Berlin - Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und so machte sich BR Volleys-Assistenztrainer Lucio Oro nach dem 3:0 (25:20, 25:22, 25:22) gegen die SVG Lüneburg am Sonnabend über eine Szene lustig, die nicht nur im Publikum manchen schockte, sondern in der auch Manager Kaweh Niroomand kurz das Herz in die Hose gerutscht war.

Oro sprang auf, schrie in hoher Tonlage „Oah, oah“, während er ein paar Galoppsprünge auf dem Parkett der Max-Schmeling-Halle vollführte. Benjamin Patch lachte über die Darbietung. Dabei hatte Oro einen Moment voller Schmerzen nachgespielt, seiner Schmerzen: Beim ersten Ballwechsel des dritten Satzes hatte Patch sich bei einer Aktion am Netz den Daumen ausgerenkt.

Patchs Daumen sind aus wie ein S

„Ich habe noch nie gesehen, dass mein Finger wie ein großes S aussieht“, schilderte der Volleys-Angreifer. Was für ein Schreck. Neben dem Feld sank Patch auf den Boden. Teamarzt Oliver Miltner eilte zu ihm. „Er hat den Daumen herausgezogen und wieder zurückgedrückt“, sagte Patch. „Zum Glück war es nur das obere Gelenk“, ergänzte Manager Niroomand.

Der Ausfall ihres Hauptangreifers brachte die BR Volleys kurz aus der Balance und Marek Sotola in Wallung. Der junge Tscheche, seit Saisonbeginn in Berlin, um auf der Diagonalposition einzuspringen, falls Patch mal in Schwierigkeiten steckt, musste nun gleich im zweiten Bundesligaspiel ran. Die Nervosität war dem 21-Jährigen anzumerken, sie war seinem Gesicht anzusehen.

Lüneburg nutzte den Moment und zog auf 10:7 davon. Doch dann kam Ruben Schott an den Aufschlag und legte eine eindrucksvolle Serie inklusive dreier Asse hin. Nicht mal von zwei Lüneburger Auszeiten in dieser Phase ließ er sich aus dem Konzept bringen, er brachte Berlin 14:11 in Front. Sotola tat sich im Angriff schwer, er schlug gut auf, blockte den Lüneburger mit seiner Länge von 2,08 Metern Körpergröße ein paar wichtige Bälle weg. „Ich habe ihm nach dem Spiel gesagt, er soll sich keine Sorgen machen“, sagte Manager Niroomand. „Das erste Mal neben Sergej Grankin vor so einer Kulisse aufzutreten, ist für jeden aufregend. Sotola ist ein richtig guter, talentierter Junge.“

Beim Stand von 22:21 für die Berliner drängte Patch wieder aufs Feld. Die knapp 1653 Zuschauer jubelten, als der US-Amerikaner mit Tape um den Daumen wieder eingewechselt wurde, wenig später hatten die BR Volleys auch ihre zweite Ligapartie ohne Satzverlust gewonnen. „Das Spiel hatte über lange Phasen ein richtig gutes Niveau. Im Vergleich zum Mittwochspiel gegen Giesen war es eine deutliche Verbesserung“, stellte Manger Niroomand fest. Den nächsten Schritt in der Saisonentwicklung wollen die Berliner am Sonnabend auswärts beim Klassiker gegen den VfB Friedrichshafen tun.