Am Tag nach dem Ausscheiden im Berliner Landespokal war Uwe Lehmann, der Trainer von Lichtenberg 47, schon wieder gefasst. 0:3 hatte seine Mannschaft beim Liga-Konkurrenten Viktoria 89 verloren. „Das Aus im Pokal ist bitter, aber Viktoria war die bessere Mannschaft. Auch wir hatten unsere Chancen auf einem tollen Platz im Stadion Lichterfelde“, sagte der 37-Jährige, der bereits in der siebten Saison Coach der Lichtenberger ist. In den ersten beiden Pokal-Runden hatte Lichtenberg Blau-Weiß Spandau (7:0) und den SV Empor (1:0) bezwungen.

Lichtenberg 47 gegen Viktoria, das ist ein Duell, das für Brisanz sorgt. Das zwei unterschiedliche Konzepte aufeinandertreffen lässt. Das zu einem Dauerbrenner zu werden scheint. Bereits am kommenden Sonnabend begegnen sich beide Mannschaften wieder, dann in der Regionalliga und im Lichtenberger Hans-Zoschke-Stadion.

Im Pokal war das Duell am Freitagabend bereits die dritte Begegnung binnen dreier Jahre. 2016 gewann Viktoria bei den Lichtenbergern 3:1 nach Verlängerung. Ebenfalls im „Zoschke“ setzten sich 2017 die Gastgeber 7:6 in einem Elfmeterschießen durch. Damals stieg 47-Keeper Niklas Wollert zum Helden auf, weil er den entscheidenden Strafstoß von Viktorias Kapitän Ümit Ergirdi pariert und in der regulären Spielzeit einen Elfmeter des gleichen Schützen gehalten hatte.

Ein ungemütlicher Abend

Am Freitagabend aber fehlte Torhüter Wollert im Kasten der Lichtenberger, obwohl ihm sein Trainer bislang „eine herausragende Saison in der Regionalliga“ bescheinigt. Lehmann: „Im Pokal wechseln wir die Keeper und geben einem anderen die Chance, sich zu zeigen.“

So erlebte Fritz Pflug im Tor einen eher ungemütlichen Abend: Rafael Brand nach einem Solo (42.), Tino Schmidt (50.) per Kopfball und Tobias Gunte (88.) wieder per Kopf trafen für den Titelverteidiger. Sechs Minuten vor Schluss im Duell gegen Lichtenberg hätte noch einmal Spannung aufkommen können, aber Philip Einsiedel von 47 scheiterte mit einem Elfmeter an Viktorias starkem Keeper Stephan Flauder. Bitter für die Gäste, dass sich Thomas Brechler (Schulter) und Jonas Schmidt (Knöchel) verletzten.

Trainer Lehmann hofft, dass beide Kicker bis zum Wiedersehen mit Viktoria am Sonnabend wieder einsatzfähig sind. Beim Aufeinandertreffen am Freitagabend zeigte sich erneut die im Moment größte Schwäche des Neulings in der Regionalliga: der Torabschluss! Mit lediglich neun Treffern in den bisherigen elf Partien ist 47 das zweitschwächste Team in der Offensive nach Optik Rathenow (8 Tore). Dennoch ist die Punkteausbeute für den Aufsteiger mit zwölf Zählern beachtlich. Drei Siege, drei Unentschieden, fünf Niederlagen stehen zu Buche.

Denn im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen in der Regionalliga Nordost, die unter profihaften Bedingungen arbeiten, schicken Trainer Lehmann und Manager Benjamin Plötz Freizeitfußballer auf den Rasen. Die Lichtenberger gehen einem Beruf nach oder studieren. „Wir trainieren wie einst in der Oberliga viermal die Woche immer am Abend“, sagt Lehmann. Die Siege gegen die Favoriten Berliner AK (1:0) oder Wacker Nordhausen (5:1) sind beinahe sensationell zu nennen.

Suche nach Verstärkung

Nach den Plätzen fünf, drei und nochmal drei in den zurückliegenden Jahren in der Oberliga schaffte 47 im Mai endlich den Aufstieg in die Regionalliga, hat dort das Ziel „Klassenerhalt“ ausgerufen. Die verschworene Gemeinschaft, die meist einen gepflegten Fußball spielt, ist „punktetechnisch voll im Rahmen“, urteilt der Trainer. Aufgrund der gezeigten Leistungen hätten es aber vielleicht sogar sechs Punkte mehr sein können, findet Lehmann, der zum „Berliner Amateurtrainer der Saison 2018/19“ gewählt worden war. Doch auch Lehmann klagt: „Wir erarbeiten uns schon viele Chancen, aber wir machen sie nicht rein.“ Des Trainers Schlussfolgerung: „Uns fehlt vorne im Angriff ein Eisvogel.“ Deshalb wird nun Sportchef Benjamin Plötz auf dem Transfermarkt tätig werden. „Wir werden uns verstärken“, kündigt Lehmann an, „drei, vier Positionen werden wir umstrukturieren.“ Man kann davon ausgehen, dass vor allem die Offensivkraft erhöht werden soll.

Lichtenberg 47 hat sich gut eingelebt in der spannenden Regionalliga, fast 750 Zuschauer kamen bislang im Schnitt zu den Heimspielen ins schöne Zoschke-Stadion und die großen Duelle mit sicherlich stattlicher Kulisse kommen erst noch – gegen Rot-Weiß Erfurt und Energie Cottbus. „Das wird alles brutal schwer“, sagt Lehmann, „wir sind zum ersten Mal zu Gast in der Regionalliga und wollen auch unbedingt drinbleiben. Wir fühlen uns in dieser attraktiven Liga sehr wohl.“ Und die Liga sicher auch mit dem Neuling. Mit dieser verschworenen Gemeinschaft der Freizeitkicker.