Elegant, sehr ausdrucksstark und konzentriert sind sie gewesen bei der EM im Januar in Minsk. Sie liefen in schwarz-roten Kostümen mit Spitzenverzierung und blitzenden Glitzersteinchen ihre Kür zu „House of the rising sun“, Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert aus Berlin rissen mit ihren Darbietungen mit, auch diesmal wieder. Sie strahlten, als sie schließlich vom Eis kamen und auf die Wertung warteten: Zwei gute Programme brachten ihnen den sechsten Platz.

Kurz darauf gewannen sie auch noch den Challenge Cup in Den Haag, mit 185 Punkten und ihrer persönlichen Bestleistung in dieser Saison. Es passt vieles zusammen derzeit für das Paar vom Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen. Seit Minsk wird es sogar als „Lichtblick“ des deutschen Eiskunstlaufs bezeichnet.

Comeback der Berliner Paares

Die Geschichte der 19 Jahre alten Minervea Hase und des 26-jährigen Nolan Seegert ist die Geschichte eines erfolgreichen Comebacks. Die vergangene Saison mussten sie wegen einer Rückenverletzung von Hase vorzeitig beenden. Jetzt treten sie bei der Weltmeisterschaft an. Am Sonnabend machten sich Hase und Seegert auf den Weg nach Saitama, Japan. An diesem Montag beginnt das offizielle Wettkampftraining, am Mittwoch startet der Wettbewerb mit dem Kurzprogramm der Paare.

Ära nach Savchenko/Massot

Bisher schaute die Öffentlichkeit vor allem auf Aljona Savchenko und Bruno Massot. Doch die Olympiasieger bestreiten vorerst keine Wettkämpfe mehr. Weil Hase und Seegert nun international die besten Ergebnisse für das deutsche Team liefern, rücken sie ins Blickfeld. „Wir haben intensiv an uns gearbeitet und große Fortschritte gemacht“, sagt Hase über ihre läuferischen und technischen Leistungen.

Die beiden bilden seit viereinhalb Jahren ein Eiskunstlaufpaar; Hase war zunächst eine Saison lang parallel auch Einzelläuferin. Bald stellten sie fest, dass sie gut zusammenpassen. Minni, wie Hase von Freunden genannt wird, ist meist fröhlich und hat eine sehr positive Ausstrahlung, die mitreißt. Seegert ist ruhig und zurückhaltend. Da er zu alt für die Junioren war, startete das Paar von Beginn an in der Meisterklasse.

Selbstbewusster geworden

Zu den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea haben sie es zwar noch nicht geschafft, doch Hase findet, dass sie seit der vergangenen Saison deutlich selbstbewusster geworden seien. Das zeigt sich auch in der Sicherheit ihrer Elemente. „Der dreifache Wurfsalchow und das Vorwärts-Lasso gelingen uns eigentlich immer“, sagt sie.

Mit der Berliner Trainerin Romy Oesterreich und dem russischen Trainer Dimitri Savine haben sie seit Januar weiter konzentriert an ihrer Technik gearbeitet und mit dem belgischen Choreographen Mark Pillay ihre Programme nochmals verfeinert. „Wir haben die Zeit gut genutzt und sind jetzt bereit, unseren letzten Wettkampf der Saison zu bestreiten.“
Hase und Seegert wollen bei der WM erneut zwei gute Programme abliefern.

Sie möchten so vor allem die zwei deutsche Startplätze bei den Paaren für die nächsten Weltmeisterschaften sichern. Das gelingt, wenn ihr Ergebnis, addiert mit dem des zweiten deutschen Paares, Annika Hocke und Ruben Blommaert, mindestens Rang 28 ergibt. Daher möchten die beiden Berliner Paare bei der WM als Team auftreten. Sie freuen sich über die Erfolge der anderen, auch wenn das eigene Ergebnis für sie am meisten zählt.

Sushi essen bei der WM in Japan

Zufrieden mit sich selbst ist Hase, wenn nicht nur die sichersten Elemente funktionieren, sondern auch das für sie derzeit riskanteste, der dreifache Wurfrittberger, der etwa in der Mitte der Kür liegt. Aber die beiden sind zuversichtlich und voller Vorfreude: „Die Stimmung bei so großen Wettkämpfen ist immer ganz besonders. Sowohl unter den Teilnehmern, als auch im Publikum.“

In Japan zumal, wo Eiskunstlauf viel bekannter ist als hierzulande. Hase und Seegert wollen die Zeit der WM denn auch genießen. Auf dem Eis, aber ebenso abseits der Arena. „Ich würde mir gerne eine Tempelanlage anschauen und leckeres Sushi essen gehen“, sagt Hase, die in solchen Momenten vielleicht mal vom Abiturstress abschalten kann – die Prüfungen stehen für sie an.

Olympia 2022 im Blick

Sportlich gesehen soll Japan eine Zwischenstation auf dem Weg nach China sein. An den Olympischen Spielen 2022 in Peking wollen sie teilnehmen und bis dahin ihre Platzierung bei jeder WM verbessern.
Neben Minerva Hase, Nolan Seegert, Ruben Blommaert und Annika Hocke ist ein weiterer Berliner bei der WM im Einsatz.

Einzelläufer Paul Fentz hat erst vor kurzem das Okay für einen WM-Start erhalten. Er hatte wegen einer Fußverletzung eine längere Trainingspause einlegen müssen. Nolan Seegert und Minerva Hase wissen, wie wichtig es ist, Verletzungen vollständig auszukurieren. Nach einer langen Phase mit vielen Übungen für Hases Rücken ist das Eiskunstlaufpaar nun zurück. Und es ist stärker denn je.