Berlin/Friedrichshafen -  Als der letzte Angriff des VfB Friedrichshafen weit, weit ins Aus geflogen war, sprang Benjamin Patch in der hintersten Ecke des Berliner Feldes beinahe so hoch wie sonst bei seinen Schmetterangriffen am Netz. Der Volleyballer hüpfte und strahlte und tauchte dann unter im Kreis der anderen hüpfenden Volleyballer in schwarz-weiß, die sich drückten und johlten. 3:0 (25:21, 25:18, 25:21) hatten die BR Volleys am Bodensee gewonnen. Es war gleichzeitig das 3:0 in der Finalserie, der neunte Satzgewinn hintereinander gegen den großen Rivalen aus Friedrichshafen - die fünfte deutsche Meisterschaft für Berlin in Folge.   

Sie hatten den Titel am Ende beinahe ein bisschen zu einfach ergattert nach dieser schwierigen, von Verletzungen durchsetzten, ruckeligen Saison. Es war für die Berliner aber auch eine besondere Art von Balsam, nach dem was ihnen voriges Jahr, ganz zu Beginn der der Corona-Pandemie passiert war. Die Liga hatte sich zum Entsetzen der BR Volleys zwei Spiele vor Ende der Normalrunde für einen schnellen Saisonabbruch entschieden, keinen Meister gekürt - national waren die Berliner damals ungeschlagen. Außenangreifer Cody Kessel, noch ein bisschen außer Atem, sagte am Donnerstagabend: „Es ist einmalig. Im letzten Jahr waren wir auf dem Weg den Titel zu gewinnen, heute haben wir ihn bekommen.“

Aufschlagserie von Benjamin Patch entscheidet den ersten Satz

Er trug das Meister-T-Shirt. Darauf konnte man lesen, wer die BR Volleys sind: Eine Mannschaft, zusammengestellt aus den besten Volleyballern verschiedener Nationen. Ein Team, das in den Playoffs zu einem Spitzenteam zusammengewachsen ist. Champions steht auf dem T-Shirt. Für die vier Franzosen im Team: Pierre Pujol, Tim Carlé und Samuel Tuia, der den Satzball im ersten Durchgang brachial verwandelte und für Trainer Cedric Enard, der sich während der Saison oft grämte, dass die Mannschaft ihr Potenzial nicht ausschöpfen konnte.

Außerdem steht Champions dort für US-Nationalspieler Patch, der in der Finalserie überragend aufspielte und am Donnerstag den ersten Satz mit einer fulminanten Aufschlagserie drehte. Als er zum Service antrat, lag Berlin 15:17 zurück. Als er die Aufschlaglinie verließ, führte Berlin 23:18. Die Moral des VfB war gebrochen.

Campeões steht auf dem Shirt - für die drei Brasilianer im Team: Renan Michelucci, Davy Moraes und Eder Carbonera, der erst in den Play-offs zu seiner Bestfrom fand. Tschempioni - für den russischen Regisseur und Zuspieler Sergej Grankin, der noch immer ein Gewinn für die Liga ist, auch am Donnerstag die Bälle wieder perfekt verteilte und im zweiten Satz aus purer Lust einen Schmetterball zum 19:13 übers Netz drosch.

Mistrzowie steht da - für den polnischen Libero Adam Kowalski, der immer einsprang, wenn man ihn brauchte. Campioni für Lucio Oro, den italienisch-brasilianischen Assistenztrainer, den manchmal die Emotionen packen. Ghahremanan - für Robin Baghdady, den Deutsch-Iraner im Außenangriff, der den Großteil der Saison verletzt fehlte, sein riesiges Talent aber andeutete und am Donnerstag den vorletzten Punkt zum Matchball beisteuerte.

Natürlich steht auf dem T-Shirt auch Deutscher Meister für Libero Julian Zenger, der viele wichtige Annahme- und Abwehraktionen lieferte, für den spät in der Saison gekommenen Außenangreifer Denis Kaliberda und für Anton Brehme, der eine grandiose Entwicklung hingelegt hat. „Es fühlt sich einfach megagut an, mit 21 deutscher Meister zu sein. Ich bin megahappy“, sagte der blonde Mittelblocker.

BR Volleys holen Titel Nummer elf nach Berlin

„Dass die Mannschaft Qualität hat, wussten wir. Am Ende solche Spiele zu schaukeln wie im Halbfinale gegen Düren, ist der Tatsache geschuldet, dass wir sehr erfahrene Leute auf dem Feld haben, die sich am Ende miteinander sehr gut verständigt haben und ihre Stärken ausspielen konnten“, resümierte Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Er hatte, ähnlich wie Trainer Enard, während der schwierigen Saison mit dem Aus im Pokal gegen die Netzhoppers, den Niederlagen gegen Bühl, Frankfurt oder Friedrichshafen in der Hauptrunde oft den Kopf geschüttelt und festgestellt, dass die Verletzungsmisere, von der eigentlich alle Spieler zu irgendeinem Zeitpunkt betroffen waren, bessere Leistungen in Liga und Champions League verhindert hatte.

Zum Play-off-Finale sagte Niroomand: „Das Spiel letzten Donnerstag in Friedrichshafen nach zwei desaströsen Sätzen in einen 3:2-Sieg umzudrehen, war die Grundlage für alles, was danach passiert ist. Deutscher Meister zu sein, ist einfach überragend. Es ist unser elfter Titel. Viele Spieler, die dieses Jahr dabei sind, waren auch letztes Jahr bei uns. Letztes Jahr wären wir unangefochten Meister geworden. Es ist schön, dass sie jetzt wenigstens dieses Jahr den Titel mitnehmen.“