Die biologische Uhr tickt unhörbar. Sie dreht sich im Stillen. Wobei nicht einmal das gesichert ist. Dreht sie sich überhaupt oder ist es ein lautloses Tropfen? Oder ein steter Zerfall? Es ist wenig bekannt über den inneren Zeitgeber, der Organismen ihren Lebensrhythmus vorgibt. Trotzdem ist es Sascha Lewandowski gelungen, die Uhr zurückzustellen. Gerade mit dem Bus aus Braunschweig eingetroffen, schickte er die Spieler am Sonntagabend in die Regenerationseinheit. „So haben wir einen Tag gewonnen“, sagt der gelernte Trainer und Fachmann für Zeitoptimierung.

Wer auf die Schnelle 24 Stunden gewinnt, kann generös Freizeit verteilen. Zumal die Liga aufgrund der Länderspiele am Wochenende pausiert. Auf den freien Montag folgt ein Union-Wochenende ohne Spiel und Training, weil Lewandowski erkannt hat, wie nötig eine Atempause ist. „Wir haben zwei Wochen Zeit, unsere Akkus zu füllen“, sagt Dennis Daube. Die Erschöpfung war ihm nach dem 1:2 in Braunschweig ins Gesicht geschrieben. Die Stimme schwach, die Augen rot unterlaufen.

Der Mittelfeldspieler liebt die dauernde Rennerei. „Am wohlsten fühle ich mich zwischen der Sechs und der Zehn, wo ich meine Läufe machen kann“, sagt er. Doch in der Schlussphase schleppte er sich wie manch anderer mit schweren Beinen über den Platz. Der zum 1:2 abgefälschte Schuss war unglücklich, aber dass der Rückraum unbesetzt blieb, so dass Mirko Boland Maß nehmen konnte, war kein Zufall.

Der Lewandowski-Fußball erfordert eine enorme Kondition. Die Pause kommt daher rechtzeitig, um die Frische wiederzuerlangen. Zumindest mit dem Spielplan hat der 1. FC Union also weiterhin Glück. Lewandowski durfte sein Union-Debüt vor drei Wochen in Karlsruhe feiern, bei einer Truppe, die noch verunsicherter war als das eigene Team. Der Sieg lieferte Vereinsführung und Spielern die wichtige Selbstbestätigung. Pünktlich, als die Freude über den Trainerwechsel nach zwei Niederlagen in Richtung Enttäuschung kippte, ermöglichte Duisburg, der nächste verschüchterte Gegner, drei Punkte.

Test gegen dänischen Zweitligisten

Es sind allerdings nicht nur die Akkus, die es zu füllen gilt. Nach der dritten Niederlage ist Lewandowskis Ausbeute unwesentlich besser als die von Vorgänger Norbert Düwel. Der eine holte aus fünf Spielen sechs Zähler (10:9 Tore), der andere vier (7:8 Tore). Zusammengenommen ergibt das Platz 13. „Mannschaftstaktisch und im Ballbesitz haben wir Fortschritte gemacht“, findet Michael Parensen.

Doch ist noch einige Anstrengung von Nöten, damit die Verbesserung Zählbares bringt. Am Donnerstag wird gegen den dänischen Zweitligisten FC Fredericia (19.30 Uhr, Alte Försterei) getestet. „Wir haben einen neuen Trainer. Deswegen kann man viel trainieren und lernen“, sagt Parensen. Viel Erholung mit viel Training zu vereinen, so lautet Lewandowskis Herausforderung. Union braucht mehr Zeit.