Da freuen sich auch die Maskottchen: Die Berliner Profisportvereine erhalten Zuwendungen aus dem Corona-Konjunkturpaket.
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BerlinInnerhalb des neuen Corona-Konjunkturpakets der Bundesregierung dürfen mindestens 287 Bundesligisten in Profisportarten große Fördersummen erwarten. Die Koalitionäre der Regierung streben Überbrückungshilfen in Höhe von 150 Millionen Euro an. Über die Höhe der Summe und die daran gekoppelten Bedingungen wird im politischen Berlin hinter verschlossenen Türen debattiert. Sport-Lobbyisten wollen dieses gewaltige Paket vom Bundeswirtschaftsministerium in die Verantwortung des für den Leistungssport zuständigen Bundesinnenministeriums (BMI) verschieben. Der Sport, allen voran die Lobby-Vereinigung „Teamsport Deutschland“, erhofft sich damit einen zeitnahen, „einfachen Zugang zu den Fördermitteln“.

Empfangsberechtigt wären alle Erst- und Zweitligisten (Frauen und Männer) im Handball, Volleyball und Basketball. Dazu im Eishockey die Teams von DEL und DEL 2 sowie im Fußball alle Frauen-Bundesligisten und Drittligisten der Männer. Also auch Alba Berlin, die Eisbären, die Füchse (Frauen und Männer), die Berlin Volleys und einige andere Berliner Vereine – sofern dort professioneller oder halbprofessioneller Sport betrieben wird. Es gibt aber Bestrebungen, diese Regelung aufzuweichen und auch auf andere Bundesligen unter Amateurbedingungen auszuweiten.

Im Eckpunktepapier zum Konjunkturpaket ist die etwas unglückliche Formulierung „Profisportvereine der unteren Ligen“ gewählt. Gemeint ist: Vereine der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga (der Männer) gehören nicht dazu. Für diese 36 Vereine der Deutschen Fußball-Liga (DFL) war die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer quasi das Konjunkturpaket, denn auf dieser Grundlage konnte die letzte Tranche der TV-Gelder dieser Saison gezahlt werden.

„Teamsport Deutschland“ listet bislang 287 Vereine als empfangsberechtigt auf. Die staatlichen Überbrückungshilfen sind eigentlich für Unternehmen gedacht, deren Umsätze Corona-bedingt um mindestens 60 Prozent gesunken sind, gezahlt werden soll für Juni bis August 2020. Der Sport pocht auf seine Sonderrolle, spricht von „anderen Spezifika“ und verlangt Zahlungen für mindestens neun Monate, rückwirkend vom März bis mindestens Dezember 2020.

Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und Sprecher von „Teamsport Deutschland“, sagte dieser Zeitung: „Unser Problem ist längerfristig, weil wir davon ausgehen, dass wir bis Ende des Jahres ohne Zuschauer spielen.“ Im Handball soll die neue Saison in der ersten Oktoberwoche starten. Michelmann beziffert die bisherigen Umsatzverluste auf 20 bis 30 Prozent, mit steigender Gefahr, je länger gar nicht und dann ohne Zuschauer gespielt werden kann. Zwischenzeitlich hatte der Sport argumentiert, die Hälfte der Profivereine sei von einer Insolvenz bedroht.

In anderen Verbänden, die zwar Bundesligen haben, aber diese nicht unter Profi-Bedingungen betreiben, sieht man die Lage ein wenig gelassener. So sagt Carola Morgenstern-Meyer, die Präsidentin des Deutschen Hockey-Bundes (DHB): „Im Vergleich zu den anderen Ligen geht es bei uns um Peanuts. Wir sind Amateure und wir fühlen uns vom DOSB gut vertreten.“

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wiederum behauptet Corona-Schäden für die 90.000 Vereine in Deutschland in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Wobei diese Hochrechnung mit Vorsicht zu genießen ist und bei Fachleuten für Verwunderung sorgt. Zugleich behauptet der DOSB eine Schadensumme 235 Millionen Euro für alle Spitzensportverbände, die Landessportbünde, Verbände mit besonderen Aufgaben und die DOSB-nahen Institutionen. Diese 235 Millionen wird man nach der parlamentarischen Sommerpause beim Bund einzutreiben versuchen.

Bislang haben sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Sportminister Horst Seehofer und der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer unter teilweise merkwürdigen Bedingungen stets auf der landsmannschaftlichen Ebene verständigt und für gewaltige Aufwüchse im Sportetat gesorgt. Sie alle sind Mitglieder der CSU. Ob die nun verhandelten 150 Millionen Überbrückungshilfen für Profivereine tatsächlich über das BMI verteilt werden, bleibt offen. In Berlin wird hektisch verhandelt.

Die angestrebten 150 Millionen sind Bestandteil eines Pakets von 25 Milliarden in Verantwortung des Wirtschaftsministeriums. Im Eckpunktepapier der Regierung ist der maximale Erstattungsbetrag auf 150.000 Euro und drei Monate begrenzt. 150 Millionen für (bislang) 287 empfangsberechtigte Vereine ergäbe eine Durchschnittssumme von mehr als einer halben Million pro Verein. Und „Teamsport Deutschland“ ist entschlossen, derlei Mittel auch aus dem Programm zu erhalten. Der umsatzstärkste Berliner Erstligist (außer Union und Hertha BSC) ist Alba Berlin mit einem Etat von etwa 12 Millionen. Dagegen gibt es Zweitligisten unter diesen 287 empfangsberechtigten Vereinen, die mit 30.000 Euro über die Saison kommen – die Spanne ist riesig.

Es gibt über die Höchstsumme und die Förderdauer hinaus kaum Aussagen dazu, an welche spezifischen Bedingungen die Überbrückungshilfen für Profisportvereine gekoppelt werden sollen. In Europa hat ein ähnliches Programm bislang nur die Schweiz aufgelegt, wo in diesem Jahr bis zu 175 Millionen Franken an Fußball- und Eishockeyvereine gezahlt werden können. Dies allerdings als rückzahlbare Darlehen. In Deutschland sind es nicht-rückzahlbare Subventionen. In der Schweiz wollen Regierung und Parlament verhindern, dass Profivereine mit staatlicher Unterstützung so weitermachen wie bisher: Deshalb dürfen diese Vereine ihren Personaletat für die Profis nicht steigern. Die Personalkosten werden sogar an die Darlehen gekoppelt und müssen um mehr als 20 Prozent sinken, je länger die Rückzahlung dauert. In Deutschland ist bislang nichts dergleichen geplant.