Nur wenige Besucher mit viel Abstand sind in den Stadien in dieser Saison zur Gewohnheit geworden.
Foto: Imago/Jürgen Fromme

BerlinVielleicht dürfen schon bald wieder Fußballfans die Stadien in Deutschland betreten. Das hängt auch von einem Technik-Unternehmen aus Berlin ab. G2K heißt der Laden, der auf Basis von Künstlicher Intelligenz das Verhalten der Zuschauer im Stadion beobachten und auswerten kann. Beim Heimspiel von Borussia Dortmund wird es am Sonnabend einen ersten Test geben.

Das Tech-Unternehmern stand schon seit längerer Zeit mit dem DFB und der Deutschen Fußball Liga in Kontakt, das Management in Dortmund zeigte dann das größte Interesse. So kam es zur Kooperation. Der Test unter Wettkampfbedingungen sieht so aus, dass das Verhalten der wenigen zugelassenen Zuschauer mit den vorhandenen Kameras wie üblich überwacht wird.

Dazu kommt aber die Software des Unternehmens, die die Bilder auf spezielle Aspekte wie Abstandhalten, Gruppenbildung und Maskentragen untersucht und Verstöße in Echtzeit melden kann. Das passiert nach Angaben von Jens Hensen vollautomatisch, die Programme übernehmen die Arbeit. Wenn also jemand die Maske absetzt oder anderen zu nahe kommt, dann gibt es ein Signal, sodass Ordner alarmiert werden können. Vor allem im Eingangsbereich, auf dem Weg zur Tribüne, im Block und bei den Verpflegungsständen besteht die Gefahr, dass Stadionbesucher sich nicht an die Vorgaben halten.

Es wird allerdings wirklich nur ein erster kleiner Test sein, denn die von der DFL festgelegte Zuschauerzahl darf auch bei dem Spiel nicht überschritten werden. Im Vorfeld der Partie hatte es bereits erste Versuche gegeben, so wurde in Dortmund mit Statisten geprobt und auch bei einem anderen Bundesligisten war die Technik testweise schon im Einsatz. International vertraut Benfica Lissabon auf die Entwicklung aus Berlin.

Jens Hensen, CSO des Unternehmens, also für die Sicherheit zuständig, versichert, dass das Unternehmen sich an die Datenschutzgrundverordnung hält und die Informationen über die Personen nur anonymisiert erfasst und dezentral gespeichert werden. Denn bei dem Projekt geht es um hochsensible Daten. Wer will schon öffentlich als jemand dargestellt werden, der keine Maske im Stadion trägt oder sich nicht an die Abstandsregeln hält? Außerdem soll die Software auch in der Lage sein, die Körpertemperatur zu messen. So sollen Personen vom Stadionbesuch ausgeschlossen werden, die eine erhöhte Temperatur haben. Auch das muss außer den kontrollierenden Ordnern niemand wissen.

Wenn das erste und weitere Experimente erfolgreich verlaufen sollten, dann wären in Zukunft wieder 30.000 bis 40.000 Zuschauer bei einem Bundesligaspiel denkbar, schrieb das Fachmagazin Kicker am Donnerstag. 30 Prozent der Kapazitäten könnten ein erster Schritt sein. „Wir werden nicht sofort von null auf hundert gehen können, sondern Zwischenschritte brauchen“, sagte G2K-Mitgründer Karsten Neugebauer. In den kommenden Wochen sollen die Erkenntnisse jedenfalls zusammen mit dem Verein und der Liga ausgewertet werden.

Dortmund eignet sich als Versuchsstandort auch deshalb gut, weil das Stadion hohen Sicherheitsstandards entspricht und mit zahlreichen Kameras ausgestattet ist. Das ist offensichtlich nicht an allen Bundesliga-Standorten so. „Auch wenn ich nicht alle Stadien in Deutschland kenne, bin ich überzeugt, dass dies bei dem einen oder anderen eine Herausforderung sein wird“, sagte Neugebauer dem Kicker.

Was bei der Planung des Projektes niemand wusste: Dortmund ist nicht weit entfernt von einem der Gefahrenherde der Corona-Krise. Von Rheda-Wiedenbrück, dem Stammsitz des Schlachtbetriebs Tönnies, bis zum Signal-Iduna-Park sind es nur 80 Kilometer. Wäre das Stadion schon wieder für Besucher geöffnet, wäre das Spiel zu einem echten Ernstfall geworden, denn viele Dortmund-Fans leben auch im Münsterland und den angrenzenden Regionen.