Die Eisbären Maximiian Franzreb (l.) und Kai Wissmann (r.) lassen sich von Christian Pilz die Besonderheiten der Sportart erklären.
Foto: Louis Wirks

Berlin-Charlottenburg Dass die Eisbären aus Hohenschönhausen nach Westberlin fahren, um bei den Preussen aufs Eis zu gehen, ist selten geworden. Das Berliner Eishockeyderby ist schließlich längst Geschichte. Am Dienstag war es dann aber doch mal wieder soweit, zumindest in Person von  Verteidiger Kai Wissmann und Ersatz-Torwart Maximilian Franzreb. Die beiden bekamen eine kleine Einweisung, wie es beim Para-Eishockey so zugeht. Am Sonntag beginnt im Eisstadion P09 am Glockenturm die B-WM in dieser Sportart.

Entsprechend ist es auch nicht ganz richtig, dass die beiden aufs Eis gegangen sind, sie sind vielmehr durch das Stadion gerutscht, auf den dafür üblichen Schlitten. Und weil Parasportler wie der querschnittsgelähmte Christian Pilz, der die beiden EHC-Profis instruierte, eben nicht ihre Beine bewegen können, sondern vorwärts kommen, indem sie  die zwei 73 Zentimeter langen Schläger, die am unteren Ende mit Spikes bestückt sind, wie Langlaufstöcke ins Eis rammen, braucht es Kraft in den Armen sowie gut trainierte Bauch- und Rückenmuskeln. Dazu ist jeder Spieler festgeschnallt.

„Am Hintern tut’s richtig weh“, sagte EHC-Profi Wissmann hinterher. „Wenn man immer die Balance halten muss, werden andere Muskeln beansprucht als die, die man sonst so gewohnt ist.“ Damit sie nicht ständig auf die Seite kippen, müssen die Para-Eishockeyspieler ihren Schlitten, der auf einer Kufe steht, immer im Gleichgewicht halten. „Was andere in den Beinen haben, haben wir im Rücken“, scherzt Pilz.

Shuttlebus zur Para-WM

Der Dresdner sitzt im Rollstuhl, seitdem er 2011 als 20-Jähriger einen schweren Unfall hatte. 2004 entdeckte er seine Leidenschaft fürs Para-Eishockey, drei Jahre später gehörte er erstmals zur Nationalmannschaft. Die B-WM in Berlin ist der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. „Wir sind schon durch die ganze Welt getourt, aber jetzt findet zum ersten Mal so ein großes Turnier in Deutschland statt.“ Verbunden mit der Hoffnung auf etwas Aufmerksamkeit.

Dass die Eisbären an diesem Sonntag einen Shuttle einrichten, um die Fans nach dem Spiel gegen die Iserlohn Roosters (14 Uhr) aus Friedrichshain nach Charlottenburg zu kutschieren, wo um 19 Uhr das erste Spiel gegen China ansteht, ist eine von verschiedenen Ideen, um die Halle am Glockenturm vollzukriegen. Das ganze Jahr über haben die Nationalspieler im Rahmenprogramm von DEL-Spielen und auch zuletzt beim Deutschland Cup Werbung gemacht für dieses Turnier, an dessen Ende der Aufstieg stehen soll. Wobei Russland als der große Favorit gilt.

Dass die Zuschauer actionreiche 45 Minuten (drei mal 15 Minuten) geboten bekommen, steht fest. Denn was die Spielhärte und die Intensität angeht, steht das Para-Eishockey dem Eishockey in nichts nach. „Du merkst schnell in einem Spiel, ob es dreckig wird“, sagt Pilz. Trashtalk gehört genauso dazu wie Checks.  Wenn die Aluschlitten ineinander rasseln, rummst es gewaltig. Die Ausrüstung ist deshalb fast identisch mit der im Eishockey. Bis auf den größten Unterschied der Fortbewegung ist die Vollmaske Pflicht.  Zum einen, weil die Schüsse mit zirka 100 Stundenkilometern abgefeuert werden. Aber auch, weil die Spikes zu erheblichen Verletzungen führen können. Vor allem leiden aber die Hände durch den Dauereinsatz der Schläger.    Blasen gehören als Dauer-Nebenwirkung beim Para-Eishockey dazu.

Umgerüstete Halle

Damit überhaupt ein solches Turnier stattfinden kann, muss die Eishalle umgerüstet werden. Neben transparenten Banden, die den Spielern, die gerade nicht auf dem Eis sind, Durchblick verschaffen soll, der auch nötig ist, um die Formationen zu wechseln, muss die Eisschicht dicker werden. „Derzeit liegen wir bei etwa 2,5 Zentimetern“, sagt Organisationschef Martin Hyun, der auch schon das olympische Eishockeyturnier in Pyeong-chang verantwortete, „wir müssen aber etwa auf fünf Zentimer kommen.“ Denn nur so können die Spieler barrierefrei vom Eis in die Wechselzone fahren. Sogenanntes synthetisches Eis, also Kunststoffplatten, die Natureis imitieren und ähnlich wie Parkett zu großen Flächen zusammengefügt werden, ermöglichen das reibungslose Fortkommen.  

Nationalspieler Christian Pilz ist jedenfalls angetan von den Bedingungen, die er kurz vor dem Turnierstart in Berlin vorfindet.     Ins Stolpern sollen nur jene kommen, die wie die EHC-Profis neu beim Para-Eishockey sind.