Berliner Tischtennis-Profi Petrissa Sohlja: Wenn der Körper zum Stoppschild wird

In der noch jungen Saison sind die Frauen des deutschen Meisters TTC Berlin Eastside wie erwartet noch ungeschlagen. Zwei Siege in der Bundesliga und zwei Erfolge in der Champions League stehen bislang zu Buche. Petrissa Solja, 23, ist dabei nicht zum Einsatz gekommen.

Die Nationalspielerin habe ihre langwierige Verletzung am linken Schlagarm noch nicht auskuriert, hieß es stets. Da auch andere Akteurinnen aus unterschiedlichen Gründen ausfielen, musste Trainerin Irina Palina, 47, häufig auch als Spielerin einspringen und sammelte wichtige Punkte. Nun aber gab der TTC vor einigen Tagen eine längere Mitteilung heraus, die nachdenklich stimmt.

Darin heißt es etwa: „Die olympische Silbermedaillengewinnerin mit der Mannschaft wird nach Rücksprache mit der sportlichen Leitung und der medizinischen Abteilung des DTTB eine längere Wettkampfpause einlegen…“ Solja selbst wird so zitiert: „Die Armverletzung ist so gut wie auskuriert, aber ich fühle mich körperlich und mental erschöpft.“ DTTB-Sportdirektor Richard Prause sagt: „Petrissa hatte über einen längeren Zeitraum hinweg hohe Belastungen … es hat sich ein Gefühl des Überspieltseins eingestellt.“

Fakt ist – und das steckt hinter den Zeilen dieser Mitteilung – Solja ist im Moment „mental ausgebrannt“, wie es TTC-Präsident Alexander Teichmann vorsichtig formuliert. Körper und Geist benötigen eine längere Pause, was bei Hochleistungssportlern, die viele Jahre unter Druck stehen und enorme Stresssituationen erleben, keine Seltenheit ist.

Petrissa Solja sammelte zahlreiche Titel

Bislang ging es in der Karriere von Petrissa Solja nur bergauf. Die Linkshänderin aus einer tischtennisverrückten Familie stieg schnell vom Jugendchampion zur Nationalspielerin auf. Deutsche Jugend-Meisterin, Europameisterin der Schüler, Dritte der Jugend-Weltmeisterschaften stehen in der ersten Phase in ihrer Vita.

Danach sammelte sie auch als Erwachsene zahlreiche Titel. Mit Linz AG Froschberg – Solja schmetterte kurzzeitig in Österreich – gewann sie die Champions League, später auch mit dem TTC Berlin Eastside. 2013 folgte der Europameistertitel im Doppel, 2014 wurde sie mit dem deutschen Team Europas Champion. Den Höhepunkt erlebte sie bei Olympia 2016 in Rio mit dem Gewinn der Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb.

Doch schon knapp ein Jahr vor den Olympischen Spielen begann ein ganz spezieller Stress für Solja. Es ging um den zweiten Startplatz im Einzelwettbewerb in Rio. Die erfahrene Han Ying war als bis dato beste deutsche Spielerin gesetzt. Um den anderen begehrten Platz stritten sich Solja und ausgerechnet ihre Berliner Teamkameradin Shan Xiaona heftig.

Beide agierten beim TTC Eastside sogar oft als Doppel und wurden vor Olympia als Individualisten zu harten Konkurrentinnen. Eine komplizierte Situation. Solja setzte sich schließlich durch, was aber in Nachhinein Kraft und Nerven gekostet habe, wie Insider berichten.

Mit der hohen Belastung häuften sich die Verletzungen

Zuvor, im März 2016, kletterte sie in der Weltrangliste auf Platz 13 und war ihrem Ziel, endlich unter die Top 10 zu gelangen, sehr nah. Dort tummeln sich ausschließlich Spielerinnen aus Asien, vornehmlich aus China und Japan.

Allerdings häuften sich mit der hohen Belastung die Verletzungen. Lange Reisen zu finanziell lukrativen Turnieren, die Weltranglistenpunkte einbrachten, zehrten an den Kräften. „Das ist schon eine große Hatz“, sagt TTC-Präsident Alexander Teichmann.

Dazu brachte sie gute Leistungen bei Eastside in der Liga und der Champions League. „Zwei Jahre spielte sie bei uns auf hohem Niveau“, loben Teichmann und Trainerin Palina. Dennoch: Die Erholungsphasen wurden immer kürzer. Schon kurz nach Olympia folgte die intensive Vorbereitung auf die Heim-Weltmeisterschaften im März 2017 in Düsseldorf. Auch dort waren die Erwartungen an Solja groß. Immerhin: Mit dem chinesischen Spitzenspieler Fang Bo, derzeit Nr. 10 der Welt, schaffte sie im Mix-Wettbewerb eine Bronzemedaille, was sie selbst allerdings als „Minimum“ ansah.

Es folgten eine Fußverletzung und hartnäckige Probleme im Schlagarm. Die Karriere kam ins Stocken, Turnierteilnahmen fielen aus und sie selbst deshalb in der wichtigen Weltrangliste bis auf Rang 35 zurück (Stand: November 2017).

Jetzt setzte der Körper ein heftiges Stoppzeichen. Beim TTC Eastside und beim DTTB bekommt Petrissa Solja „alle Zeit der Welt, sich zu regenerieren“, sagt Teichmann. In den kommenden zwei Wochen wird sie in Berlin zu Gesprächen erwartet. Ihr Vertrag läuft 2018 aus. Der deutsche Meister möchte mit ihr über eine Verlängerung reden und hofft auf eine Zusage.