berlin.