Sergej Grankin fühlt sich bei den Berlin Volley sichtlich wohl.
Foto: Eibner/Imago Images

BerlinZuletzt sind sie auf der Geschäftsstelle der BR Volleys trotz Kurzarbeit und Homeoffice sehr kreativ gewesen. Um nach der unvollendet beendeten Volleyball-Bundesligasaison im Gespräch zu bleiben, haben die Berliner das Abschiedsspiel von Mittelblocker Georg Klein als virtuellen Podcast veranstaltet, und das fünfte Finalspiel von 2012 als Watchparty gefeiert, zu dem sich Ehemalige wie Trainer Mark Lebedew oder auch Angreifer Paul Carroll in Videoclips meldeten. Im sozialen Netzwerk haben die BR Volleys zuletzt auch Filmplakate umgestaltet, eines von Moneyball. Statt des Kopfes von Brad Pitt ist der des russischen Zuspielers Sergej Grankin ins Bild montiert; Filmuntertitel: „Die Kunst zu gewinnen.“

Sergej Grankin spielt schöner als Brad Pitt aussieht. Er machte Berlins Angreifer besser, das Spiel erfolgreicher. Und natürlich hat Volleys-Manager Kaweh Niroomand, der von Corona genesen ist, die Nachricht im Internetportal „World of Volley“ auch gelesen. „Der legendäre russische Zuspieler Sergej Grankin setzt sein Abenteuer beim deutschen Volleyball-Powerhouse Berlin Recycling Volleys fort“, heißt es dort: „Der 35 Jahre alte russische Zuspieler verbringt laut seines Agenten Wladimir Kastornow auch die kommende Saison in Berlin.“

Gerücht: Grankin hat Vertrag vorliegen

Ein Vertrag des deutschen Vereins sei dem Spieler zugeschickt worden, Grankin brauche nur noch zu unterschreiben, das sei wegen der Quarantäne jedoch noch nicht möglich gewesen. Der Olympiasieger von 2012 habe sich trotz einer Reihe von Angeboten aus der russischen Liga erneut für eine Saison in Berlin entschieden, meldet „World of Volley“. Ob das so stimmt? „Kann ich nicht bestätigen“, sagt Niroomand.

Der Manager der BR Volleys mag es nicht, wenn andere Meldungen lancieren, die keine sind, zumindest aktuell noch nicht. Wobei er schon längst, das bestätigt er gern, mit Trainer Cedric Enard „an einem Kader bastelt, der sicher nicht schwächer ist als im letzten Jahr“. Schon im Januar, als niemand ahnen konnte, dass Corona alle Planungen über den Haufen husten würde, entschieden sie, Spieler mit mehr Schlagkraft und Aufschlagsdruck zu holen. Welche, die Lösungen gegen einen hohen Doppelblock finden. Und offenbar war er bei ein, zwei Verpflichtungen schneller als Corona.

Aber zunächst beschäftigen Niroomand andere Probleme. Der Volleyball Bundesliga (VBL) fehlen kommende Saison drei Vereine. Neben dem an der Insolvenz gescheiterten Eltmann und dem Traditionsverein TV Rottenburg beendete der österreichische Manager Hannes Kronthaler das Volleyballprojekt der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching nach der dritten Saison. Und auch wenn Berlins Volleyball-Hauptsponsor Berlin Recycling Niroomand gerade erst versichert hat, weiter zu dem zuletzt sehr erfolgreichen Produkt zu stehen, weiß ja noch niemand wirklich: „Was ist in der nächsten Saison? Sind die Hotels, die Busunternehmen, die Druckereien, die Dienstleister in der Lage, uns weiterhin zu unterstützen? Die Krise wirft uns eher zurück, als dass sie uns nach vorne bringt“, sagt Niroomand.

Ein Ligasponsor fehlt

Nach den Schritten, die die VBL in den vergangenen Jahren nach vorne tippelte, ist der Rückschritt groß. Masterplan und Lizenzierungsverfahren sollten den Fortschritt, der sich zuletzt ja auch in einem Fernsehvertrag mit 60 Livespielen niederschlug, begleiten. Personalien wie ein Teammanager, hauptamtliche Vereinsmitarbeiter, Hallengröße, LED-Bande forderte der Masterplan, die Lizenzgebühren an die Liga stiegen in einen fünfstelligen Bereich. „Warum? Weil man damit ein professionelles Paket schnüren wollte, um ein Produkt zu verkaufen“, sagt Niroomand. „Die Vereine waren in erster Linie für die Finanzierung verantwortlich.“

Etliche hätten es auch vor der Coronakrise nicht geschafft, ihre Etats substanziell zu verbessern, sie auf 850 000 Euro oder eine Million zu schrauben. Aber: „In der Krise fehlt nun der Baustein, der von der VBL schon seit Jahren hätte kommen müssen: ein Ligasponsor. Da kann sich die VBL nicht aus der Verantwortung stehlen. Die Wirtschaftskraft der Vereine wird sich nicht verbessern“, sagt Niroomand. Die Attraktivität der Liga auch nicht.

Es wundert mich sehr, aber die Italiener bieten, als gäbe es kein Morgen, die schließen Wahnsinnsverträge ab, die Gehälter gehen in die Höhe. Ob das alles eingehalten wird, weiß niemand."

Kaweh Niroomand

Daher richtet sich der Anspruch der BR Volleys, die als Supercup-Gewinner und Pokalsieger Mitte März ihre Spieler ungeschlagen nach Hause schicken mussten, noch mehr als bisher nach der Champions League. Doch international ist der Druck gestiegen. In Russland, Polen und Italien floriert der Spielermarkt trotz Corona. „Es wundert mich sehr, aber die Italiener bieten, als gäbe es kein Morgen, die schließen Wahnsinnsverträge ab, die Gehälter gehen in die Höhe. Ob das alles eingehalten wird, weiß niemand“, meint Niroomand. Nirgendwo ist eine solide kaufmännische Planung möglich. „Es ist ein bisschen Harakiri, was wir da machen“, sagt Niroomand.

Die Chance, dass Grankin kommende Saison mit seiner Zauberhand Berlins Fans begeistert, ist trotzdem hoch. Laut der russischen Onlinezeitung Sport Business sagte sein Agent Kastornow, trotz anderer Angebote habe sich Sergej für den deutschen Verein entschieden, „weil er die Einstellung des Vereinsmanagements, der Trainer und der Fans mag. In Deutschland hat er große Freude am Volleyball, was sich an der Qualität seines Spiels zeigt.“ Hört sich so an, als könnte Niroomand doch bald Grankins Verbleib in Berlin bestätigen.