Berlin - Das Eiskunstlaufen hat sich entwickelt. Vierfachsprünge sind wichtiger geworden, besonders im Einzel der Männer, aber auch bei den Frauen. Der Berliner Eiskunstläufer Paul Fentz ist kein variabler Vierfachspringer. Perspektive im Leistungssport? Sah die Deutsche Eislauf-Union (DEU) für ihn schon vor zwei Jahren nicht mehr. Damals verlor der EM-Achte von 2020 seine Stelle in der Sportförderkompanie. Im Oktober vorigen Jahres wurden ihm Kaderförderung und Sporthilfe gestrichen. Fentz meldete sich arbeitslos.

Aufgeben? Ist für ihn keine Option. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“, lautet seine Devise, auch wenn ihm immer wieder ins Kreuz getreten werde. Fentz ist 29 Jahre alt. Voriges Jahr machten ihm Verletzungen zu schaffen: die Adduktoren waren gezerrt, Hüfte und Schambein entzündet. Im September verpasste Fentz bei der Nebelhorn Trophy dann die Qualifikation für Olympia in Peking. Erstmals seit zwanzig Jahren hat die DEU im Februar also keinen Einzelläufer bei Winterspielen am Start.

Fentz springt nur den Toeloop vierfach; den einfachsten der Sprünge. Der Kalifornier Nathan Chen, der voriges Jahr zum dritten Mal Weltmeister wurde, zeigte bei seiner Kür den Lutz, den Salchow, den Flip und den Toeloop gleich zweimal vierfach. Drei dieser Sprünge waren Kombinationen. Weltweit arbeitet man am Vierfach-Axel. Von all dem ist Fentz Welten entfernt. Dennoch wird er in Peking einen Auftritt im olympischen Teamwettbewerb haben. Dennoch hat sich der Athlet des SC Berlin für die EM in Tallin qualifiziert. In Estland vertritt er ab Mittwoch die DEU, ebenso wie Nikita Starostin, 19, aus Dortmund.

Denn im Dezember wurde Fentz zum vierten Mal deutscher Meister. „Mich wird man erst los, wenn man mir eine einstweilige Verfügung in den Eishallen zustellt“, sagte er all denjenigen, die ihm längst das Karriereende empfahlen. Wobei Fentz immerhin festgestellt hat, dass er im Vergleich zum achten EM-Platz vor zwei Jahren nicht weniger könne, „aber zu meinem Bedauern auch nicht mehr“.