Als Christoph Menz und seine Teamkollegen des FC Viktoria 1889 nach dem Drittliga-Abstieg und zwei freien Tagen in ihre Kabine am Wildspitzweg in Berlin-Mariendorf kamen, hing dort eine Collage ihrer Medienabteilung an der Wand: auf dem Leintuch, umringt von viktoriablauen Luftballonherzen, stand: „Ihr seid die Besten. Danke für eine unvergessliche Drittliga-Saison“, daneben klebten Fotos der Spieler, dazu Fan-Zitate aus den sozialen Medien wie: „Ihr kommt wieder.“

Die Woche nach der 3:4-Niederlage gegen Meppen ist für Menz und sein Team eine, mit der sie umgehen müssen. „Letztes Wochenende war ein Stimmungstiefpunkt. Das dauert noch an. Ich glaube, dass wir dennoch wissen, dass wir den Pokal gewinnen können und damit die Saison erfolgreicher beenden können. Das haben wir alle zusammen besprochen“, sagt Kapitän Menz, 33.

Für seinen Verein geht es beim Berliner Pokalfinale um Prestige, einen Titel nach der großen Enttäuschung. Darum, sich im Sommer in der ersten DFB-Pokalrunde zu präsentieren – und um die Prämie, die bei 130.000 Euro liegen dürfte. „DFB-Pokal, das hat man ja nicht jedes Jahr. Ich spiele schon ein paar Jahre Profifußball und ich kann sagen, dass ich nur fünf-, sechsmal dabei gewesen bin“, meint Menz.

Als er noch Spieler des 1. FC Union war und sich das Zimmer mit Torsten Mattuschka teilte, habe er nur ein- oder zweimal die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht: „Union hatte zu meiner Zeit immer so ein bisschen Pokalallergie. Wir sind häufig nicht weit gekommen. Und wenn du jetzt am Samstag auf dem Platz stehst, willst du das Finale auf jeden Fall gewinnen, egal, was letzten Samstag passiert ist.“

Vorigen Samstag kullerten bei Viktoria Tränen auf dem Spielfeld und den Rängen. „Jeder von uns hat die zwei freien Tage danach dann anders verbracht“, sagt Menz. Er sei am Abend mit Freunden essen gewesen – und dann viel allein, zurückgezogen, daheim in Köpenick. Sein Boot zu Wasser zu lassen, habe er noch nicht geschafft. „Es ist jetzt keiner gestorben, das auch nicht, aber es war schon ein Drama.“

Mattuschka schaute Viktorias Abstiegsdrama im Jahnstadion als Co-Trainer der VSG Altglienicke zu, die an diesem Sonnabend (12.15 Uhr, ARD) der Gegner des Klubs aus Lichterfelde ist. Vor zwei Jahren gab es diese Paarung im Finale des Berliner Landespokals schon mal. Das Ergebnis: 6:0 für Altglienicke. „Für uns ist es eine Motivation, das Ergebnis von damals geradezurücken, dieses Mal den Pokal bei uns zu lassen und nicht für Altglienicke nach dem Spiel Spalier zu stehen“, sagt Menz.

Der Mittelfeldspieler hat noch immer eine gute Verbindung zu Mattuschka und auch zum 1. FC Union, seinem Lieblingsverein, bei dem er 13 Jahre lang in der Jugend und der ersten Mannschaft spielte. Lieblingsklub? Darf man das als Viktoria-Kapitän sagen? Menz lacht. „Das sind ja zwei ganz verschiedene Vereine. Der eine hat sich komplett etabliert wie Union und hat ’ne Riesentradition, ’ne Riesenfankultur. Da ist Viktoria noch weit davon entfernt. Es war jetzt ein Anfang, den Fuß zum ersten Mal in den Profifußball zu setzen. Es hat lange gut geklappt. Am Ende dann halt doch nicht.“

Im Dezember noch hatte Menz seinen Vertrag mit Viktoria verlängert – für die Dritte Liga, wie er dachte. Jetzt geht’s in die Regionalliga zurück. „Ich denke, dass die Geschichte von Viktoria und mir noch nicht vorbei ist“, sagt Menz dennoch. „Ich glaube, beide Seiten haben Bereitschaft signalisiert, dass es weitergehen kann. Wir werden uns zusammensetzen, und dann denke ich, dass es ein kurzes Gespräch sein kann, wo wir uns schnell einig sind.“

Am Sonnabend will er in der Kabine die Stimmung vor dem Finale wahrnehmen, beeinflussen: „Jeder weiß, es ist das letzte Spiel der Saison. Hey, einmal noch 90 Minuten. Danach geht dann jeder seiner Wege. Man will sich mit einem positiven Gefühl verabschieden“, sagt Menz, „denn dieses Gefühl nimmt man für längere Zeit mit.“