In den Berliner Amateurligen unterhalb der Berlinliga wird der Ball am Wochenende ruhen.
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BerlinSchlechte Nachrichten für den Berliner Amateurfußball: Der erste Spieltag in den Ligen unterhalb der Berlinliga, der eigentlich am kommenden Wochenende stattfinden sollte, wurde abgesagt. Diese Entscheidung begründet der Berliner Fußball-Verband mit dem kurzfristig erhaltenen Rahmen-Hygienekonzept für ungedeckte Sportanlagen der Berliner Stadtbezirke. Dieses Konzept bringe riesige organisatorische Herausforderungen für die Berliner Fußballvereine mit sich, die innerhalb weniger Tage zwischen dem BFV und den Behörden nicht gelöst werden konnten.

Diese Nachricht mag viele Fußballer in der Stadt überrascht haben, am Nachmittag brach die Homepage des Berliner Fußballverbandes zusammen. Allerdings soll intern längst bekannt gewesen sein, dass diese Probleme existieren.  Bereits zu Monatsbeginn gab es Hinweise darauf, dass unter den gegebenen Rahmenbedingungen keine Rückkehr zum Normalbetrieb möglich ist. 

Betroffener spricht von Informations-Super-GAU

Gerd Thomas, 1. Vorsitzender des FC Internationale, spricht von einem Informations-Super-GAU. „Die Leute laufen jetzt natürlich Sturm, es gibt großes Kopfschütteln überall.“ Einmal mehr zeige sich, dass der Sport in dieser Stadt keine Lobby hat. Zumal das für den FC Internationale zuständige Amt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht einmal auf den Verein mit dem Wunsch nach einem Hygienekonzept zugekommen sei. „Ich wurde nur gefragt, wie groß denn unsere Dusche ist, was natürlich den Verdacht nährt, dass die Zuständigen ihre jeweiligen Sportanlagen gar nicht kennen.“

Aus seiner Sicht hätte es viele Möglichkeiten gegeben, den Auftakt der neuen Saison so durchzuführen, dass trotz aller Hygiene- und Abstandsregeln zumindest Fußball hätte gespielt werden dürfen. „Es wäre ja zum Beispiel möglich gewesen, mit Spielen ohne Zuschauer zu beginnen“, sagt Thomas. Auch wäre es denkbar gewesen, auf das anschließende Duschen zu verzichten, auch wenn sich das auf den meisten Anlagen nicht als Problem herausstellen sollte.

Zudem stellen sich viele die Frage, weshalb die unterklassigen Ligen nicht antreten dürfen, während die Berlinliga am vergangenen Wochenende ihr Comeback feierte. „Viele fragen sich grad: Atmen die eine andere Luft als wir?“, fragt Thomas rhetorisch. Aus dem Umfeld des Verbandes heißt es: „Wenn die Saison nicht am vergangenen Wochenende begonnen hätte, wären sie genauso betroffen.“ Eine schlüssige Erklärung klingt anders.

Laut Pressemitteilung des Berliner Fußballverbandes ist der Saisonstart für den 5./6. September geplant. Wenn auch die Jugendteams wieder loslegen sollen. Während sich bei der Kabinenfrage vermutlich Lösungen finden lassen, ist ein anderes Problem deutlich weitreichender. Denn nach Angaben des BFV gehen die Behörden aktuell davon aus, dass am Wochenende (Sonnabend/Sonntag) nur zwei Spiele pro Spielfeld möglich sind (10 Uhr, 14 Uhr). Damit wäre ein geregelter Amateur-Spielbetrieb in Berlin nicht möglich.