Berlin - Der Ort der Feierlichkeiten hätte nicht schöner sein können. In der Cala Mondrago im Südosten Mallorcas, einer idyllischen Bucht mit feinen Sandstränden, die von Pinienwäldern umgeben sind, tummelten sich in der vorigen Woche Spieler, Trainer und Vereinsbosse von Atletico Baleares. Der zweitbeste Fußballverein der Insel nach Real Mallorca wird auch der „Klub der Deutschen“ genannt. Bei gut 20 Grad und Sonnenschein feierten alle den jüngsten sportlichen Triumph – den schwer erkämpften Aufstieg in die neu gegliederte dritte Liga Spaniens, die sogenannte Primera Division RFEF. Drei Tage sei es am Strand hoch her gegangen, berichtete Klub-Präsident Ingo Volckmann im Telefonat.

Ingo Volckmann ist bekannt wie ein bunter Hund

Der Unternehmer aus Berlin-Spandau, 53, ist auf Mallorca bekannt wie ein bunter Hund, seitdem er im Juni 2014 Atletico übernahm und den Klub vor der Insolvenz rettete. „Ich pendelte ja schon lange zuvor zwischen Berlin und Mallorca und betrieb damals eine Diskothek auf der Insel“, erzählt Volckmann. „Eine Bekannte gab mir damals den Tipp, man könne einen Fußballklub kaufen. Man muss ein bisschen bescheuert sein, das auch zu tun, aber ich habe es getan“, sagt der erfolgreiche Machertyp. Für den symbolischen Preis von einem Euro erwarb er Atletico und hat inzwischen „mehrere Millionen Euro“ investiert, Strukturen verändert, Geld in die Stadionsanierung gesteckt und einen auf der Insel beliebten, bodenständigen Verein entwickelt. Seit dem ersten Tag der Klubübernahme steht Patrick Messow, 31, an der Seite des Präsidenten. Der junge Sportdirektor, der auch aus Spandau stammt und einst in der Jugend-Akademie von Hertha BSC arbeitete, ist die rechte Hand des Chefs.

Noch einige Wochen zuvor hatte es nicht nach diesem Triumph ausgesehen, der Atletico in der neuen Liga mehr Reputation und auch mehr Einnahmen verspricht. Noch im März wechselte das Duo Volckmann/Messow nach einigen Niederlagen den Trainer. Xavier Calm löste Jordi Roger ab und schaffte in den wichtigen Qualifikationsrunden sechs Siege in Serie. Calm ist der neunte Coach, seitdem Volckmann den Klub führt. Der sagt, die neue Liga soll professioneller aufgestellt sein, so wird etwa nur noch auf guten Rasenplätzen gespielt werden. Die Liga wird aus zwei Staffeln mit je 20 Mannschaften bestehen. Bislang konnte Atletico mit rund 30.000 bis 40.000 Euro an Sponsoren-Geldern rechnen, in der neuen Liga könnten es rund 300.000 Euro werden.

Doch Geld verdienen mit dem Fußball kann Volckmann bislang nicht. „Das würde erst in der zweiten Liga, der Segunda Division, passieren. Dort gibt es mit Fernsehgeldern rund fünf Millionen Euro.“ Zweimal schnupperte Atletico in der Ära Volckmann schon am Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse, scheiterte jeweils hauchdünn. Doch immer wieder stellte Volckmann, dem im Moment ein Hotel in Cala Millor an der Ostküste Mallorcas und vier Hotels in Berlin gehören, Kader zusammen, die einen Aufstieg schaffen könnten. Die Pandemie hat aber auch ihm zugesetzt. „In Deutschland kamen nun gerade mal die November-Hilfen der Regierung bei uns an“, berichtet Volckmann. Dennoch: Er ist nicht der Typ, der sich entmutigen lässt.

Immer mal wieder geht sein Blick in Sachen Fußball nach Deutschland. Bislang spielten in der Vergangenheit insgesamt acht Deutsche für Atletico, und von Dezember 2015 bis März 2017 amtierte mit Christian Ziege, einem gebürtigen Berliner und Europameister von 1996, ein Deutscher als Cheftrainer. Einer der „Königstransfers“ von Sportchef Messow war der ehemalige Herthaner Malik Fathi, der zwischen 2015 und 2018 insgesamt 100 Einsätze für Atletico absolvierte.

Anfang des Jahres wäre mit Änis Ben-Hatira beinahe ein weiterer ehemaliger Hertha-Profi und gebürtiger Berliner bei Atletico gelandet. Nach einem Probetraining aber verabschiedete er sich und unterschrieb lieber beim abstiegsgefährdeten griechischen Erstligisten AE Larisa.

Die große Leidenschaft ist das Boxen

Der umtriebige Unternehmer kann sich den Fußballklub und auch den von ihm 2017 gegründeten Berliner Boxstall „Agon Sports“ leisten, weil er mit der „Lunos Lüftungstechnik GmbH für Raumluftsysteme“ eine florierende Firma betreibt, die ihre Produkte in 36 Länder vertreibt. Boxen, sagt er, sei seine große Leidenschaft, da er selbst 30 Jahre Kickboxer war. In seinem Boxstall will er Spitzensport bieten, hat unter anderem Jack Culcay, Tyron Ziege und Thomas Piccirillo unter Vertrag. „Große Box-Events gibt es leider aber nur einige pro Jahr“, so Volckmann, „der Fußball bei Atletico findet beinahe jede Woche statt. Abhängig vom Resultat bekomme ich gute oder schlechte Laune.“ Die Laune war zuletzt glänzend.

Und soll es auch in Liga drei bleiben. Wie lautet die Zielstellung in der neuen Liga? Drinbleiben oder angreifen? Volckmann klipp und klar: „Wir greifen wieder an, wir wollen noch weiter nach oben.“