Cedric Enard nimmt nach Spielen meist das Statistikblatt in die Hand oder studiert kurz das, was ihm der Laptopbildschirm zeigt. Er analysiert die Spiele seiner BR Volleys fast immer nüchtern und sachlich. Am Mittwochabend, nach dem 3:0 (25:18, 25:17, 25:22) gegen die United Volleys Frankfurt im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft wich der 46-jährige Franzose aber davon ab. Der Trainer geriet ins Schwärmen. „Das war Volleyball. Das ist es, was man in den Play-offs braucht“, sagte Enard über den Auftritt seiner Mannschaft. Nur 73 Minuten hatten die Volleys für den Sieg gebraucht.

BR Volleys fehlt noch ein Sieg fürs Finale

In der Serie Best of Five liegen die BR Volleys nun mit 2:1 vorn. Im vierten Spiel am Sonnabend in Frankfurt (19 Uhr, twitch.tv/spontent) können sie mit einem weiteren Erfolg vorzeitig ins Finale einziehen. Sollte eine fünfte und alles entscheidende Partie notwendig werden, würde diese am Mittwoch kommender Woche wieder in Berlin steigen. Im Endspiel wartet, na, wer wohl? Genau: der VfB Friedrichshafen. Die Mannschaft des früheren Berliner Trainers Mark Lebedew setzte sich am Mittwochabend im zweiten Halbfinale mit drei hart erkämpften Siegen gegen Düren durch.

Die BR Volleys hatten für ihren dürftigen Auftritt vier Tage zuvor bei der 2:3-Niederlage in Frankfurt heftige Kritik einstecken müssen. Am Mittwoch rehabilitierten sie sich eindrucksvoll. „Zwei Sätze lang waren wir nahezu in allen Elementen gut, und diesmal haben wir auch im dritten Satz die Kontrolle behalten“, sagte Enard.

Vor allem der Berliner Block stellte die Frankfurter vor große Probleme. Selbst Sergej Grankin, sonst als Zuspieler der Wegbereiter für erfolgreiche Angriffe, steuerte drei Blockpunkte zum Sieg bei. Und Diagonalangreifer Benjamin Patch sprühte vor Spiellaune. Dem US-Amerikaner gelangen 18 Punkte. Im zweiten Halbfinalspiel in Frankfurt war der 2,05-Meter-Hüne noch wegen mäßiger Leistungen nach zwei Sätzen ausgewechselt worden.

„Diesmal haben wir unser wahres Gesicht gezeigt“, sagte Berlins Außen-Annahmespieler Ruben Schott. In Frankfurt folgt nun am Sonnabend das insgesamt neunte Aufeinandertreffen beider Teams in dieser Saison. Sieben der bisherigen acht Spiele in drei Wettbewerben (Bundesliga, Pokal, Supercup) haben die BR Volleys für sich entschieden, das Satzverhältnis lautet 23:6. Doch solche Bilanzen beeindrucken Trainer Cedric Enard überhaupt nicht. Er sagt: „Das bringt uns wenig, wenn wir unsere Leistung aus dem letzten Spiel jetzt nicht bestätigen können.“