Berlin -  Der frühe Sonntagabend ist für die Berliner in und um die Max-Schmeling-Halle herum ein Gute-Laune-Tag gewesen. Draußen standen die Menschen bei 21 Grad an den Pankower Eisläden Schlange, wechselten Sommerreifen oder gingen im Park am Falkplatz spazieren. Drinnen hatten die Spieler der BR Volleys ihren Spaß und entschieden die zweite Finalpartie der Best-of-Five-Serie gegen den VfB Friedrichshafen mit 3:0 (25:22, 25:17, 25:23) für sich. Im Gegensatz zu dem hart erkämpften 3:2-Sieg am Bodensee sah es für die Berliner Volleyballer wie eine Art Frühlings-Spaziergang aus.

Sie starteten ja mit dem Bewusstsein des Siegers in die Partie, mit der Erfahrung, einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg verwandelt zu haben. Dem VfB war der Nackenschlag dagegen noch anzumerken. Und das, was in Friedrichshafen die Wende gebracht hatte, setzten die BR Volleys sofort ein: „Wir hatten mehr Selbstvertrauen im Aufschlag“, sagte Diagonalangreifer Benjamin Patch. Er servierte gleich bei seinem ersten Einsatz am Aufschlag ein Ass, insgesamt wurden es drei.

Außerdem spielte Cody Kessel, der Mann, den Trainer Cedric Enard „unseren Energie-Booster“ nennt, in der Startformation, da Außenangreifer Tim Carlé von einer leichten Knieverletzung behindert war. „Cody ist in der Lage, dem Block gegen Linus Weber mehr Höhe zu geben. Außerdem ist es hilfreich für Ben, wenn er nicht allein dafür sorgen muss, der Mannschaft Energie zu bringen. Wenn das jemand zusätzlich macht, kann sich Ben ein bisschen besser auf sich selbst konzentrieren“, erläuterte Enard.

Und da Zuspieler Sergej Grankin von Anfang an die Bälle teils wunderbar, teils spektakulär verteilte, ging Satz eins nach 24 Minuten an die Berliner. In Satz zwei setzte die Mannschaft ihr dominantes Spiel fort. Eine Momentaufnahme Mitte dieses Durchgangs verdeutlicht die Befindlichkeiten der Teams, die sich im Spielverlauf nicht wirklich änderte: Nach einem wunderschönen Schmetterball zum 10:6 stand Berlins Hauptangreifer Patch in der Mitte des Spielfeldes und ließ strahlend und Kaugummi kauend seine Hüften zum Trommelrhythmus kreisen, der aus den Hallenboxen schallte. Kurz darauf scheiterte Friedrichshafens Hauptangreifer Weber am Berliner Dreierblock. Er drehte mit trikotgrauer, versteinerter Miene ab und bekam kurz darauf eine Pause auf der Bank verordnet.

Manager Kaweh Niroomand lobt das gesamte Berliner Team

„Berlin war in Aufschlag und Annahme einfach eine Klasse stärker als wir“, konstatierte Friedrichshafens Trainer Michael Warm. „Uns war ja klar, was da in der Berliner Truppe steckt. Sie hat halt in der Normalrunde nicht das gespielt, was viele von ihr erwartet haben. Aber wir machen uns in Friedrichshafen wieder daran, alles in die Waagschale zu werfen.“ Im dritten Satz führten die Berliner stellenweise mit sieben Punkten. Eder Carbonera demoralisierte David Fiel Rodriguez mit einem Einerblock, danach tat es ihm Kessel nach. VfB-Trainer Warm wechselte den Zuspieler, aber das änderte nichts. 

„Heute war das vom ABC des Volleyballs gut. Wir haben mit unseren guten Aufschlägen verhindert, dass Friedrichshafen schnell spielen kann. Was Grankin heute gestellt hat, war taktisch und technisch Weltklasse“, schwärmte Berlins Manager Kaweh Niroomand. Er lobte die Kampfkraft von Samuel Tuia, den Willen von Kessel und Eder, den Einsatz von Libero Julian Zenger, also eigentlich alle im Team.

Spiel drei folgt am Donnerstag bei VfB Friedrichshafen

Gleichzeitig warnte er: „Friedrichshafen ist eine bärenstarke Mannschaft. Die werden ihre Schlüsse aus den beiden Spielen ziehen und uns sehr fordern am Donnerstag.“ Da findet Spiel drei der Finalserie am Bodensee statt. Und dort haben die BR Volleys schon viel erlebt. „Dass wir jetzt die ersten beiden Spiele gewonnen haben, heißt nichts“, stellte Diagonalangreifer Patch klar. „Wir vergessen nicht, wer Friedrichshafen ist. Man weiß nie, wie das Ding endet. Für uns ist die Arbeit noch längst nicht getan.“