Berlin - Corona zum Trotz sollen tatsächlich in etwas weniger als einem Monat die Olympischen Spiele in Tokio beginnen. Und als der Wasserspringer Patrick Hausding am Donnerstagabend zusammen mit den anderen Berliner Olympia- und Paralympics-Athleten bei der Verabschiedungsfeier am Wannsee auf der Bühne gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen, nahm er die Vorlage gern an: „Mal gucken, wie nett mein Bundestrainer ist, ob er mich da reinschmeißt in die Schale.“

In die Losschale kommen für gewöhnlich Athleten, die schon öfter erfolgreich an Sommerspielen teilgenommen haben. Patrick Hausding hat das getan. Nach der Silbermedaille in Peking 2008 im Turmduo mit Sascha Klein und der Bronzemedaille 2016 in Rio de Janeiro im Einzel vom Dreimeterbrett, könnte er, wenn alles perfekt läuft, seine vierten Spiele erneut mit einer Medaille verlassen. „Ich hätte letztes Jahr nicht gedacht, dass 2021 so gut werden könnte“, sagte Hausding. In Budapest hatte er kürzlich seine EM-Titel Nummer 16 und 17 gewonnen.

Lilly Stoephasius schaut heimlich Olympia im Fernsehen

Harry Bähr rechnet damit, dass bei den Olympischen und Paralympischen Spielen etwa 70 Athleten aus der Hauptstadt in 17 olympischen und 7 paralympischen Sportarten antreten: „Damit kommt jeder zehnte Sportler des Teams Deutschland aus Berlin.“ Eine ganze Menge, findet der Olympiastützpunktleiter, wenn man bedenkt, dass der Bevölkerungsanteil der Berliner in Deutschland bei fünf Prozent liege. Während der 32 Jahre alte Hausding bereits eine Menge Olympiaerfahrung gesammelt hat, kommt in der 14 Jahre alten Skateboarderin Lilly Stoephasius die jüngste Athletin des gesamten deutschen Teams ebenfalls aus Berlin.

Als Hausding 2016 in das Becken von Rio sprang, dessen Wasser kurzzeitig mal in einem ungewöhnlichen Grün schimmerte, war Stoephasius gerade neun Jahre alt. „Ich habe jeden Abend heimlich oben auf der Treppe gesessen und mitgeschaut, wenn bei uns im Wohnzimmer Olympia im Fernsehen lief“, erzählt die Schülerin.

Sie stand am Donnerstag ebenfalls auf der Bühne des Areals der Berliner Sparkasse am Wannsee. Und sie hörte zu, als es um Hausding und das Amt des Fahnenträgers ging, das zum ersten Mal als gemischtes Doppel ausgeführt werden darf. In die Abstimmung, wer die Frau-Mann-Spitze an der Fahne bilden wird, sollen sowohl das Team als auch die Öffentlichkeit einbezogen werden. Neben Hausding, dessen Name spätestens jetzt in der Losschale liegt, dürften auch der Berliner Kanute Ronald Rauhe, der vom Brandenburger Olympiastützpunkt nach Tokio verabschiedet wird, Ruderer Martin Sauer aus Berlin oder Dressurreiterin Isabell Werth als Kandidaten für den Job an der Teamspitze gelten.