Berlin - Volleyball-Bundesliga? Für die übermächtigen BR Volleys in dieser Saison ein Thema, das sie nicht mehr richtig ernst nehmen, weil sich alle im Team schon auf die Herausforderungen der Champions League vorbereiten? Keineswegs. Den Beweis des Gegenteils lieferte am Sonnabend im Ligaspiel bei den Powervolleys Düren Berlins Zuspielzauberer Sergej Grankin.

Die beiden Teams hatten sich schon in einer aufregenden Partie mit unglaublichen Abwehr- und Rettungsaktionen in die Satzverlängerung getrieben. Düren schlug beim Stand von 30:29 zum Satzball auf. Den Berlinern versprang der Ball auf die andere Seite, also tauchte Grankin, unter dem Netz hindurch, passte aus dem gegnerischen Feld einen hohen Ball, den Diagonalangreifer Benjamin Patch zum Staunen der 1523 Zuschauer in der Dürener Arena zum 30:30 versenkte. Satz eins war damit nicht vorbei. Auf beiden Seiten wählten die Spieler im Service volles Risiko. Ein Ass von Ruben Schott brachte Berlin 34:33 in Front. Aber erst als Dürens Zuspieler Tomas Kocian seine Angabe verschlug und Patch erneut ein Ass zum 37:35 gelang, war Satz eins beendet.

Berlins Trainer Enard lobt phänomenale Abwehraktionen

Natürlich, gab Außenangreifer Schott dann später zu, habe das Team die großen, kommenden Aufgaben im Hinterkopf: „Das war ein weiterer wichtiger Schritt, um uns auf die Champions League vorzubereiten“, sagte der Nationalspieler nach dem 3:0 (37:35, 25:19, 25:21)-Erfolg beim Tabellenzweiten. Berlins Trainer Cedric Enard lobte das sehr hohe Niveau der Partie. Der Franzose zeigte sich besonders beeindruckt von den teils „phänomenalen Abwehraktionen auf beiden Seiten“.

Leicht fiel den BR Volleys der zehnte Sieg in ihrem zehnten Pflichtspiel in dieser Saison nicht. „Die Dürener haben uns das Leben echt schwer gemacht“, sagte Schott. Der 27-Jährige war zwar mit seinen elf Punkten hinter Patch (18 Punkte) und Timothee Carlé (16 Punkte) nur drittbester Angreifer beim Sieger, wurde aber auch aufgrund seiner Annahmequalitäten als wertvollster Spieler des Matches ausgezeichnet.

Die Partie hätte wohl einen anderen Verlauf genommen, wenn die Dürener im ersten Durchgang einen ihrer sieben Satzbälle genutzt hätten. Gerade in dieser Phase erwiesen sich die BR Volleys aber als nervenstark. „Dieser erste Satz war definitiv der Schlüsselmoment. Er hat unserem Gegner Energie genommen“, meinte Enard. „Dieser Satz war wohl der beste, den es in dieser Saison in der Bundesliga gegeben hat“, schwärmte Schott.

Berlin startet am 1. Dezember in die Champions League

„Solche Spiele brauchen wir viel öfter, um uns an das noch höhere Niveau von einigen Mannschaften in der Champions League heranzutasten“, meint Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand. „In Russland zum Beispiel ist ein hohes Niveau Liga-Alltag.“ Zu den drei Gruppengegnern der BR Volleys in der Königsklasse zählt Russlands Meisterschaftszweiter Zenit St. Petersburg.

Bevor die Gruppenphase in der Champions League für die BR Volleys am 1. Dezember mit dem Heimspiel gegen Serbiens Meister Novi Sad beginnt, tritt das Team dreimal auswärts an: in der Bundesliga in Giesen und Lüneburg, dazwischen steht das Pokal-Viertelfinale bei Cupverteidiger United Volleys Frankfurt an.